VfB-Finanzvorstand Ulrich Ruf blickt zurück

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Ulrich Ruf feiert Dienstjubiläum. Seit 30 Jahren ist der jetzige Vorstand für Finanzen und Verwaltung beim VfB. Ein Rückblick.

Ulrich Ruf feiert Dienstjubiläum. Foto: Baumann 3 Bilder
Ulrich Ruf feiert Dienstjubiläum. Foto: Baumann
Stuttgart - Am 1. April 1980 hat Ulrich Ruf seine Arbeit beim VfB Stuttgart begonnen, zunächst als Assistent der Geschäftsleitung, schnell als stellvertretender Geschäftsführer. Im September 1990 ernannte der VfB Ruf zum Direktor für Finanzen, Recht, Verwaltung und Organisation, im Oktober 2000 wurde der heute 54-Jährige in den Vorstand berufen.

Der größte Erfolg


Das ist der Umbau des Stadions in eine reine Fußballarena. Zwei-, dreimal hatten wir Anläufe gestartet, sind immer wieder gescheitert, doch jetzt hat es endlich geklappt. Ich freue mich vor allem für unsere Zuschauer und bin froh, dass wir diesen zukunftsweisenden Umbau gemeinsam mit der Stadt Stuttgart machen können. Die neue Mercedes-Benz-Arena wird unsere Wettbewerbsfähigkeit enorm steigern. Die reine Fußballarena war aber auch ein großer Wunsch vieler Fans.

Der größte Glücksmoment


Natürlich jede Meisterschaft, jeder Pokalsieg, jede Finalteilnahme im Europapokal. Das Allergrößte für mich war aber 2001 der vorletzte Bundesligaspieltag. Schalke kam als Titelaspirant zu uns, für uns ging es um den Klassenverbleib. Und dann bekommt Krassimir Balakov in der 90. Minute den Ball auf den Fuß und er haut das Ding rein. Ich habe damals mit der Faust gegen eine Betonwand geschlagen, und mein Kollege Rainer Mutschler sagte sofort: "Die Hand ist jetzt gebrochen." Das war sie nicht, doch in diesem Moment löste sich mit einem Mal die ganze Anspannung, die sich angesammelt hatte. Ein unglaublicher Moment.

Die größte Enttäuschung


Da gibt es einige Augenblicke. Ich sage immer: du kannst ein Spiel verlieren, wenn der Gegner stark ist, aber du darfst es nicht verlieren, wenn er schwach ist und du nicht alles gegeben hast. Eine fahrlässige überhebliche Spielweise ist für mich die größte Enttäuschung im Fußball. Aber so etwas kommt immer mal wieder vor. Die letzte große Enttäuschung habe ich in dieser Saison erlebt, als wir im DFB-Pokal bei Greuther Fürth ausgeschieden sind.

Die größte Überraschung


Das waren ganz klar die Feierlichkeiten nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 2007. Wir hatten relativ viel investiert in neue Spieler wie Ricardo Osorio und Pavel Pardo oder auch Roberto Hilbert, aber ganz vorne dabei waren wir nicht. Dann haben wir einen fantastischen Schlussspurt hingelegt und sind Meister geworden. Wie die 250 0000 Menschen die Mannschaft danach auf den Straßen gefeiert haben, war überwältigend. Wir saßen in den Autos, die Leute haben dir die Hände geschüttelt, sich bedankt. Es hieß ja immer, die Schwaben seien wenig begeisterungsfähig und verbiestert. Doch bei dieser Feier haben sie wie schon bei der WM 2006 bewiesen, dass das nicht stimmt.

Der größte VfB-Spieler


Das ist schwierig. Es gibt viele Namen. Natürlich möchte ich Hansi Müller, die Förster-Brüder, Jürgen Klinsmann, Matthias Sammer, Krassimir Balakov und Guido Buchwald nennen. Aber ich will auch Robert Schlienz nicht vergessen. Ich durfte ihn noch persönlich kennenlernen. Solche Leistungen ohne Unterarm zu bringen wie er in den 1950er Jahren – davor habe ich den größten Respekt. Ohne jetzt den anderen Spielern aus jüngerer Zeit gegenüber ungerecht zu sein: Guido Buchwald, der elf Jahre für uns gespielt hat und als einziger VfB-Spieler Weltmeister wurde, hat mich wie Schlienz wohl am meisten beeindruckt.

Der größte Freund unter den Spielern


Ich habe nie die ganz große Nähe zu unseren Spielern gesucht und mir immer eine professionelle Distanz bewahrt. Ich duze mich nur mit zwei oder drei Leuten aus der Vergangenheit. Dazu gehört Hansi Müller, mit dem ich im Vorstand zusammengearbeitet habe. Ein Freund ist mir über die Jahre Hermann Ohlicher geworden. Einmal im Jahr gehe ich mit ihm und seiner Frau essen. Der Termin ist mir wichtig.

Der größte Fehler


Da habe ich natürlich auch ein paar gemacht. Wenn man im Vorstand etwa die Verpflichtung eines Spielers mitgetragen hat, und die Sache ist dann schiefgegangen, muss man dazu stehen. Man wird in dieser Hinsicht immer mal wieder einen Fehler machen, weil der Ausgang so einer Geschichte ja nicht hundertprozentig planbar ist. Ein großer Fehler ist mir mal passiert, als ich in einer Pachtvertragsangelegenheit um 30 000 Mark betrogen wurde. So etwas enttäuscht mich enorm. Ich habe zwar das Geld mit Zins und Zinseszins wiederbekommen, aber dass mir so etwas passieren konnte, hat mich sehr geärgert.

Die größten Duelle des VfB


Natürlich ist das Spiel zuletzt gegen die Bayern eine große Sache gewesen und hat alle begeistert. Auch Derbys gegen den KSC waren in der Vergangenheit immer etwas Besonderes. Doch mir persönlich am wichtigsten waren früher die Stadtduelle gegen die Kickers in der Bundesliga. Da ging es um die Vormachtstellung in Stuttgart, und ich glaube, wir haben jedes der vier Bundesligaspiele gewonnen.

Die größte Herausforderung


Wir wollen sportlich auch in Zukunft international dabei sein. Und ich möchte, dass wir neben allen wirtschaftlichen Anstrengungen, die heute unumgänglich sind, als Verein nah an der Basis bleiben. Sowohl unsere Fans und Mitglieder als auch unsere Partner sollen sich mit dem VfB identifizieren können. Kurzfristig wäre es natürlich wünschenswert, wenn wir uns noch für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren, doch Druck haben wir deshalb nicht. Man darf nicht vergessen, wo wir herkommen. Wir haben zuletzt eine fantastische Serie hingelegt. Außerdem waren wir in den letzten zehn Jahren achtmal international vertreten. So eine Bilanz kann nicht jeder Club vorweisen.