Vertrag ist unterzeichnet ZF Lenksysteme gehört künftig Bosch alleine

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ZF, der Namensgeber der ZF Lenksysteme, hat sich zurück gezogen. Wie das Unternehmen künftig heißen wird, ist unklar. Die IG Metall fordert in einem Flugblatt Gespräche zur Sicherung der Zukunft der Mitarbeiter.

Peter  Ottenbruch, Chef von ZF Lenksysteme,   muss künftig nur noch  an den Zulieferer Bosch berichten. Foto: StZ
Peter Ottenbruch, Chef von ZF Lenksysteme, muss künftig nur noch an den Zulieferer Bosch berichten. Foto: StZ

Stuttgart - Das Geschäft ist perfekt. Bosch, bisher mit 50 Prozent beteiligt, ist künftig alleiniger Eigentümer der ZF Lenksysteme (ZFLS). Der Vertrag mit dem Zulieferer ZF, der ebenfalls 50 Prozent der Anteile hält, ist am Montag unterzeichnet worden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Spekuliert wird über einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Die Übernahme soll – vorausgesetzt die Kartellbehörden stimmen zu – bis Frühjahr nächsten Jahres vollzogen sein. ZFLS setzt mit 13 100 Beschäftigten 4,1 Milliarden Euro um. Über den Namen will Bosch später entscheiden. „Lassen Sie uns Zeit“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner während einer Telefonkonferenz.

Am Montagmittag wurden die Beschäftigten informiert. Für viele Mitarbeiter sei die Übernahme eine „große Enttäuschung“, steht auf einem Flugblatt der IG Metall. „Viele Beschäftigte sind schon seit ihrer Ausbildung Teil der ZF-Familie, alle sind in die ZF-Sozialsysteme eingebunden, das Werk in Schwäbisch Gmünd ist eines der ältesten ZF-Werke. Und das alles soll jetzt nichts mehr gelten?“, ist auf dem Flugblatt zu lesen. Die IG Metall fordert „sichtbare Taten der Geschäftsführung“ und meint damit „Gespräche über die Zukunftssicherung für Standorte und Beschäftigung in Deutschland“.

Angst um die Arbeitsplätze brauchen sich die Beschäftigten aber wohl nicht zu machen. Es werde weder Änderungen bei der Strategie noch bei der Struktur geben, sagte Bosch-Geschäftsführung Wolf-Henning Scheider. Als Vorsitzender des ZFLS-Aufsichtsrats war er daran schließlich auch beteiligt. Sowohl Denner als auch Scheider wiesen auf die zunehmende Bedeutung der Elektrolenkungen hin, die mittlerweise 60 Prozent zum Umsatz des Unternehmens aus Schwäbisch Gmünd beitragen. Die Elektrolenkung sei die Basistechnologie für die wichtigsten Trends in der Autoindustrie wie automatisiertes Fahren oder effiziente Fahrzeuge. Als Beispiel nannte er den Spurhalteassistenten, der das Auto automatisch auf Kurs hält. ZFLS sei Pionier auf diesem Gebiet. Das Unternehmen habe das Rangieren von Pkw oder Lkw mit Anhänger per Smartphone zur Serienreife entwickelt, nannte Denner als Beispiele. Wenn Bosch nun den vollen Zugriff auf das Unternehmen habe, sorge dies für „einen Schub in der Systementwicklung“.

Denner bezeichnete ZF Lenksysteme als innovationsgetriebenes Unternehmen. Jeder zehnte Mitarbeiter arbeite in der Entwicklung. Im vergangenen Jahr wurden 238 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aufgewendet, das sind rund 5,8 Prozent des Umsatzes. Seit der Gründung vor 15 Jahren wurden 750 Patente angemeldet.

Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach beurteilt die Übernahme wohlwollend. Die Technologie bei den Zulieferern bewege sich von der Mechanik hin zur Elektronik. Zwar habe Bosch auch schon in der Vergangenheit den Zugriff gehabt. Aber als alleiniger Gesellschafter könne man auch alleine bestimmen. Dies beschleunige Entscheidungsprozesse.