InterviewVfB-Kapitän Christian Gentner „Der Teamgedanke hat nicht gelitten“

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Christian Gentner, Kapitän des VfB Stuttgart, spricht vor dem Spiel in Dortmund am Sonntag über die Mannschaft sowie alte und neue Trainer.

Für VfB-Kapitän Christian Gentner spielt sich gerade viel im Kopf ab. Foto: Pressefoto Baumann 12 Bilder
Für VfB-Kapitän Christian Gentner spielt sich gerade viel im Kopf ab. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgart - Christian Gentner (30) ist krisenerprobt. Seit der Mittelfeldspieler 2010 zum VfB zurückgekehrt ist, hat er acht verschiedene Trainer erlebt. Die kurze Zeit mit Alexander Zorniger wird dabei in besonderer Erinnerung bleiben.Carlos Ubina

Herr Gentner, neuer Trainer, neues Glück – gilt dieser Ausspruch für den VfB?
Das wird man sehen. Zumal Jürgen Kramny für viele Spieler gar nicht neu ist. Einige Profis aus dem eigenen Nachwuchs haben ihn ja in der U 23 als Trainer gehabt, andere haben in den vergangenen Monaten nach Verletzungen Spielpraxis in der zweiten Mannschaft gesammelt.
Dennoch dürfte sich nun vor dem Spiel in Dortmund einiges ändern.
Ein Trainerwechsel ändert immer auch ein Stück weit die Gefühlslage, weil alle Spieler die Chance sehen, wieder an die Anfangself heranzurücken. Und wie jeder Trainer hat natürlich auch Jürgen Kramny eine eigene Art der Ansprache.
Wie macht sich dieses Gefühl bemerkbar?
Wir bestreiten im Training sehr viele Zweikämpfe. Jeder Spieler möchte einen guten Eindruck hinterlassen. Aber wir wissen auch, dass nichts von alleine besser wird.
Was muss denn als Erstes besser werden?
Wir stehen als Mannschaft in der Pflicht, wir müssen uns dem neuen Trainerteam gegenüber schnell öffnen und wir müssen die schwierige Situation annehmen. Wir haben keine Zeit zu verlieren.
Wie nehmen Sie den Interimstrainer Jürgen Kramny in diesen ersten Tagen wahr?
Ich kenne ihn schon länger. Er ist ein sehr aufgeschlossener und offener Typ. Und er weiß durch seine Erfahrungen auch worauf es im Tabellenkeller ankommt. In so einer heiklen Phase ist der Teamgedanke nicht hoch genug einzuschätzen.
Hat der Teamgedanke zuletzt unter Alexander Zorniger gelitten?
Nein, obwohl wir reichlich Negativerlebnisse zu verarbeiten hatten. Ich hatte immer den Eindruck, dass das Mannschaftsgefüge intakt ist. Es wäre zwar zu viel gesagt, dass nur Harmonie geherrscht habe, aber die Zusammenarbeit im Team ist gut. Manche werden jetzt sicher behaupten, dass sie zu gut ist und wir ohnehin zu brav seien.
Haben diese Kritiker recht?
Ich denke nicht. Doch wir müssen jetzt auf dem Platz zeigen, dass wir an unsere Grenze gehen und dem Spiel des Gegners weh tun können.
Ausgerechnet in Dortmund?
Natürlich wird der BVB aller Wahrscheinlichkeit nach in der Abschlusstabelle vor uns liegen. Wir haben in Dortmund jedoch schon gute Spiele abgeliefert und das sollte uns Mut machen.
Mut allein wird nicht reichen.
Sicher nicht. Es gibt auch keine zwei Meinungen darüber, dass wir weniger Gegentore zulassen müssen. 31 Gegentore in 13 Spielen ist schlichtweg zu viel. Das ist unser Kardinalproblem.
Wie soll das gelöst werden?
Wir brauchen kleine Erfolgserlebnisse, um das Selbstvertrauen zu stärken. Das gelingt am besten über das Training. Im Spiel brauchen wir eine größere Kompaktheit und wir sollten vielleicht momentan einen Tick tiefer stehen, weil wir durch die vielen Niederlagen teilweise das Zutrauen in unsere Spielweise verloren haben.
Alexander Zorniger würde das nicht gerne hören.
Da bin ich mir gar nicht so sicher. Auch er hat den Erfolg über alles gestellt. Wir werden aus der Zusammenarbeit mit Alexander Zorniger jedenfalls Dinge wie das schnelle Umschalten und das hohe Gegenpressing mitnehmen. Das hat uns weiter gebracht.
Es hat den VfB aber auch in den Abstiegskampf geführt.
Wir haben uns von seinem Ansatz überzeugen lassen und sind als Team den Weg, den Alexander Zorniger vorgegeben hat, mitgegangen.
Das 0:4 gegen den FC Augsburg hat die Stimmung jedoch gekippt?
Ja, wie es eben im Fußball manchmal passiert. Doch jetzt haben wir die Möglichkeit, es mit Jürgen Kramny besser zu machen. Wir wollen die Basis für Erfolge schaffen.
Welche Einstellung ist dafür notwendig?
Prinzipiell hat es uns immer gut getan, nicht in Panik zu verfallen und nicht alles schwarz zu sehen. Vor allem wenn der Druck auf die Mannschaft in den nächsten Wochen noch höher wird.
Und mit welchem Trainer geht es nach Dortmund weiter?
Das weiß ich nicht. Ich glaube aber, der Verein strebt eine langfristige Lösung an.