Nach dem Auftaktsieg gegen Celta Vigo (2:1) sowie der 0:2-Niederlage beim FC Basel tritt der VfB am dritten Spieltag der Europa League beim türkischen Vizemeister Fenerbahce Istanbul an (Donnerstag 18.45 Uhr; zu sehen nur beim gebührenpflichtigen Streamingsender RTL+). Dabei erwartet die Hoeneß-Elf am Bosporus eine hitzige Atmosphäre – und ein bekanntes Gesicht auf der Trainerbank.
Der Club Mit 28 nationalen Titeln ist Fenerbahce der Rekordmeister in der Türkei – und liegt damit vor den beiden Stadtrivalen Galatasaray (25) und Besiktas (21). Doch diese Spitzenposition hat man noch dem Glanz alter Tage zu verdanken. Denn seit Gründung der Süper Liga im Jahr 1956 hat sich das Blatt gewandelt: Hier liegt Galatasaray mit 25 Erfolgen vor Fener (19) und Besiktas (16). Die letzte Meisterschaft des Clubs liegt bereits elf Jahre zurück, sie wurde 2014 errungen. Zuletzt wurde Fenerbahce dreimal in Serie Vizemeister, in der abgelaufenen Saison hinter Titelträger Galatasary. Aktuell ist man wie der VfB Dritter, gewann am Sonntagabend die Heimpartie gegen das Schlusslicht Fatih Kamagümrük mit 2:1. Die Heimspielstätte der Gelb-Blauen, den „Sarı Kanaryalar“ (gelben Kanarienvögel), ist das Sükrü Saracoglu-Stadion mit einer Kapazität von 50.530 Plätzen, das im asisatischen Teil der 15-Millionen-Einwohner-Metropole Istanbul liegt.
Der Trainer Chefcoach bei Fenerbahce ist ein in hiesigen Gefilden bekannter Mann: Domenico Tedesco, 40, spielte einst beim Kreisligisten ASV Aichwald im Landkreis Esslingen als Stürmer. Im Jahr 2008 begann er in der E-Jugend als Jugendcoach beim VfB; 2013 war er unter Thomas Schneider Co-Trainer der B-Junioren. Tedesco trainierte unter anderem die U19 der TSG Hoffenheim, Erzgebirge Aue, Schalke 04, Spartak Moskau, RB Leipzig und die belgische Nationalmannschaft. Im Januar wurde er als Coach der Belgier entlassen; seit Anfang September ist er als Nachfolger von José Mourinho in Istanbul tätig. Sein Diplom zum Fußballlehrer legte Tedesco 2016 an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln als Jahrgangsbester mit der Gesamtnote 1,0 ab, noch vor dem heutigen Bundestrainer Julian Nagelsmann (1,2).
Die Stars der Mannschaft Zu den Top-Neuzugänge der Türken in diesem Sommer zählt der 29-jährige Spanier Marco Asensio, der von Champions-League-Sieger Paris St. Germain an den Bosporus wechselte und der im offensiven Mittelfeld spielt. Hinzu kommt Flügelmann Kerem Aktürkoglu, der von Benfica Lissabon geholt wurde. Mit vier Ligatoren ist der Mittelstürmer Youssef En-Neysri der Dreh- und Angelpunkt der Offensive. Der 28-Jährige hat bereits 85 Länderspiele für Marokko bestritten, dem WM-Vierten von 2022. Auch der brasilianische Torhüter Ederson, bis Anfang September noch bei Manchester City, sowie der Ex-Freiburger Innenverteidiger Caglar Söyüncü verstärken das Team.
Die Auftritte in Liga und Europa League Wie der VfB steht Fenerbahce Istanbul nach zwei Partien der Ligaphase der Europa League bei einem Sieg und einer Niederlage. Dem 1:3 zum Auftakt bei Dinamo Zagreb folgte am zweiten Spieltag ein 2:1-Heimerfolg gegen OGC Nizza. Doch für Trainer Domenico Tedesco wurde es bereits nach kurzer Zeit am Bosporus sehr ungemütlich. Einer der Gründe: Fenerbahce hat mit Sadettin Saran einen neuen Präsidenten – Vorgänger Ali Koc, der Tedesco geholt hatte, hat nichts mehr zu sagen. Dazu gesellte sich eine Schwächephase mit zwei Unentschieden in der Liga sowie der Niederlage in Zagreb. Das Fazit des Trainers. „Wir bekommen einfach zu viele einfache Gegentore.“
Das Umfeld Als besonders heißblütig bekannt wird die Stimmung im Stadion von der Ultragruppierung „Genc Fenerbahceliler“ angeführt, die vor allem mit den Anhängern des Statdrivalen Galatasaray eine explosives Gemisch aus sportlicher Rivalität und inniger Feindschaft verbindet. Zum zweiten Haupt-Konkurrenten Besiktas ist das Verhältnis ein wenig besser. Nach einer Umfrage von 2024 sind 32 Prozent der Fußball-Interessierten in der Türkei Fenerbahce-Fans. Das zentrale Motto der Fener-Suporter, die sich selbst als „leidenschaftlich, wild und unerschütterlich“ bezeichnen, ist die Parole: „Hep Destek, Tam Destek“, was so viel bedeutet wie: „Immer Support, voller Support.“