Die Kläranlage in Kornwestheim erhält einen Umgehungskanal. Schmutz- und Niederschlagswasser sollen getrennt werden. Foto: Stadt Kornwestheim
An der Kläranlage in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) wird ein Umgehungskanal gebaut. Warum das Millionen-Projekt benötigt wird und wie es trotz klammer Finanzen jetzt möglich ist.
Das Kernstück einer jahrzehntelangen Planung stellte die Stadtverwaltung Kornwestheim am Dienstag der Presse vor: Ein 550 Meter langer Kanal soll künftig das Niederschlagswasser um die Kläranlage herumführen.
Bislang fließen Niederschlags- und Abwasser gemeinsam in die Kläranlage. „Das ist nicht ökologisch sinnvoll. Wir verschmutzen Wasser dadurch erst, um es dann aufwendig zu reinigen“, sagt Erster Bürgermeister Daniel Güthler. Seit den 1990er-Jahren gibt es in Kornwestheim Pläne in der Stadt, Schmutz- von Niederschlagswasser zu trennen. Weil es in der Salamanderstadt keine großen Flüsse gibt, ist dies auf natürlichem Weg kaum möglich. Es braucht den Eingriff von Menschenhand.
Ein weiterer Aspekt, der für den neuen Kanal spricht ist laut Güthler und Dirk Maisenhölder, dem Tiefbauchef der Stadt, dass dadurch mehr Schutz vor Überschwemmungen im Fall von Starkregenereignissen gegeben ist.
Auch die Offenlegung des Holzbachs im Jahr 2024 gehört zu den Maßnahmen zum Schutz vor Starkregenüberflutungen. Foto: Peter Mann
„In den letzten zehn Jahren war die Kläranlage etwa fünf Mal überschwemmt“, erinnert sich Christoph Herkommer von stadteigenen Betrieb Entwässerung. Wenn eine Kläranlage überschwemmt, kann das zu Schäden an der Technik führen, aber vor allem dazu, dass ungefiltertes Abwasser in die Umgebung gelangt. Durch den neuen Kanal soll die Gefahr vermindert werden.
50 Kubikmeter pro Sekunde
In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Derzeit fließen 14 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Kläranlage. Wenn der Kanal fertig ist, können 50 Kubikmeter pro Sekunden in den Neckar weitergeleitet werden. Die Gefahr von Rückstau am Eingang der Kläranlage soll dadurch verringert werden.
Dabei ist der Kanal an der Kläranlage nur Teil des Projekts: Bis Ende 2032 soll die Trennung von Schmutz- und Niederschlagswasser durch neue Bäche und Kanäle fertig sein. Insgesamt werden dann laut Christoph Herkommer, dem Leiter des technischen Abwassermanagements bei den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB), rund vier Kilometer an Kanälen und offenen Gewässern für das Projekt angelegt sein.
Umgehungskanal kostet sechs Millionen
Der Umgehungskanal an der Kläranlage ist das Ende der Kette und soll deshalb als erstes fertig werden. Baubeginn ist Ende 2026, Fertigstellung Ende 2027. Die Kosten belaufen sich auf sechs Millionen Euro.
Wie sich die Stadt eine solche Summe trotz Haushaltssperre leisten kann? Ganz einfach: Die Maßnahme geht auf das Konto des Eigenbetriebs Stadtentwässerung und ist gebührenfinanziert. Das heißt, dass die Nutzer das Projekt über Abwasser- und Niederschlagsgebühren zahlen. Laut Güthler liege man bei den Gebühren aber immer noch unter dem Durchschnitt.
„Die Gebühren sind Ende des Jahres 2025 gestiegen auf 2,20 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser, der Durchschnittswert des Landes liegt hier bei 2,36 Euro pro Kubikmeter“, sagt Stadtsprecherin Sandra Schuon. Die Niederschlagswassergebühr liegt in Kornwestheim bei 35 Cent pro versiegeltem Quadratmeter. Der baden-württembergische Durchschnittswert liege bei 54 Cent pro versiegeltem Quadratmeter.
Warum die Maßnahme trotz langer Planung – 2009 erfolgte der Grundsatzbeschluss – erst jetzt in Angriff genommen wird? Die Antwort ist kurios: wegen Stuttgart 21. Für einen Teil des Kanalverlaufs muss die Stadt Kornwestheim auf eine ihr gehörende Ausgleichsfläche für das Bahnprojekt zugreifen. Diese liegt auch noch auf Stuttgarter Gemarkung. Die Verhandlungen darüber, ob die Fläche nun für den Kanal genutzt werden kann, zogen sich schon länger hin, sind nun aber zu einem Abschluss gekommen.