Verunreinigter Erdaushub Zwei Deponien für den Dreck der Region Stuttgart

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Seit dem Jahr 2000 übernimmt die Abfallverwertungsgesellschaft des Kreises Ludwigsburg für den Regionalverband die Entsorgung von mineralischen Abfällen und verunreinigtem Bodenaushub. Jetzt soll der Vertrag um fünf Jahre verlängert werden.

Die Deponie Froschgraben in Schwieberdingen. Foto: factum/Granville
Die Deponie Froschgraben in Schwieberdingen. Foto: factum/Granville

Stuttgart - S-Bahn, Regionalplanung, Wirtschaftsförderung – das gehört zu den bekannten Aufgaben des Verbands Region Stuttgart. Aber es gibt auch Zuständigkeiten, die kaum jemand kennt. Dazu gehört die Entsorgung von mineralischen Abfällen und verunreinigtem Bodenaushub. Da der Verband aber nie eigene Deponien betrieb und dies auch künftig nicht tun wird, übernimmt diese wenig ruhmreiche Aufgabe seit dem Jahr 2000 die Abfallverwertungsgesellschaft des Kreises Ludwigsburg (AVL).

Ende des Jahres läuft der aktuelle Vertrag aus. Er soll erneut um fünf Jahre bis einschließlich 2024 verlängert werden. Die Regionalversammlung hat zugestimmt, das Ja des Kreistags soll in einigen Wochen folgen.

Region lobt Kreis Ludwigsburg

„Wir leben die Zusammenarbeit mit der AVL seit 2000, und wir leben sie in guter Form“, sagte der regionale Wirtschaftsdirektor Jürgen Wurmthaler, der aber auch betont, dass die Aufgabe von der AVL „freiwillig wahrgenommen“ werde. Bei mineralischen Abfällen handelt es sich um Schlacken und Kernsande, die in Gießereien verwendet werden. Leicht verunreinigter Bodenaushub ist mit Schutt, Kriegstrümmern und Schlacken belastet. Je nach Verschmutzung wird der Abfall in unterschiedlich klassifizierte Deponien verbracht, die besonders abgedichtet sind.

Jährlich nimmt die AVL 190 000 Tonnen Bauschutt und Schlacken im Auftrag der Region an, aber auf eigene Rechnung. Eine Andienungspflicht gibt es im übrigen nicht. Derartiger Abfall kann auch auf andere Deponien in Deutschland verbracht werden.

Was passiert mit S-21-Müll?

Das passiert in großem Rahmen beispielsweise beim Bauprojekt Stuttgart 21. Da erwartet die AVL bis 2024 maximal 80 000 Tonnen pro Jahr – nur ein Bruchteil der rund 20 Millionen Tonnen, die insgesamt bei den Tunnelarbeiten anfallen und vor allem auf Großdeponien in Baden-Württemberg und in ostdeutschen Bundesländern transportiert werden.

Deponien bei Vaihingen und Schwieberdingen

Die AVL hält die Deponien Burghof bei Vaihingen/Enz und Froschgraben bei Schwieberdingen bereit, in letzterer landet auch der S-21-Aushub. Am Froschgraben werden durchschnittlich 281 500 Tonnen Abfälle der Klasse I abgelagert, wovon nur rund 55 Prozent aus dem Kreis Ludwigsburg, der große Rest aus der übrigen Region Stuttgart, aus anderen Teilen des Südwestens oder gleich aus anderen Bundesländern stammen. Im Burghof, einer Deponie beim Vaihinger Ortsteil Horrheim, landen jährlich 227 000 Tonnen Abfall der Klassen I und II. Hier kommt ein Drittel aus dem Kreis Ludwigsburg, zwei Drittel aus der Region und weitersher. Die Deponie Einöd in Stuttgart-Hedelfingen steht nur für den „Notfall“ zur Verfügung, die in Backnang-Steinbach wird kaum in Anspruch genommen.

Einseitige Belastung?

„Wir sind der AVL sehr dankbar“, sagte Wurmthaler in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses. Dieses Lob rief allerdings Regionalräte aus dem Kreis Ludwigsburg auf den Plan. „Die Belastung ist nicht bei der AVL, sondern bei der Bevölkerung von Vaihingen und Schwieberdingen“, meinte der Vaihinger OB Gerd Maisch (Freie Wähler). Die beiden Orte betrieben das Abfallgeschäft für die anderen 177 Kommunen der Region. „Es gibt keinen Ansatz, dass die Lasten anders verteilt werden“, so Maisch.

Auch sein Fraktionskollege Rainer Gessler erinnerte daran, dass andere Standorte nicht in Sicht seien. Ein Suchlauf im Kreis Böblingen sei vor kurzem gestoppt worden. Dort sind der Landrat Roland Bernhard und der Sindelfinger OB Bernd Vöhringer über den Standort einer neuen Erddeponie im Sindelfinger Stadtwald über Kreuz. Und Jörg Becker (Grüne) verwies darauf, dass die AVL „nicht immer den besten Eindruck“ gemacht habe, Stichworte: fehlerhafte Gutachten, heimliche Einlagerung von Bauschutt aus Atomanlagen. Auch AVL-Geschäftsführer Tilman Hepperle forderte: „Die anderen Kreise müssen sich anstrengen, damit es weitere Kapazitäten gibt“.

Zwar gibt es auf den Deponien Froschgraben und Burghof noch Platz für jeweils rund eine Million Kubikmeter. Die Restlaufzeiten werden von der AVL mit sieben und zehn Jahren angegeben, wobei Burghof noch weitere, bereits genehmigte Reserven aufweist. Für unbelasteten Bodenaushub beträgt das nutzbare Deponievolumen in mehreren Anlagen in der Region rund zehn Jahre. Da weitere Flächen bereits genehmigt sind, reicht der Zeithorizont bis mindestens 20 Jahre. Das stuft Wurmthaler als „ausreichend“ ein.

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