Vertragsverlängerung von Enzo Millot Millot und der VfB Stuttgart – warum es ein Deal mit Signalwirkung ist

Enzo Millot hat beim VfB einen neuen Vertrag unterzeichnet. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB Stuttgart bindet einen seiner Leistungsträger langfristig. Die Signalwirkung der Personalie Enzo Millot ist bemerkenswert.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Beim 2:1-Auswärtssieg des VfB Stuttgart bei der Frankfurter Eintracht Ende November gab es eine Szene, die gut verdeutlicht, welche Entwicklung Enzo Millot in den vergangenen Monaten vollzogen hat. Nach wenigen Sekunden hatte er in der Partie die frühe Führung durch Deniz Undav mit einem perfekten Steckpass vorgelegt, in der Folge aber nicht an seine teils überragenden Leistungen der vorhergegangenen Partien anknüpfen können.

 

Doch Millot leistete Schwerstarbeit. Er ackerte wie ein Verrückter. Spät in der zweiten Hälfte, das Spiel war längst entschieden, verfolgte er Frankfurts Willian Pacho bis fast zur gegnerischen Eckfahne, um den Ball zu erobern. Eine reine Willensleistung. Die Aktion misslang, Pacho befreite sich vom Druck und entledigte sich seines Gegenspielers. Mit einer verzweifelten Grätsche versuchte Millot noch, ihn aufzuhalten. Danach blieb er völlig platt liegen und streckte alle Viere von sich.

Wie Bruno Labbadia Enzo Millot entscheidend kitzelte

Genau dieses Arbeitsethos ist es, das Millot unter Trainer Sebastian Hoeneß zu einer festen Größe werden ließ – und die im Team nach der vorzeitigen Vertragsverlängerung (bis 2028 statt 2025) auch erst einmal eine solche bleiben wird. Dass der VfB und Millot dieses Zeichen kurz vor dem Wiederbeginn der Bundesligasaison setzten, lässt aufhorchen – und wird auch dem Chefcoach gefallen.

Sebastian Hoeneß profitierte von der Vorarbeit seines Vorgängers Bruno Labbadia, der Millot erst ob seiner aus seiner Sicht nicht besonders ausgeprägten Einstellung zu seinem Beruf kritisierte, den jungen Franzosen damit aber letztendlich so kitzelte, dass dieser Grundlegendes verbesserte. Hoeneß vertraute Millot schnell, seitdem läuft es für den 21-jährigen, filigranen Techniker aus Lucé, einem kleinen Ort im Departement Eure-et-Loir in der Nähe von Paris, der einst von der AS Monaco zum VfB wechselte.

In dieser Saison stand er in 75 Prozent aller Spiele in der VfB-Startformation (bisher zwei Treffer und zwei Vorlagen), spielte dazu oft den wichtigen Pre-Assist, also die Vorlage zur Vorlage. Millot bringt es bisher auf 60 Torschuss-Beteiligungen. Auch seine 18 direkten Torschussvorlagen stellen einen Spitzenwert dar. Um seine größte Qualität herausarbeiten zu können, muss man aber etwas tiefer in die Daten eintauchen, die das Institut für Spielanalyse bereitstellt. Millots Magie entfaltet sich an einem entscheidenden Punkt: Im frühen Aufbau (23 Beteiligungen).

Er ist so etwas wie der verbindende Klebstoff zwischen Defensive und Offensive. Nur Leverkusens Florian Wirtz (28) ist in dieser Kategorie noch besser als Millot. Das ist im Spiel nicht immer gleich augenscheinlich, aber essenziell für vielversprechende Abschlüsse später im Strafraum durch die Teamkollegen, wie auch seine Passqualität im letzten Drittel (87 Prozent).

Konsequenz: Sein Marktwert explodierte. Aus einst 1,75 Millionen Euro Kaufpreis wurden 25 Millionen Euro, wenn man die aktuelle Bewertung des Portals transfermarkt.de zugrunde legt. Nur eine Verletzung im Abschlusstraining verhinderte kürzlich sein Debüt für die französische U 21.

