VfB-Clique Auf den Hundt gekommen

Dieter Hundt in Manndeckung: eineinhalb Stunden hat der 72-Jährige mit der VfB-Clique diskutiert. Foto: Baumann
Dieter Hundt in Manndeckung: eineinhalb Stunden hat der 72-Jährige mit der VfB-Clique diskutiert. Foto: Baumann

Aufsichtsratschef Dieter Hundt hat die VfB-Clique besucht, um von Angesicht zu Angesicht zu diskutieren. Ein erstaunlich harmonischer Abend.

Chef vom Dienst: Tobias Schall (tos)
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Stuttgart - Dieter Hundt ist überpünktlich. Kurz vor 18 Uhr ist es an diesem Abend, als der Aufsichtsratschef des VfB Stuttgart die Tür zu Ottos Vesperstüble öffnet. Er trägt auf seiner Mission ein dunkles Hemd, dazu eine schwarze Jeans und ist bestens vorbereitet auf den Freitagabend an diesem Ort, an dem regelmäßig ein Urteil gefällt wird von den sechs Richtern, die Henker zugleich sein können. "Ach, der Herr Hundt begibt sich in die Niederungen der Gesellschaft", frotzeln die Gäste am Eingang. Der Weg zu den Dauerkartenbesitzern in den Biergarten führt vorbei an Fandevotionalien und Zeitungsausschnitten: "Willkommen im Raubtierkäfig Vesperstüble", steht über einem Artikel, der an der Wand gerahmt ist. Gleich tritt er den Raubtieren gegenüber, die jüngst über den Mann aus Uhingen hergefallen sind.

"Hallo zusammen, ich freue mich, hier sein zu dürfen", sagt er dann und bestellt ein Bier. Dieter Hundt nimmt Platz auf der Bank im Biergarten des Vesperstübles, eine grüne Oase inmitten der Industrielandschaft und Gleise hinter der Schleyerhalle. Er schmeichelt den Freunden, ein Fan der Clique sei er. "Es tut mir leid, dass ich die letzte Runde so gestört habe", sagt er: "Darüber bin ich ein bisschen traurig, weil manches einfach nicht haltbar ist."

Hundt ist gekommen, um Vorurteile auszuräumen

Vor ihm liegt ein hellroter Heftordner, viel ist nicht drin, es ist eine DIN-A4-Seite, auf der manche Sätze mit Leuchtstift angestrichen sind. Dieses Blatt ist der Grund für diesen Besuch. Es ist ein Ausdruck der VfB-Clique vom 19. Mai. "Der Marionettenspieler" war die Überschrift zu diesem Artikel in der Stuttgarter Zeitung. Als Dieter Hundt den Artikel morgens las, war er, nun ja, not amused über den Vorwurf der sechs Freunde, dass er die Geschicke beim VfB leitet - und alles deshalb leidet, seit der Club auf den Hundt gekommen ist. "Er ist das große Problem", war der Tenor.

Deswegen ist er gekommen, um von Angesicht zu Angesicht zu diskutieren, und Vorurteile auszuräumen. Es ist eine PR-Tour in eigener Sache, eine Art persönliche Gegendarstellung zu den Vorwürfen. Und natürlich ist es auch Wahlkampf beim bürgerlichen, beim kritischen VfB-Fan. Die Hoheit über den Stammtisch gewinnen.

Freunde, hebt Dieter Hundt an: "Ich versichere euch, ich habe mich niemals in das operative Geschäft eingemischt. Natürlich tauschen wir uns über Themen aus, dafür ist der Aufsichtsrat da, aber was da alles rumgeistert, ist absoluter Unsinn." Aber Herr Hundt, entgegnet die Runde, "Sie wollen uns doch nicht erzählen, dass Sie keine Macht haben?" Man kennt Bilder von ihm mit der Kanzlerin, er ist Arbeitgeberpräsident einer der weltgrößten Wirtschaftsmächte - und vielleicht rührt auch daher der Glaube, dass ein derart mächtiger Mann Entscheidungen maßgeblich beeinflusst. Macht? Er lächelt: "Sie müssen mal bei mir zu Hause vorbeischauen." Gelächter am Tisch bei Bier und Weißweinschorle. Charmant ist er, der Abend läuft gut für ihn. "Natürlich diskutieren wir, aber es ist am Ende nicht so, dass der Aufsichtsrat den Daumen hebt oder senkt."




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