Der VfB-Manager Fredi Bobic will den Vertrag des Nationalspielers um fünf Jahre verlängern - aber Christian Träsch hat andere Vorstellungen.

Stuttgart - Vermeintlich hat Fredi Bobic am Dienstag erst mal neue Fakten geschaffen. Über "Bild" preschte der Manager des VfB Stuttgart nach vorne und teilte mit, dass er Christian Träsch angeboten habe, dessen noch bis 2012 laufenden Vertrag um fünf Jahre zu verlängern - zu erheblich verbesserten Bezügen. "Damit haben wir ihm unsere Wertschätzung gezeigt", erklärte Bobic - und fügte hinzu, dass "wir uns zeitnah eine Entscheidung wünschen". In Wirklichkeit war diese Entscheidung da aber schon gefallen. Denn Träsch hat bereits in der vergangenen Woche gesagt, dass er das Angebot nicht annimmt. Das ist der eigentliche Fakt, den Bobic auf StZ-Anfrage hin bestätigt: "Es stimmt, der Spieler hat unser Gespräch schnell abgebrochen."

 

Deshalb wundert man sich im Umfeld von Träsch auch über die plötzliche Offensive von Bobic, die sinnlos sei und die Situation verkenne. Von Seiten des Spielers sei alles gesagt, heißt es, und über eine Vertragsverlängerung müsse nicht mehr diskutiert werden. Dieses Thema sei erledigt.

Ein sofortiger Abgang ist alles andere als ausgeschlossen

Dabei ist der VfB beim Gehalt an seine Schmerzgrenze gegangen. Statt wie bis jetzt 1,5 Millionen Euro pro Jahr hätte Träsch künftig das Doppelte verdienen können - ab sofort und bis 2016. Verbunden war das Paket mit der Aussicht, dass er nicht mehr im defensiven Mittelfeld eingesetzt wird, sondern als rechter Verteidiger, damit er in der Nationalmannschaft bessere Perspektiven besitzt. Aber all das hat Träsch nicht überzeugt und nicht dazu geführt, dass er sich länger an den VfB bindet.

Womöglich gehört diese Taktik zu einem einfachen Pokerspiel, an dessen Ende nur eine nochmalige Anhebung der Gage stehen soll. Nicht gerade wenige Signale deuten jedoch darauf hin, dass es Träsch ernst gemeint hat mit der negativen Antwort, die er Bobic vor ein paar Tagen gegeben hat. Auf diese Weise hat er die Verhandlungen beendet, bevor sie aufgenommen werden konnten. Das bedeutet, dass er im Augenblick nicht daran denkt, über den 30. Juni 2012 hinaus in Stuttgart zu bleiben - wenn überhaupt. Zumindest ist ein sofortiger Abgang jetzt alles andere als ausgeschlossen.

Bobic hat schlechte Karten

Einige Interessenten haben sich auf jeden Fall schon beim VfB gemeldet - speziell der FC Schalke 04 und noch spezieller der VfL Wolfsburg. Der Kreis schließt sich bei Felix Magath. Denn der aktuelle Trainermanager des VfL Wolfsburg wollte Träsch bereits in der Winterpause verpflichten - als er noch Trainermanager beim FC Schalke 04 gewesen ist. In seiner momentanen Funktion verfügt Magath mit dem Sponsor VW im Rücken über so viel Geld, dass er die Offerte des VfB problemlos überbieten und Träsch locker ein Salär zwischen vier und fünf Millionen Euro bewilligen kann. Das ist sicher ein Argument für einen Transfer und vermutlich auch ein Grund für den Korb, den Bobic soeben von Träsch kassiert hat.

Dennoch will sich der VfB nicht weiter hochtreiben lassen und Träsch im Zweifel lieber verkaufen - wenn der Preis stimmt. Ungewiss ist, bei welcher Summe der Club schwach wird: bei sechs Millionen Euro, bei acht, bei zehn oder bei zwölf? Wenn Magath wirklich will, wären das für ihn alles keine unüberwindlichen Hürden - und wenn nicht, könnte Träsch auch mit dem Ist-Zustand noch gut ein Jahr leben.

Zumal er 2012 ablösefrei wäre, was bei einem Wechsel in der Regel mit einem Handgeld für den Spieler verbunden ist. Der VfB würde dagegen leer ausgehen. Um das zu verhindern, zieht Bobic alle Register. "Wir geben den Kampf um Träsch nicht auf und planen weiter mit ihm", sagt er. Aber dabei hat er schlechte Karten. Das sind heute die Fakten - der am Dienstag gestarteten Offensive des Managers zum Trotz.