Verwirrende Corona-Regeln Das Badeparadoxon vom Bodensee
Die aktuelle Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg macht’s möglich: Nur außerhalb der Bäder ist das Schwimmen erlaubt.
Die aktuelle Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg macht’s möglich: Nur außerhalb der Bäder ist das Schwimmen erlaubt.
Konstanz - Im letzten Moment dreht die Polizeistreife ab. Dabei hätte es wohl einiges an Bußgeldern zu kassieren gegeben. Es ist ein sonniger Tag, und im Konstanzer Strandbad Horn, dem Hörnle wie man es hier liebevoll nennt, ist mächtig etwas los. Im Wasser tummeln sich bereits die ersten Badegäste, und das ist ein Problem: Nach der geltenden Corona-Verordnung ist das Baden in den Freibädern nämlich landesweit immer noch strikt untersagt.
Der Sinn erschließt sich nicht einmal dem Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU). 600 Meter beträgt die Uferlänge allein am Strandbad Horn, dem größten am Bodensee. Die ausgewiesene Wasserfläche erstreckt sich über 83 000 Quadratmeter. „Wir verfügen am See über Badezonen solcher Dimension, dass die Einhaltung der Abstandsregeln ohne Probleme möglich ist“, sagt Burchardt. Jetzt hat er einen Brief an Guido Wolf (CDU) geschrieben. Der Tourismusminister solle sich für ein rasches Ende des Schwimmverbots einsetzen.
Ist das Baden im Bodensee erlaubt oder verboten? Die Antwort dürfte auch zahlreiche Touristen aus dem Land überraschen, die mangels internationaler Reisemöglichkeiten ihre Pfingstferien am Bodensee verbringen wollen. Bis zum 14. Juni, also dem Ende der Pfingstferien, sind die Freibäder gesperrt. Der See an sich ist aber frei, ein Sprung ins Wasser keineswegs verboten – vorausgesetzt er erfolgt nicht an den ausgewiesenen und in normalen Zeiten auch überwachten Badestellen. Nicht nur der OB findet das paradox. „Weder den Einheimischen noch den Touristen lässt sich vermitteln, dass man ausgerechnet an den Orten, die dafür ausgestattet sind, nicht ins Wasser darf“, sagt Burchardt.
In Konstanz ist die Lage besonders knifflig. Zum einen ist die Stadt mit ihren langen Uferstrecken ohnehin ein einziges Freibad. Zum anderen ist das Hörnle, vor exakt 100 Jahren eröffnet, seit je kostenlos und damit auch ein Park, der während der gesamten Corona-Zeit geöffnet blieb. Bis zu 2000 Sonnenhungrige wurden dort zuletzt gezählt. Man werde in den nächsten Tagen das Badeverbot natürlich genau kontrollieren, verspricht Burchardt. Aber überzeugt klingt er nicht. Das Baden ließen sich die Konstanzer sowieso nicht verbieten.