VfB gegen Young Boys Bern Erst furios, dann schlampig – warum es sich der VfB selbst schwer gemacht hat

Deniz Undav erzielt das 1:0 für den VfB Stuttgart, der erst spät den Heimsieg sicherstellte. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Für Platz acht hat es nicht gereicht, der VfB Stuttgart muss in der Europa League in die Zwischenrunde. Unsere Analyse zum 3:2 gegen die Young Boys Bern – und wie es nun weitergeht.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Es war ein wildes Spiel – und eine intensive Rechnerei. Am Ende war: erst riesengroßer Jubel. Und dann: doch irgendwie Ernüchterung. Denn an diesem letzten Spieltag der Ligaphase der Europa League sah es lange so aus, als fehle dem VfB Stuttgart nur das Tor zum 3:2-Sieg über die Young Boys Bern für den direkten Einzug ins Achtelfinale. Doch kurz bevor Chema Andrés diesen Treffer tatsächlich erzielte (90. Minute), hatte die AS Roma ausgeglichen und der KRC Genk die Führung erzielt. Mit Blick auf den direkten Weg in die Runde der letzten 16 war das Tor des jungen Spaniers plötzlich wieder viel, viel weniger wert.

 

Immerhin: Der VfB bleibt zumindest in der Gruppe zwischen Platz neun und 16, wird Elfter – und hat in der nun folgenden Zwischenrunde im Rückspiel Heimrecht. Gegen wen? Das wird an diesem Freitag ausgelost. Die möglichen Gegner der Stuttgarter sind Celtic Glasgow oder Ludogorez Rasgrad. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagte Sebastian Hoeneß, „hätten uns aber gewünscht, dass es anders läuft.“ Doch die Konkurrenz spielte am Ende doch nicht mit.

Der VfB-Trainer hatte zu Beginn des Abends durchaus für Überraschungen gesorgt. Die wahrscheinlich größte bei der Aufstellung: Für den Platz im VfB-Tor hatte Hoeneß nicht Alexander Nübel, den Elfmeterkiller vom 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach, vorgesehen. „Er hat viele Spiele in den Beinen und wird auch wieder viele Spiele machen“, begründete der Coach die Pause für den Stammkeeper – für den Fabian Bredlow im Tor stand. Wobei die Sache mit dem eigenen Tor zu Beginn nicht wirklich relevant war. Denn die Musik spielte auf der anderen Seite des Spielfelds.

Und: Eine Ballade war das zu Beginn nicht. Denn der Takt, den die VfB-Offensive vorgab, war ein schneller. Was die Jungs aus Bern, angereist mit vier Liga-Niederlagen in Folge im Gepäck, sichtlich überforderte.

Nach sieben Minuten führt der VfB 2:0

Nicht einmal sechs Minuten waren gespielt, da spielte Finn Jeltsch einen Steilpass auf Lorenz Assignon. Der Franzose brachte den Ball nach innen, wo Deniz Undav derart frei stand, dass sich der Stürmer des VfB durchaus darüber hätte wundern können. Tat er aber nicht – sondern erzielte eiskalt das 1:0. Der Jubel war groß bei den Fans des VfB, die zum Anpfiff eine herausragende Choreografie gezeigt hatten. Und er war noch nicht einmal verstummt, als der Berner Keeper Marvin Keller schon wieder hinter sich greifen musste.

Wieder war Deniz Undav beteiligt, er spielte den Doppelpass mit Ermedin Demirovic – und der Angreifer traf zu Ehren seiner Tochter, die jüngst ihren ersten Geburtstag gefeiert hat. 84 Sekunden nach dem 1:0 stand es nun also 2:0 – und die Lage des VfB wurde durch die Zwischenstände in den anderen Stadien noch besser. Nach einer halben Stunde führte die Blitztabelle der Europa League die Stuttgarter auf Platz acht. Also direkt qualifiziert für das Achtelfinale. „Wir haben gespielt wie aus einem Guss“, sagte Hoeneß, dessen Team noch weitere gute Möglichkeiten hatte, ehe in der 36. Minute die Gäste aus der Schweiz erstmals gefährlich vors Stuttgarter Tor kamen. Der Schuss von Chris Bedia ging knapp neben das Tor. Es war eine erste Warnung, Folgen hatte dann die nächste Offensivaktion der Young Boys.

Fabian Bredlow spielte einen Pass nach vorne zu nachlässig und brachte die Gäste am Stuttgarter Strafraum in Ballbesitz. Über einige Stationen kam der Ball dann zu Armin Gigovic, der die Kugel ins VfB-Tor hämmerte. In der 42. Minute stand es also nur noch 2:1 für die Gastgeber. Und zur Pause gab es weitere schlechte Nachrichten: Durch die neuen Zwischenstände war der VfB wieder raus aus der Gruppe der besten acht.

Der VfB hatte zu diesem Zeitpunkt längst an Dominanz eingebüßt, den Gästen den Wiedereinstieg in die Partie gewährt, was sich endgültig in der 57. Minute rächte. Nach einem Eckball der Berner übersah die Stuttgarter Defensive Sandro Lauper an der Strafraumkante – was der Schweizer für ein Traumtor per Volleyschuss nutzte. „Wir haben es versäumt, das dritte Tor zu machen“, ärgerte sich Hoeneß. Kurios: Dennoch erhöhte sich die Chance auf Platz acht wieder.

Denn plötzlich lag die Roma hinten, der VfB brauchte die Führung – was Hoeneß zu einem Vierfach-Wechsel animierte. Doch der VfB entwickelte wenig Durchschlagskraft mehr, ehe Chema dann doch noch zum vierten Heimsieg im vierten Heimspiel traf. „Am Ende war es wichtig zu gewinnen“, sagte Undav, auch, wenn es nicht mehr zu Platz acht reichen konnte. Die Schweizer sind derweil durch das eine Tor noch ausgeschieden.

Der VfB darf dagegen am 19. und 26. Februar um den Einzug ins Achtelfinale spielen. Sollte er dies erreichen, ist ein Team aus Portugal der Gegner: der FC Porto oder Sporting Braga.

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