InterviewVfB-II-Trainer Andreas Hinkel „Glauben Sie, ich bin intern nur nett und lieb?“

Von Jürgen Frey 

Andreas Hinkel (37) soll den Fußball-Regionalligisten VfB Stuttgart II vor dem Abstieg retten. Im Interview spricht der Trainer über seinen Führungsstil, die Hintergründe für die Misere und seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag.

VfB-II-Trainer Andreas Hinkel: Die Rettung des Regionalligateams ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Foto: Baumann
VfB-II-Trainer Andreas Hinkel: Die Rettung des Regionalligateams ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Foto: Baumann

Stuttgart - An diesem Sonntag (14 Uhr/Schlienzstadion) empfängt der VfB Stuttgart II in der Fußball-Regionalliga die TSG 1899 Hoffenhem II. Es geht um wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg. „Die Probleme, die wir haben, sind die Folge eines längerfristigen Prozesses“, sagt Trainer Andreas Hinkel im Interview.

Herr Hinkel, welchen Eindruck haben Sie von Ihrem neuen Team?

Wenn man den Ist-Zustand betrachtet, dann muss man feststellen: Die Mannschaft strotzt verständlicherweise nicht vor Selbstvertrauen, die Stimmung ist natürlich etwas gedämpft.

Was bei nur einem Sieg aus den vergangenen 20 Regionalligaspielen kein Wunder ist.

Deshalb ist es nun meine Aufgabe, der Mannschaft Halt zu geben, Sicherheit zu geben. Das ist eigentlich ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geht.

Doch Zeit haben Sie keine.

Zumindest nicht viel, das stimmt. Wir haben nur noch sechs Spiele. Ich muss der Mannschaft einen klaren Plan mitgeben, der nicht viel Trainingseinheiten benötigt und an dem sie sich festhalten kann.

Mit dem Trainerwechsel wollte der Verein einen neuen Impuls setzen. Genauso wie Ihr Vorgänger Marc Kienle sind Sie aber kein Lautsprecher der Branche. Worin unterscheidet sich Ihre Ansprache?

Ich kenne Marc Kienle gut, habe super mit ihm zusammengearbeitet, aber ich kann seine Ansprache nicht einschätzen.

Würde dem Team zum Wachrütteln vielleicht nicht auch einmal ein extrovertierter, emotionaler Trainertyp gut tun?

Glauben Sie ernsthaft, dass ich intern nur lieb und nett bin? Du musst als Trainer immer mehrere Facetten haben. Du musst hart sein, laut sein, den Spielern die Grenzen aufzeigen, aber auch mal die leisen Töne anschlagen und einen Spieler in den Arm nehmen. Alles eben zu seiner Zeit. Wichtig ist immer, dass du als Trainer eine klare Linie hast und du dich innerhalb eines bestimmten Rahmen bewegst.

Was müssen Ihre Spieler beherzigen, damit es am Ende zum Klassenverbleib reicht?

Sie müssen nicht 24 Stunden am Tag an Fußball denken, aber sobald sie das Trainingsgelände betreten, müssen sie zu 100 Prozent da sein. Egal, ob sie bei der Videoanalyse im Schulungsraum sitzen oder bei einer Trainingseinheit auf dem Platz – sie müssen alles reinhauen und bereit sein, auch an den kleinsten Details zu arbeiten.

Wie schwer wird es, das Ziel zu erreichen?

Sie haben unsere jüngste Bilanz vorhin selbst erwähnt. Wir stehen auf dem drittletzten Platz. Ich glaube jeder weiß, wie schwierig es wird. Ich kann nur versprechen, dass wir versuchen werden, das Maximale rauszuholen – ob es dann am Ende reicht, wird man sehen.

Hat die Mannschaft die nötige Qualität?

Die Spieler, die da sind, haben mein volles Vertrauen. Ob die Mannschaft optimal zusammengestellt wurde, ist eine andere Frage.

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Da klingt Skepsis durch.

Dass wir jetzt die Probleme haben, und da stehen, wo wir stehen, das ist die Folge eines längerfristigen Prozesses.

Der begann schon in der Winterpause 2017/18, als Sie Trainer waren.

Wir haben damals schon Führungsspieler wie Tobias Feisthammel und Pascal Breier abgegeben, dazu Joel Sonora. Zu Beginn der laufenden Runde folgten dann in Nicolas Sessa und Alexander Groiß weitere Säulen der Mannschaft.

Würden Ihnen in der aktuellen Situation Spieler aus dem Profikader weiterhelfen?

Wenn der Spieler bereit ist, die Aufgabe bei uns anzunehmen, ja. Der Wille muss aber auf jeden Fall da sein.

Bei Lichte betrachtet scheint dies bei den infrage kommenden Profis ziemlich unrealistisch zu sein.

Die Situation im Bundesligateam ist auch schwierig. Wenn ein Profi bei uns spielt, muss ihm das etwas bringen. Dann muss ihn das näher an die Stammformation bei Markus Weinzierl heranführen. Aber aus meiner Sicht ist klar: Wettkampfpraxis, auch in der Regionalliga, ist immer besser als Training mit den Reservisten.

Ist für Ihr Spiel an diesem Sonntag (14 Uhr/Schlienzstadion) gegen die TSG 1899 Hoffenheim II ein Spieler aus dem Profikader konkret ein Thema?

Das ist offen. Wir haben noch nicht konkret darüber geredet.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Werden Sie beim VfB bleiben und wenn ja, in welcher Funktion?

Ich befinde mich mit Sportvorstand Thomas Hitzlsperger im Austausch, was es für Möglichkeiten gibt. Vielleicht finden wir sogar noch in dieser Woche Zeit, um die Gespräche zu konkretisieren.

Würden Sie gerne beim VfB bleiben?

(lacht) Ja klar, der VfB ist mein Verein. Ich denke, das weiß auch jeder.

Restprogramm des VfB II

VfB II – TSG 1899 Hoffenheim II (Sonntag, 14, April, 14 Uhr)

FK Pirmasens – VfB II (Samstag, 20. April, 14 Uhr)

VfB II – SC Hessen Dreieich (Sonntag, 28. April, 14 Uhr)

Kickers Offenbach – VfB II (Freitag, 3. Mai, 19.30 Uhr)

FSV Frankfurt – VfB II (Samstag, 11. Mai, 14 Uhr)

VfB II – Wormatia Worms (Samstag, 18. Mai, 14 Uhr)