VfB gegen Wolfsburg Der Startschuss geht nach hinten los

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Ein verschossener Elfmeter und ein Gegentreffer in letzter Minute: Der Bundesligaauftakt des VfB Stuttgart hätte frustrierender kaum sein können. Das 0:1 gegen den VfL Wolfsburg könnte Spuren hinterlassen.

Bei der Auslosung des DFB-Pokals hatte der VfB Stuttgart mit dem Heimspielgegner St. Pauli zur Abwechslung einmal Glück. Foto: Pressefoto Baumann 41 Bilder
Bei der Auslosung des DFB-Pokals hatte der VfB Stuttgart mit dem Heimspielgegner St. Pauli zur Abwechslung einmal Glück. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Sepp Herberger hätte seine helle Freude an diesem Spiel gehabt. Denn praktisch alle vom einstigen Trainer der deutschen Nationalmannschaft so gerne ins Feld geführten Fußballweisheiten fanden bei der 0:1-Niederlage des VfB Stuttgart gegen den VfL Wolfsburg ihre Bestätigung – und zwar in dieser Reihenfolge: 1. Der Gefoulte soll den Elfmeter nicht selbst schießen.2. So etwas rächt sich.3. Das Spiel dauert 90 Minuten.4. Der Ball ist rund, auch bekannt unter . . . 5. So ist Fußball.6. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.Diese Partie der vielen Phrasen, 85 Spielminuten lang ein rechter Langweiler, hielt für den VfB ein geradezu brutales Ende bereit. Erst verschoss Vedad Ibisevic den Elfmeter und dazu noch einen anschließenden Achtmeter (siehe dazu „Mill, Beckham – Ibisevic“). Mehr oder weniger im Gegenzug erzielte Bast Dost den Wolfsburger Siegtreffer.

Spielerisch lief nicht alles nach Plan

Frustrierender hätte die Bundesliga­saison für den VfB kaum beginnen können, was allerdings nicht allein auf die dramatischen Schlussminuten dieses Samstagabendspiels zurückzuführen ist. Es begann ja schon mit einer kleinen Stuttgarter Enttäuschung, nachdem in der Mercedes-Benz-Arena viele Plätze unbesetzt geblieben waren. Ein nicht ausverkauftes Stadion zum Auftakt – kein gutes Zeichen.

Aber auch spielerisch lief beim VfB nicht alles nach Plan. Trainer Bruno Labbadia und Sportdirektor Fredi Bobic sprachen später unisono von einem „Abnutzungskampf auf Augenhöhe“. Das hört sich nicht schön an und sieht auch nicht schön aus. Der VfB wirkte ideenlos, allen voran der Spielmacher Tamás Hajnal. Aber auch Martin Harnik, in der vergangenen Saison als Aktivposten äußerst zuverlässig, zeigte sich nicht besonders spritzig. Da sich kein anderer Stuttgarter fand, Initiative zu ergreifen, entwickelten sich fast keine zwingenden Offensivaktionen. Dies war auch schon im Spiel gegen Dynamo Moskau der Fall, wurde aber durch die späten Tore zum 2:0-Hinspielsieg geschickt übertüncht.

Und noch ein bisschen frustrierender wird die Niederlage für den VfB, weil man sich gerade zu Saisonbeginn Vorteile gegenüber der Konkurrenz versprochen hatte. Doch nicht die zur Vorsaison fast unveränderte Stuttgarter Mannschaft – lediglich der solide Tim Hoogland stand neu in der Startformation – wirkte eingespielter, sondern die mal wieder runderneuerten Wolfsburger von Felix Magath. Und der sah einen „in der Entstehung glücklichen, aber verdienten Sieg“ seiner Mannschaft.

Eine Frustration blieb dem VfB erspart

Auch das nächste Bundesligaspiel dürfte die VfBler nach der schmerzhaften Niederlage nicht optimistisch stimmen. Am Sonntag muss die Mannschaft beim mit dem 3:0 in Fürth souverän gestarteten FC Bayern antreten. Die Drohung, nach zwei Bundesligaspielen immer noch mit null Punkten dazustehen, könnte nicht größer sein. Deshalb ist es auch allzu verständlich, wenn Fredi Bobic sagt: „Mit diesem Spiel beschäftigen wir uns noch nicht, jetzt geht es zunächst einmal nur um die Partie am Dienstag in Moskau.“ Nach dem verpatzten Bundesligaauftakt kommt diesem Spiel eine große Bedeutung zu. Denn sollte der VfB nun die schon sicher geglaubte Europa-League-Qualifikation verspielen, hätte das gleichermaßen finanzielle wie psychologische Folgen. Doch mit derartigen Szenarien will sich Fredi Bobic jetzt nicht aufhalten. „Wir haben einen Nackenschlag kassiert und müssen aufstehen.“

Eine letzte Frustration blieb dem VfB am späten Samstagabend dann aber erspart. Bei der Auslosung des DFB-Pokals hatte der Club mit dem Heimspielgegner St. Pauli zur Abwechslung einmal Glück. Womit wenigstens Andreas Brehmes Fußballweisheit – „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“ – widerlegt wurde.




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