VfB-Co-Trainer Mehr als nur der zweite Mann

Von Marko Schuhmacher 

Über seinen Assistenten Eddy Sözer sagt VfB-Trainer Labbadia: "Er ist mein Partner". Dafür hat Sözer sogar seinen Beruf aufgegeben.

 Foto: Baumann
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Stuttgart - Ein Leben im Hilton-Hotel neben der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena bietet so manchen Vorteil. Man muss nicht aufräumen, wer will, bekommt sein Frühstück ans Bett, und der Fußweg zum Vereinsgelände des VfB Stuttgart dauert kaum fünf Minuten. Also denken der Trainer Bruno Labbadia und sein Assistent Erdinc "Eddy" Sözer zurzeit nicht daran umzuziehen.

Sie wissen ja auch noch gar nicht, wie lang sie in Stuttgart bleiben - schon im Sommer könnte es vorbei sein. Und Zeit für die Wohnungssuche bleibt keine. "Wir sind im Moment 24 Stunden am Tag damit beschäftigt, die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen", sagt Sözer. Morgens um sieben seien sie die Ersten, die zur Arbeit erscheinen, spät am Abend häufig die Letzten, die sich in den Feierabend verabschieden. Trainingspläne schmieden, Videos vom nächsten Gegner sichten, das Training leiten, Mannschaftsbesprechungen machen, die Lage analysieren - all das gehört zu ihren Aufgaben, und all das machen Labbadia (44) und Sözer (42) gemeinsam.

Es gibt in der Liga nicht allzu viele Trainergespanne, die eine derart enge Zusammenarbeit pflegen. Sözer ist mehr als nur der zweite Mann, "er ist mein Partner", sagt Labbadia, der wiederum dafür verantwortlich ist, dass Sözer den Sprung in den Profifußball gewagt hat.

Profifußball nur mit Labbadia


Als Sohn türkischer Gastarbeiter ist Sözer mit drei Jahren aus Istanbul nach Darmstadt gezogen. Hier hat er sein Abitur gemacht, ein Jurastudium begonnen, anschließend in der IT-Branche gearbeitet - und nebenher immer Fußball gespielt. Er war ein großes Mittelfeldtalent, erholte sich jedoch nie richtig von einer schweren Knöchelverletzung mit 16 Jahren. Mit einer Profikarriere wurde es nichts - sehr früh schlug Sözer daher die Trainerlaufbahn ein.

Schon mit 21 war er Spielertrainer bei der SKG Ober-Ramstadt in der Bezirksoberliga, Jahre später Coach der U23 von Darmstadt 98. Dort kreuzte sich sein Weg mit dem Weg Labbadias, der 2003 beim hessischen Oberligisten seinen ersten Trainerjob antrat. Als Labbadia 2006 Darmstadt wieder verließ und im Jahr darauf bei Greuther Fürth anheuerte, fragte er Sözer, ob er sein Assistent werden wolle. Sözer wusste um das Risiko, er wusste, dass es keine einfache Entscheidung ist, mit 37 aus dem Beruf auszusteigen. "Aber ich wusste auch: wenn ich in den Profifußball gehe, dann nur mit einem Partner, der Bruno Labbadia heißt."

Sözer will eines Tages Labbadia von Istanbul überzeugen


Gemeinsam arbeiteten sie in Fürth, in Leverkusen, beim Hamburger SV. "Eine echte Freundschaft" habe sich im Laufe der Jahre entwickelt, sagt Sözer, und ein Verhältnis, in dem jeder genau weiß, welche Rolle er hat. Labbadia gebe die Linie vor, die Sözer in der täglichen Arbeit auf dem Trainingsplatz umsetzt und an der er im Hintergrund eng beteiligt ist: "Wir gehen offen und kritisch miteinander um - und vertreten am Ende eine Meinung."

Sözer ist zufrieden in dieser Rolle, ihn drängt es nicht danach, irgendwann selbst Cheftrainer zu werden. "Ich habe mich ganz klar für diese Partnerschaft mit Bruno Labbadia entschieden", sagt er - und weiß, dass solch eine kompromisslose Festlegung auch Risiken in sich birgt. Denn nur wenn Labbadia Arbeit hat, hat auch er selber welche. Sorgen macht sich Sözer dennoch nicht. "Wir haben erste Schritte gemacht, und ich bin überzeugt davon, dass unser Weg noch lange nicht zu Ende ist." Sein Fernziel steht schon fest: Eines Tages will er Labbadia überzeugen, gemeinsam nach Istanbul zu gehen, in seine Heimat. Eddy Sözer ist sicher, dass es klappt.