VfB-Geschichte Der VfB und der Nationalsozialismus

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Auch der Stuttgarter Bundesligist lässt sein dunkelstes Kapitel ausleuchten und stellt das Ergebnis vor. Die Forschung stößt in diesem Fall aber an Grenzen.

VfB-Präsident Wolfgang Dietrich präsentiert das Forschungsergebnis. Foto: imago sportfotodienst
VfB-Präsident Wolfgang Dietrich präsentiert das Forschungsergebnis. Foto: imago sportfotodienst

Maulbronn - Die Antwort auf die Frage nach der Rolle des VfB im Nationalsozialismus hat 181 Seiten und kostet 24,90 Euro. Der Fußball-Bundesligist hat am Freitag zusammen mit dem Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg im Kloster Maulbronn das Werk des Historikers Gregor Hofmann über den Club in der Zeit zwischen 1933 und 1945 vorgestellt.

„Es ist das dunkelste Kapitel in der Geschichte Deutschlands und in der des VfB“, sagt der Vereinspräsident Wolfgang Dietrich in seiner Begrüßung. Er kündigt an, all jene, die einst aus religiösen oder politischen Gründen den VfB verlassen mussten, anlässlich des nächsten Holocaust-Gedenktags am 27. Januar 2019 wieder aufzunehmen. Es ist ein symbolischer Akt, bei dem nur ein Name genannt werden kann. Der von Richard Ney. Der 1970 verstorbene Mannschaftsarzt und Leiter der VfB-Hockey-Abteilung bleibt auch nach der intensiven Recherche des Autors Gregor Hofmann weiter das einzig namentlich bekannte jüdische VfB-Mitglied, das den Verein verlassen musste. Richard Ney entging dem Tod 1941 durch die Flucht in die USA. Es kann deshalb nur vermutet werden, dass auch weitere jüdische Mitglieder den Club verlassen mussten, spätestens als 1934 der Arierparagraf in die Satzung aufgenommen worden war.

Vermutungen verbietet sich dagegen Gregor Hofmann, der die Aufarbeitung der VfB- Nazivergangenheit zum Thema seiner Master-Arbeit an der Uni Freiburg gemacht hatte. Von der profitiert der Club, der sich von nun an nicht mehr den Vorwurf gefallen lassen muss, die dunkle Vergangenheit auszuklammern.

Das Problem heißt „schwierige Quellenlage“

Gleichzeitig wird aber sowohl vom VfB als auch vom Autor bedauert, dass die Forschung in diesem Fall an Grenzen gestoßen ist. Von einer „schwierigen Quellenlage“ spricht Gregor Hofmann. In keinem Archiv und bei keiner Privatperson waren Mitglieds- oder Namenslisten von ausgetretenen oder rausgeworfenen VfBlern ausfindig zu machen. Die Arbeit soll, wie der angestellte VfB-Vereinshistoriker Florian Gauß sagt, nicht der Endpunkt, sondern die Basis der eigenen Geschichtsschreibung sein. „Mir war es wichtig, dass sich jemand von außen darum kümmert. Bei mir hätte der Verdacht mitschwingen können, dass ich die Vergangenheit durch die Vereinsbrille sehe und etwas beschönigen könnte“, sagt Florian Gauß

Gregor Hofmann hat, auch wenn er keine neuen Spuren jüdischen Vereinslebens ausfindig machen konnte, eine umfassende Abhandlung vorgelegt, in dem ein differenziertes Bild des VfB im Nationalsozialismus gezeichnet wird. Das setzt vor Hitlers Machtergreifung 1933 an und liefert damit den historischen Kontext mit.

Er schreibt über die mehrheitlich national-militaristische Gesinnung beim VfB, die es den Nazis leicht gemacht hat, ihre Gesinnung zu platzieren. Das geschah mithilfe von Hans Kiener, der von 1932 bis 1944 VfB-Präsident gewesen ist.

Eindrucksvoll sind Hofmann die Biografien bekannter VfB-Mitglieder gelungen. So ist über den Vizemeisterspieler von 1935, Franz Seybold, zu erfahren, dass er Oberleutnant der 35. Infanteriedivision war, die in der Sowjetunion für besonders grausame Verbrechen an der Zivilbevölkerung verantwortlich gemacht wurde. Nach dem Krieg fungierte Seybold als Jugendwart, wurde zwischenzeitlich Trainer der Bundesliga-Mannschaft (1965 und 1969/1970) und später auch Geschäftsführer. Zeitzeugen beschrieben Seybold als Ausländerhasser.

„Vielfalt und Toleranz sind unumstößliche Grundpfeiler unseres Vereinslebens“, sagt viele Jahre später Wolfgang Dietrich.