Vesperkirche in Ludwigsburg Vom Menschenrecht des Dazugehörens

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Zum siebten Mal öffnet in Ludwigsburg die Vesperkirche. Bis zum 6. März gibt es für Menschen aller Gesellschaftsschichten in der Friedenskirche täglich ein Mittagessen. Doch es geht nicht nur ums Essen.

In der Friedenskirche geht es in den nächsten drei Wochen wieder  um das leibliche wie auch um das seelische Wohl der Gäste. Foto: factum/Bach
In der Friedenskirche geht es in den nächsten drei Wochen wieder um das leibliche wie auch um das seelische Wohl der Gäste. Foto: factum/Bach

Ludwigsburg - Der logistische Aufwand im Vorfeld ist jedes Jahr enorm. Aber von ein paar Krankmeldungen abgesehen, läuft alles seit Sonntagvormittag reibungslos. Pünktlich um 11.30 Uhr eröffnete Gisela Vogt mit einem lauten Schlag auf einen Gong die siebte Ludwigsburger Vesperkirche. „Das Essen ist fertig“, bedeutet diese akustische Einladung der Friedenskirchenpfarrerin. Zu diesem Zeitpunkt sind an den Tischen schon viele der Plätze von wartenden Gästen belegt. Gleichzeitig strömen immer mehr Menschen in die Kirche. Die Vesperkirche ist ganz offensichtlich nicht mehr wegzudenken aus dem Kalender vieler Ludwigsburger.

An Helfern und Essern mangelt es nicht

Bis zum 6. März werden unzählige ehrenamtliche Helfer jeden Tag in dem zum Gasthaus umgebauten Kirchenraum zwischen 11.30 und 14.30 Uhr um die 500 Essen servieren. Manche helfen nur einen Tag, einige sind länger im Einsatz. Andere haben in der Vorbereitungszeit mit angepackt und auf dem Sandsteinboden der Kirche Holzdielen verlegt und diese mit Folie abgeklebt. Der Arzt Ulrich Wendel hat am Sonntag den Ambulanzdienst übernommen. „Ich versorge Verletzungen, wenn etwas passiert“, sagt der 77-Jährige. Ansonsten sieht er sich eher als Zuhörer der Menschen, die glauben, keinen Zugang mehr zum Gesundheitssystem zu haben. Ihnen will er Wege aufzeigen, wie sie doch noch zu ihrem Recht kommen können. „An Helfern mangelt es uns nicht“, sagt Gisela Vogt erleichtert. An hungrigen Essern aber offenbar auch nicht, wie die voll besetzten Tische um halb zwölf belegen.

Am ersten Tag gibt es Sauerbraten oder Gemüseküchle mit Spätzle und Salat. Das Essen liefert die Zentralküche der Karls­höhe. Wenn es angekommen ist, geht in der Friedenskirche die Arbeit los. In Kuchenteam, Spüldienst, Café, Service, Transport- oder Empfangsdienst teilt Bärbel Albrecht von der Sozialberatung der Diakonie die Männer und Frauen jeden Vormittag ein. Mit dem Zuruf der Aufgabe weiß offenbar jeder, was er zu tun hat.