Stammt aus der Jugendakademie von Sporting Lissabon: Flavio Nazinho, der in Brügge bereits Profierfahrung gesammelt hat. Foto: IMAGO/Isosport
Er wäre eine starke Alternative für die Position hinten links: Flavio Nazinho von Cercle Brügge wird in Stuttgart hoch gehandelt. Noch aber ist der Deal nicht in trockenen Tüchern.
Die Planung und Weiterentwicklung des eigenen Spielerkaders, das ist ein viel zitiertes Credo in Managerkreisen der Fußball-Bundesliga, sie läuft ja das ganze Jahr hindurch. Da macht auch der VfB unter Federführung von Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und Sportdirektor Christian Gentner keine Ausnahme. Allerdings gibt es mit Blick auf das Sommer-Transferfenster auch die ganz heiße Phase, in welcher Nägel mit Köpfen gemacht werden – und die läuft jetzt an.
Mit dem Esslinger Grischa Prömel, 31, von der TSG Hoffenheim, das ist längst kein Geheimnis mehr, ist man sich bereits so gut wie einig. Allein mit Blick auf den laufenden Spielbetrieb, in dem der VfB auch mit den Kraichgauern um einen Platz möglichst in der Champions League ringt, wird das anstehende Engagement des Sechsers im Neckarpark öffentlich bis Saisonende auf kleiner Flamme geköchelt.
Auch auf der Position des linken Verteidigers tut sich was: Denn es besteht inzwischen kein Zweifel mehr daran, dass sich der VfB sehr für den Portugiesen Flavio Nazinho, 22, von Cercle Brügge interessiert. Der 1,78 Meter große Linksfuß stammt wie einst Cristiano Ronaldo aus der Jugendakademie von Sporting Lissabon, wurde 2023 zunächst an die Belgier verliehen, die ihn dann ein Jahr später fest verpflichteten und mit einem Vertrag bis 2028 ausstatteten.
In 22 Ligaspielen bereits zehn gelbe Karten
Nazinho hat sämtliche U-Nationalteams Portugals durchlaufen, ist ein technisch versierter, aber dennoch robuster Linksverteidiger mit Offensivdrang – und passt somit gut in die Stuttgarter Spielanlage unter Cheftrainer Sebastian Hoeneß. Dass Nazinho in seinen bislang 22 Saisonspielen der belgischen Pro League bereits zehn gelbe Karten gesehen hat, birgt eine positive wie negative Komponente: So geht der 22-Jährige einerseits keinem Zweikampf aus dem Weg, musste anderseits am Wochenende in der Partie gegen VV St. Truiden zum wiederholten Mal wegen einer Gelbsperre zusehen.
Klar ist, dass ein Wechsel nach Stuttgart für den Portugiesen ein Karrieresprung zur richtigen Zeit wäre. Erste Gespräche hat es bereits gegeben, doch wie so oft stellt die Ablösesumme eine hohe Hürde dar: Für den Linksfuß, für den man eine Million Euro nach Lissabon überwies, ruft der Drittletzte der belgischen Liga nun rund zehn Millionen Euro auf. Dies ist ein Betrag, den der VfB nicht bezahlen will.
Maximilian Mittelstädt hofft auf ein WM-Ticket von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Foto: IMAGO/Eibner
Dabei stellt sich allerdings die Frage, wie groß der Leidensdruck der Stuttgarter auf der Position hinten links noch wird. Schon jetzt würde Nazinho eine starke Ergänzung zu DFB-Nationalspieler Maximilian Mittelstädt darstellen. Ramon Hendriks, der aktuell auch als Linksverteidiger aufläuft, könnte sich dann voll auf seine Aufgaben als Innenverteidiger konzentrieren.
Allerdings ist noch ein anderes Szenario denkbar auf dem internationalen Markt, der ja immer in Bewegung ist. Nämlich, dass entweder der Niederländer Hendriks, einer der Aufsteiger der Saison beim VfB, oder Mittelstädt nach Saisonende den Club verlassen. Bei beiden Akteuren hätten Wohlgemuth und Co. aufgrund der laufenden Verträge ohne Ausstiegsklausel das Heft des Handelns in der Hand.
Allerdings ranken sich um Mittelstädt nicht zum ersten Mal Gerüchte, der SSC Neapel sei interessiert. Und Hendriks könnte für Oranje möglicherweise noch auf den von Bondscoach Ronald Koeman gesteuerten WM-Zug aufspringen. Wie sich die Dinge hier auch entwickeln mögen: Die Personalie Flavio Nazinho bleibt beim VfB eine ganz heiße.