VfB-Gegner Eintracht Frankfurt Kostic’ Egotrip sorgt für Wirbel

Filip Kostic hat sich in Frankfurt zuletzt wenig Freunde gemacht. Foto: AFP/Leon Kuegeler

Vor dem Bundesligaduell gegen den VfB am Sonntag ist in Frankfurt einiges in Unordnung geraten. Im Mittelpunkt der Zwietracht bei der Eintracht steht Außenstürmer Filip Kostic. Aber es gibt auch weitere Probleme.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Frankfurt - Weil ein Bundesligist auch einen dritten Torhüter benötigt, und Fußballer mit einem Ohr für die Probleme der Kollegen teamintern wichtig sind, ist Jens Grahl beim VfB ein sehr geschätzter Profi gewesen. „Wir hatten ein offenes und ehrliches Verhältnis. Ich war für ihn oft ein erster Ansprechpartner, wenn mal etwas in der Kabine vorgefallen ist“, sagt Grahl etwa über die Beziehung zu Ex-Trainer Pellegrino Matarazzo.

 

In der Sommerpause hat Grahl nun die Seiten gewechselt. Anstatt eines Vertrages bis 2022 beim VfB, bot ihm sein neuer Club Eintracht Frankfurt mit 32 Jahren noch zwei Jahre mehr an. Zudem gibt es für ihn eine klare Option, nach der Karriere als Torwarttrainer und Scout einzusteigen. Der gebürtiger Stuttgarter Grahl empfängt am Sonntag (15.30 Uhr) daher – nach fünf Jahren ohne ein Pflichtspiel für den VfB – seinen Ex-Club in der Frankfurter Arena.

Kostic gibt sich weiter bockig

Während Grahl („Das Frankfurter Angebot war eine schöne Wertschätzung für mich“) seinen Platz bei der Eintracht gefunden hat, wirbelt allerdings sein Mitspieler Filip Kostic weiter mächtig Staub auf. Für die mit einer Niederlage und zwei Unentschieden schwach gestarteten Hessen kommt dies zur Unzeit. „Einige Personen schulden mir eine Entschuldigung“, so lautete etwa das letzte Statement via Instagram des eigenwilligen Linksaußen, der am Donnerstag von seiner Länderspielreise mit der serbischen Nationalmannschaft an den Main zurückkehrte.

Wer sich bei ihm zu entschuldigen habe, ob der Trainer Oliver Glasner, der Sportdirektor Markus Krösche, oder die Medien – dies ließ Kostic vorerst offen. Jens Grahl, der Experte für die Pflege des Teamgeistes, sagt nach der Rückkehr des 28-Jährigen ins Teamtraining diplomatisch: „Ich bin froh, dass Filip wieder da ist. Er ist ein herausragender Spieler – und wir brauchen ihn. Ich hoffe, dass er sich voll auf die Eintracht konzentriert und Vollgas gibt.“

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Oliver Glasner will derweil nicht so schnell zur Tagesordnung übergehen: „Falls Filip am 1. September noch ein Spieler der Eintracht ist, werden wir ein längeres Gespräch führen, wie es weitergeht“, das hatte der Coach bereits nach dem 1:1 in Bielefeld am 28. August gesagt. Bisher steht die Unterredung aufgrund des Länderspieleinsatzes von Kostic, der zwischen 2014 und 2016 in 58 Bundesligaspielen das Trikot des VfB trug, allerdings noch aus.

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Doch klar ist: Vor dem Bielefeld-Spiel hatte Kostic, der aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes auf dem linken Flügel und seiner Qualitäten als Vorlagengeber eigentlich ein Publikumsliebling bei der Eintracht ist, die große Kraftprobe mit seinem Arbeitgeber gesucht – und hatte diese verloren.

Um einen Wechsel zum italienischen Erstligisten Lazio Rom quasi zu erzwingen, war Filip Kostic dem Abschlusstraining am Tag vor der Bielefeld-Partie unentschuldigt ferngeblieben. „Sein Telefon war ebenfalls aus“, berichtete der Eintracht-Coach Glasner, der auf seinen Außenstürmer auf der Alm verzichten musste.

Die Römer um ihren Manager Igli Tare hatten Kostic, der in Frankfurt bis 2023 gebunden ist, offenbar ein finanziell lukrativeres Angebot vorgelegt. Allerdings lehnte die Eintracht auch aufgrund der kolportierten Ablösesumme von „nur“ zehn Millionen Euro ab. Dies erschien ihnen zu wenig.

Kostic sucht nach Rückhalt

Also platzte der Transfer – und Filip Kostic ist jetzt auch um Schadensbegrenzung bemüht. „Gegen Bielefeld war ich psychisch nicht leistungsbereit. Das war kein Streik“, schrieb der 28-Jährige bei Instagram: „Ich möchte mich herzlich bei den Fans entschuldigen, die falsch informiert wurden und ebenso mich bei meinen Teammitgliedern für die Unterstützung bedanken.“

Anders als im Fall des Ex-Nationalspieler Amin Younes („Wir werden eine Lösung finden“, sagt der Eintracht-Sportchef Körsche), der noch vom SSC Neapel ausgeliehen ist und dessen Wechsel nach Saudi-Arabien gescheitert war, wird Kostic nun sicher in Frankfurt bleiben. Wie die interne Strafe für sein Fehlverhalten aussehen wird – möglich wären eine Geldstrafe oder eine teaminterne Sperre –, bleibt aber abzuwarten. Dabei wäre ein ruhiges Arbeiten bei der Eintracht vor dem Duell gegen den VfB eigentlich oberstes Gebot. Schließlich steht der Europa-League-Starter ohne das einstige Erfolgsduo mit dem Ex-Trainer Adi Hütter und Ex-Sportchef Fredi Bobic vor einer Herkulesaufgabe.

Den Topstürmer Andre Silva, der in der Vorsaison mit 28 Treffern einen Eintracht-Bundesligarekord aufstellte, ließ man für lediglich 23 Millionen Euro nach Leipzig ziehen. Dessen Ersatz, der Kolumbianer Raffael Borré von River Plate Buenos Aires, wird noch Zeit zur Eingewöhnung benötigen. Ähnlich sieht es beim Mittelfeldstrategen Jesper Lindström (21) von Bröndby Kopenhagen aus. Doch Torwart Jens Grahl bleibt Optimist: „Ich erwarte gegen den VfB ein offensives Spiel von beiden Seiten – und ich hoffe, wir werden am Ende gewinnen.“

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