Im Achtelfinal-Hinspiel unterliegt der VfB Stuttgart dem FC Porto mit 1:2. Eine schwache Phase kostet den VfB eine bessere Ausgangslage. Unsere Analyse zum Spiel.
Es war stimmungsvoll und teils hitzig. Es war eng und größtenteils ein Kampf auf Augenhöhe. Es war emotional und oft elektrisierend. Es hatte viel von einem großen Fußballabend – nur nicht das passende Ergebnis aus Sicht des VfB Stuttgart. Als der Litauer Donatas Rumsas die Partie der Stuttgarter gegen den FC Porto am Donnerstagabend abpfiff, stand da eine 1:2-Niederlage für den VfB.
Die Mannschaft von Sebastian Hoeneß reist also mit einer Hypothek zum Rückspiel am Donnerstag (21 Uhr) ins Estadio do Dragao. Aber: Nicht ohne Hoffnung auf den Einzug ins Viertelfinale der Europa League. „Nächste Woche“, sagte Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt trotzig, „sind wir dran.“
Der VfB-Trainer Hoeneß hatte seine Mannschaft gegenüber dem 2:2 beim 1. FSV Mainz auf vier Positionen verändert. Finn Jeltsch, Ramon Hendriks, Nikolas Nartey und Bilal El Khannouss rückten in die Startaufstellung, wo für Luca Jaquez, Mittelstädt, Lorenz Assignon und Chris Führich zunächst kein Platz war. Und zunächst schien der Plan auch ganz gut aufzugehen.
Die Gäste aus Portugal wirkten in den ersten Minuten abwartend, die Stuttgarter hatten den Ball, die Kontrolle – und irgendwann auch das Gefühl, sich dem Tor des FC Porto annähern zu können. Doch es schien, als hätten die Portugiesen nur genau darauf gewartet. Denn plötzlich schalteten sie in Sachen Intensität mehrere Gänge nach oben. Was für den VfB schnell bittere Folgen hatte.
Zu früh gefreut: Der Treffer von Angelo Stiller (re.) wurde wieder aberkannt. Foto: Marijan Murat/dpa
Die Jungs des FC Porto setzten die Gastgeber nun mehr unter Druck, schalteten bei Ballgewinn blitzschnell um – und platzierten in der 20. Minute die erste Warnung. William Gomes traf die Latte. Der VfB war beeindruckt – und plötzlich auch durcheinander.
Nur eine Minute später eröffnete Alexander Nübel das Spiel zu unpräzise. Der hohe Pass des VfB-Torhüters segelte über Bilal El Khannouss hinweg, danach reichten dem FC Porto drei Pässe, ehe Terem Moffi freigespielt war – und zum 1:0 traf. Der Stürmer machte sich durch seinen Jubel bei der Cannstatter Kurve unbeliebt, hatte dann aber gleich noch eine Chance. Moffis Schuss parierte Nübel noch, in der 27. Minute war der Keeper dann aber erneut machtlos.
Nach Nübel patzt Chabot
Diesmal passte der Abwehrspieler Jeff Chabot zu ungenau und sorglos den Ball auf die rechte Abwehrseite des VfB, wo Portos Zaidu schon gelauert hatte. Der Nigerianer lief auf und davon, flankte und erreichte präzise Rodrigo Mora, der den Ball cool über die Linie prallen ließ. 0:2 – und es drohte ein bitterer Abend mit einer riesigen Hypothek fürs Rückspiel in einer Woche zu werden für den VfB. Aber dann berappelte sich das Team von Sebastian Hoeneß.
Angestachelt von den emotionalen Fans wurde das VfB-Spiel aggressiver, körperlicher und damit auch druckvoller. Wirkliche Torchancen blieben zunächst zwar aus, kurz vor der Pause zeigte die Stuttgarter Offensive aber, wie sehr sie nun gewillt war, sich gegen die drohende Niederlage zu stemmen.
Nartey drang in den Strafraum des FC Porto ein, der Däne wurde dann zwar gestoppt, seine Kollegen versuchten aber wieder und wieder, den Ball in der gefährlichen Zone zu halten. Was sich auszahlte, als Deniz Undav erst seinen Körper gut einsetzte und dann aus der Drehung zum Anschluss traf.
Der Glaube an eine Wende gegen den Hochkaräter von der portugiesischen Tabellenspitze war endgültig zurück beim deutschen Pokalsieger. Entsprechend ging das Team in die zweite Hälfte und versuchte, das Stresslevel für die Gäste hochzuhalten. Das gelang – und in der 70. Minute wurde tatsächlich der Ausgleich bejubelt.
Bilal El Khannouss brachte einen Freistoß von der rechten Seite nach innen. Jeff Chabot stocherte ein wenig, es herrschte ein Durcheinander, doch plötzlich rollte der Ball in den Laufweg von Angelos Stiller – der die Kugel kompromisslos in die Maschen drosch. Der Jubel war riesig. Verstummte aber schnell, da der Treffer überprüft wurde. Das Ergebnis des Video-Checks: Der eingewechselte Tiago Tomas hatte bei der Flanke im Abseits gestanden, es blieb beim 1:2. Doch der VfB versuchte es weiter. Wohl wissen, dass Treffer in der Schlussphase international ein eigenes Markenzeichen sind.
Es wurde geflankt, geschossen, leidenschaftlich gekämpft – diesmal gelang der Lucky Punch aber nicht mehr. „Das“, sagte Fabian Wohlgemuth, „macht die Ausgangslage nicht leichter.“ Der VfB-Sportchef betonte jedoch auch: „Aber nicht aussichtslos.“