Enzo Millots Fernziel sind die Olympischen Sommerspiele

Das will Millot bald nachholen, schon in der Länderspielpause im März soll das Debüt folgen. Sein Fernziel sind die Olympischen Sommerspiele. Im eigenen Land die Tricolore vertreten zu dürfen, treibt den zweifachen Vater an. In Stuttgart fühlt er sich mit seiner jungen Familie wohl, zog unlängst innerhalb der Stadt um – und es scheint, als habe seine neue Heimat bereits mächtig auf ihn abgefärbt. Ganz schwäbisch entschied er sich auch für den neuen Wohnsitz, weil ihm die Monatsmiete zuvor zu teuer war.

Nun hat der offensive Mittelfeldspieler beim VfB Stuttgart vorzeitig und langfristig verlängert. „Ich bin sehr glücklich. Wir haben eine top Mannschaft, einen tollen Trainer und zuletzt erfolgreiche Spiele bestritten – deshalb habe ich mich entschieden, länger beim VfB zu bleiben“, begründet der Franzose seine Entscheidung. Ein Faktor sind für ihn auch die Anhänger. „Einen großen Anteil daran haben unsere Fans. Die Atmosphäre bei den Heimspielen ist unglaublich“, schwärmt Millot.

Die logische Konsequenz der Entwicklung von Enzo Millot

Am Donnerstagmittag setzte der Franzose seine Unterschrift unter den Vertrag. Bis Juni 2028 ist das neue Arbeitspapier nun datiert, sein siebenstelliges Grundgehalt hat nun eine Zwei vorne stehen. Die logische Konsequenz seiner Entwicklung. „Enzo war einer der Leistungsmotoren in dieser Hinrunde. Seine persönliche Entwicklung ist bemerkenswert. Als sehr junger Spieler hat er den Schritt zum verlässlichen Leistungsträger vollziehen und dabei oft in entscheidenden Situationen Tore erzielen können“, sagt Sportchef Fabian Wohlgemuth.

Ein teures Paket für den VfB – der nach Informationen unserer Redaktion auch nicht umhinkam, eine Ausstiegsklausel im Vertrag fixieren zu lassen. Das sind noch die Regeln, nach denen der VfB wirtschaftlich funktionieren muss, will er sich langfristig die Dienste wichtiger Spieler und entsprechend hohe Ablösesummen bei einem Verkauf sichern. Dennoch ist es ein Paket mit ungeheurer Aussagekraft.

Denn lange Jahre war es Usus für den Club mit dem Brustring, seine besten Spieler ziehen lassen zu müssen. Sei es aus finanziellen Zwängen wie in den letzten Jahren, als die Verantwortlichen immer signifikante Transferüberschüsse erwirtschaften mussten. Oder weil die Spieler ob ihrer Qualität und ihrer Zukunftsaussichten dem Club entwachsen waren wie einst beispielsweise Timo Werner oder Mario Gomez. Letzterer sagte unlängst im Gespräch mit unserer Redaktion, der VfB werde nun „Schutzschilder brauchen“, um seine besten Spieler gegenüber den gestiegenen Begehrlichkeiten und Verlockungen des Marktes abzuschirmen. Wenige Tage später ist dies dem Club zumindest in einem Fall gelungen.

Eine Personalie mit Signalwirkung. Nach außen, weil die nationale und internationale Konkurrenz nun weiß, dass der Club in der Lage ist, seine besten Spieler zu halten. Aber vor allem nach innen. Denn auch innerhalb der Mannschaft wird die Vertragsverlängerung genau registriert und als Zeichen dafür gewertet werden, dass der VfB in dieser Saison und der nahen Zukunft noch Großes vorhat. Das gilt insbesondere für die laufenden Vertragsgespräche mit den Schlüsselspielern Chris Führich und Waldemar Anton, die zumindest im Falle des Kapitäns kurz vor dem Abschluss stehen. Und selbst Topstürmer Serhou Guirassy dürfte sich nun sehr genau überlegen, ob ein Wechsel in diesem Transferfenster für ihn wirklich Sinn ergibt.

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