Verzwickte Bauarbeiten in Kornwestheim So komplex ist der Neubau der B 27-Brücke

Von Peter Meuer 

Die Bundesstraße in Kornwestheim wird zur Baustelle – und das für lange Zeit: Zweieinhalb Jahre dauert der Neubau der Gumpenbachbrücke. Die neue Strecke soll sicherer und komfortabler sein, doch der Weg dahin wird anstrengend.

32 Monate sind für  den Neubau der Gumpenbachbrücke, die  aus zwei Brückenteilen besteht, veranschlagt. Der Verkehr kann während dieser Zeit weiter rollen, allerdings mit Einschränkungen. Foto: Katharina Sauter
32 Monate sind für den Neubau der Gumpenbachbrücke, die aus zwei Brückenteilen besteht, veranschlagt. Der Verkehr kann während dieser Zeit weiter rollen, allerdings mit Einschränkungen. Foto: Katharina Sauter

Kornwestheim - Eingeschränkt ist das Fahren auf der Gumpenbachbrücke in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) schon seit Jahren. Die Fahrbahn ist verschmälert, es gilt ein streng kontrolliertes Tempolimit von 60 Stundenkilometern und ein Überholverbot für Lastwagen. Der Grund: Die Brücke ist extrem marode. Doch nun beginnen die Arbeiten für den Neubau. Zweieinhalb Jahre sind dafür veranschlagt. Was erwartet Anwohner und Autofahrer? Hier sind die drängendesten Fragen und die Antworten darauf zusammengefasst.

Wozu der Neubau?

Die rund 100 Meter lange Gumpenbachbrücke führt als Abschnitt der B 27 über das Tal südlich der Aldinger Straße. Etwa 50 000 Autos fahren täglich darüber. Die Brücke wurde 1954 gebaut und ist extrem marode. Eine Anfrage des Ludwigsburger Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger (CDU) ergab vor vier Jahren, dass die Brücke sogar die schlechteste im Kreis ist, die dem Bund gehört. Auf einer Skala von 1 (sehr guter Zustand) bis 4 (ungenügend) erhielt sie den Wert 3,7. „Es gibt viele Korrosionsschäden“, sagt Tim Weirich, Sachgebietsleiter im Baureferat West des Stuttgarter Regierungspräsidiums (RP), das die Maßnahme plant. Es sei nicht sinnvoll, die Brücke zu sanieren. Stattdessen wird sie neu gebaut. Die Kosten von 27 Millionen Euro trägt der Bund.

Was ist Teil der Baumaßnahme?

Die Gumpenbachbrücke besteht eigentlich aus zwei Bauwerken, einem östlichen und einem westlichen. Beide werden von Grund auf neu aufgebaut. Als Teil der Baumaßnahme wird das Regierungspräsidium auch noch weitere Schwachstellen des Knotenpunkts eliminieren: Die Anschlussstelle Kornwestheim Nord soll Ein- und Ausfädelstreifen erhalten, außerdem sollen teilweise höhere und modernere Lärmschutzwände aufgestellt werden, um die nahe gelegenen Kornwestheimer Wohngebiete besser zu schützen. Neuer Asphalt wird im Bereich der Gumpenbachbrücke ebenfalls aufgebracht.

Wie ist der Stand?

Die Arbeiten haben bereits begonnen. Für das östliche Brückenbauwerk werden Bohrarbeiten vorbereitet und demnächst ausgeführt. Bis Mitte März ist deswegen der rechte Fahrstreifen der B 27 in Richtung Ludwigsburg gesperrt. Zur Vorbereitung werden Arbeitsebenen für die Bohrmaschinen hergestellt, anschließend Löcher für Pfeiler und Widerlager gebohrt.

Dürfen Autos auf der B 27 fahren?

Das Regierungspräsidium organisiert die Arbeiten so, dass der Verkehr zu jeder Zeit weiter auf der Bundesstraße fahren darf. Deswegen wird zunächst das östliche und dann erst das westliche Bauwerk erneuert – ein Brückenstück steht den Fahrzeugen also immer zur Verfügung. Allerdings nicht ohne Einschränkungen. Es gibt Fahrbahnverengungen, Überholverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Der Kornwestheimer Baubürgermeister Daniel Güthler betont die Vorteile für die Stadt: Bei einer Vollsperrung der Gumpenbachbrücke über viele Monate müsste Kornwestheim eine Menge Umleitungs- und Ausweichverkehr ertragen.

Wie geht es nun weiter?

Die Arbeiten sind in Bauphasen eingeteilt. Phase eins läuft zurzeit. Sie beinhaltet auch noch die Herstellung des – zunächst ein Stück verschobenen – östlichen Bauwerks und einer provisorischen Ausfahrt an der Anschlussstelle Nord/West. Danach wird der Verkehr komplett auf die neue und auf die alte „Ostbrücke“ verlagert und das westliche Bauwerk abgerissen. In Phase zwei werden weitere Verbauten und Widerlager hergestellt. Phase drei beinhaltet den Bau der westlichen Brücke, die teilweise Verlagerung des Verkehrs dorthin und den Abbruch der alten östlichen Brücke samt Widerlager. Mit der Phase vier folgt schließlich der Clou der Planung: Der Verkehr wird komplett auf den westlichen Brückenteil verlagert. Die neue östliche Brücke, die bislang noch ein Stück wegstand, wird nun an ihre endgültige Stelle geschoben. Dank dieser Technik ist es möglich, die östliche Brücke neu zu bauen und gleichzeitig die alte Ostbrücke weiter befahren zu lassen – und so den Verkehr während der gesamten Bauzeit weiterfließen zu lassen.

Was ist die Beweissicherung?

Das Ingenieurbüro Philipps aus Murr wird Gebäude in der Nähe des Baufeldes – das zwischen der Überquerung der Zeppelinstraße und der Überführung Aldinger Straße liegt – beweissichern. Das heißt, dass der Zustand der dortigen Gebäude geprüft wird und Messstationen aufgestellt werden. So soll überwacht werden, ob die Erschütterungen während der Bohrarbeiten zu stark werden. Nach dem Abschluss der Arbeiten kann zudem überprüft werden, ob weitere Schäden an Gebäuden entstanden sind.

Wie sieht es in der Umgebung aus?

Die Großbaustelle auf der B 27 in Kornwestheim wird voraussichtlich massive Auswirkungen auch in Ludwigsburg haben. Zum einen, weil der Verkehr stadtaus- wie stadteinwärts in Stoßzeiten nicht fließen kann. Was, zum anderen, besonders gravierend sein dürfte, weil in der Stadt selbst große Umbaumaßnahmen anstehen. Die größte dauert von April bis Dezember: Die Sanierung von Schwieberdinger und Friedrichstraße zwischen der MHP-Arena und der Stuttgarter Straße. Verschärfend hinzu kommt dass die Schillerstraße, wo die Kreissparkasse baut, drei Jahre lang nur in Richtung Weststadt befahrbar sein wird. An Ostern wird das Stuttgarter Regierungspräsidium zudem damit beginnen, die A 81 zwischen Ludwigsburg-Nord und -Süd zu sanieren. Dazu gehört auch, dass zeitweise die Autobahnanschlüsse für mehrere Wochen gesperrt werden.