Vesperkirche in Göppingen Wo es neben Essen auch Nahrung für die Seele gibt

Eine Helferin räumt in der Vesperkirche das Geschirr einer Besucherin ab. Die beiden Damen sind darüber hinaus ins Gespräch gekommen. Foto: Giacinto Carlucci

Zum 30. Mal findet die Vesperkirche in der Göppinger Stadtkirche statt. Noch bis zum 2. März gibt es täglich ein warmes Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen. Dass alles funktioniert, liegt auch an einem engagierten Team aus Ehrenamtlichen.

Es ist kurz nach 11 Uhr, als der weiße Wagen mit der Aufschrift „Haus Linde“ an der Göppinger Stadtkirche vorfährt. Er hat Wichtiges geladen, rund 180 Portionen Gemüsecremesuppe und Fleischbällchen, die heute in der Vesperkirche zum Mittagessen serviert werden. Die ersten Gäste warten schon in der Kirche, manche suchen sich schon ihre Plätze, andere plaudern mit den anderen Wartenden in der Schlange. Bereits zum 30. Mal hat das Haus Linde die Vesperkirche organisiert. „Am Anfang war es eine Idee für die Wohnungslosen, da hatten wir zwei Bierbankgarnituren und haben alles selber gekocht“, erinnert sich der Leiter der Einrichtung, Wolfgang Baumung. Inzwischen sind es 170 Sitzplätze in der Kirche, am Tag werden rund 200 Essen ausgegeben. Gekocht werden diese von der Wilhelmshilfe, stemmen könnten die Helfer das zusätzlich nicht mehr.​

 

Es kommen längst nicht nur Wohnungslose

Schnell hatte man gemerkt, dass das Angebot von vielen mehr benötigt wird als nur von den Wohnungslosen. Viele ärmere Menschen, aber auch Alte und Alleinstehende kommen immer wieder gerne. „Es geht um das Miteinander, die Menschen müssen zusammenrücken und so kommt man ins Gespräch“, erklärt Baumung, der jeden seiner Helfer mit Handschlag oder Umarmung begrüßt. Das Zwischenmenschliche ist auch im Team sehr wichtig. Die 25 Helferinnen und Helfer, die heute Essen ausgeben, Geschirr abtragen oder spülen und immer für Nachschub sorgen, wissen eigentlich alle, wo sie anpacken müssen.

Insgesamt sind es rund 90 Helfer, bis auf ein paar Bewohner des Hauses Linde sind alle anderen ehrenamtlich tätig. Mindestens sechs Einsätze muss jeder absolvieren, die meisten machten mehr, freut sich Baumung. Wie viele Einsätze Adelheid Richter schon hinter sich hat, weiß sie selbst nicht mehr so genau. Seit 26 Jahren gehört die Seniorin zum festen Stamm der Helfer. „Am Anfang war der Arbeitsaufwand viel höher“, erinnert sie sich. Für sie ist es jedes Mal ein schönes Erlebnis, in der Vesperkirche zu helfen, das Team sei super. „Jeden Tag kommen andere Leute, aber es funktioniert immer alles reibungslos, und alle wissen, wo sie anpacken können und müssen.“

Dieses Jahr kann sich das Team der Vesperkirche über noch mehr Helfer freuen. Die Firma Kleemann schickt jeden Tag zwei Helfer, von der Geschäftsführung zum Azubi, jeder kann mal ran. Heute ist auch ein Elektroniklehrling im zweiten Lehrjahr mit dabei. Der junge Mann sei begeistert davon, sich einbringen zu können, auch mal eine andere Seite vom Leben zu sehen. Es sei ein tolles Gefühl zu spüren, wie sich die Menschen freuen, erklärt er, während er einem Mann den Teller abräumt.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

„Das Essen ist super“, lobt eine Göppingerin. Sie sitzt gemeinsam mit zwei Frauen, Mutter und Tochter, am Tisch. Die beiden waren schon im Vorjahr jeden Tag in der Vesperkirche, in diesem Jahr gesellte sich eines Tages die Dritte zu ihnen an den Tisch. „Seitdem sind wir unzertrennlich!“ Die drei Frauen sind gerne hier. Wenn es nach ihnen ginge, könnte die Vesperkirche auch viel länger geöffnet sein als nur sechs Wochen. Ähnlich sehen es auch zwei Frauen. Beide tauschen sich beim Essen über die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt aus, ihnen wurde vor kurzem die Wohnung gekündigt. Es sei besonders schön, sich in so einer Zeit zumindest keine Sorgen über das Essen machen zu müssen, erklärt eine der beiden.

Die Sitzplätze sind voll, viele essen zusammen und unterhalten sich nett. Eine ältere Dame kommt etwas zaghaft auf Wolfgang Baumung zu. Ob die Vesperkirche auch am Sonntag geöffnet sei, fragt sie vorsichtig. Natürlich, versichert ihr Baumung. Bis zum 2. März findet die Vesperkirche jeden Tag von 11.30 bis 13.30 statt.

Daten und Fakten

Öffnungszeiten
 noch bis 2. März, täglich 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr​

Kuchenspenden
Kontakt zur Koordination täglich von 10 bis 13.30 Uhr unter Telefon 0 71 61 / 50 52 93; Abgabe von Kuchenspenden (keine Kuchen mit Sahne oder rohen Eiern) im Pavillon der Göppinger Stadtkirche​

Veranstalter
Die Vesperkirche in Göppingen ist eine Veranstaltung des Hauses Linde e.V. - Wohnungslosenhilfe im Landkreis Göppingen – in Kooperation mit der Evangelischen Kirchengemeinde Göppingen und der Wilhelmshilfe. 

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