VfB-Neuzugang Oriol Romeu Der Sechser mit dem Schuss Aggressivität

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Der VfB Stuttgart verstärkt sich im defensiven Mittelfeld. Der Fußball-Bundesligist hat Oriol Romeu für ein Jahr vom FC Chelsea ausgeliehen. Der 22 Jahre alte Spanier trainierte im österreichischen Mayrhofen schon mit.

Die ersten Ballkontakte: Oriol Romeu steigt beim VfB gleich ins Training ein. Foto: Baumann
Die ersten Ballkontakte: Oriol Romeu steigt beim VfB gleich ins Training ein. Foto: Baumann

Mayrhofen - Oriol Romeu nahm den Ball mit dem rechten Fuß an und sah zwei Gegner auf sich zustürmen. Mit der Sohle zog er das Spielgerät elegant zurück, um es gleich wieder mit einem leichten Tick nach vorne zu spielen – und plötzlich hatte Romeu das ganze gegnerische Feld vor sich. Eine Sekunde lang, dann lag der 22-jährige Spanier auf dem Boden. Gefoult.

Willkommen beim VfB.

Es war der Moment, als der Stuttgarter Zugang in seinem ersten Trainingsspielchen gestern zeigte, was sich der Chefcoach Armin Veh von der Leihgabe des FC Chelsea verspricht: Ballsicherheit. Übersicht und Zweikampfstärke sollen Romeu ebenfalls auszeichnen. „Er ist ein Typ, den wir so noch nicht im Kader hatten“, sagt Veh.

Ein Sechser mit einem Schuss Aggressivität ist Romeu. Ein Spieler, den der VfB schon länger auf seiner Wunschliste hatte. Denn bereits vor einem Jahr bemühte sich der Manager Fredi Bobic um eine Verpflichtung, damals noch unter dem Trainer Bruno Labbadia. Doch Romeu ließ sich nach auskuriertem Kreuzbandriss lieber in seine Heimat zum FC Valencia ausleihen.

Mourinho empfiehlt den VfB

Nun kam jedoch kurzfristig der Bundesligist zum Zug, als José Mourinho begann, seinen Kader neu zu sortieren. „José Mourinho macht das immer so, dass er zunächst alle Spieler bei sich haben will“, weiß Bobic. Da heißt es, warten können – und schnell handeln, da es auch Anfragen aus Spanien, England und Italien gab. Sonntagnacht kam Romeu aber im österreichischen Trainingslager der Schwaben an. Der Sportdirektor Jochen Schneider chauffierte ihn von Stuttgart ins Zillertal, nachdem auch der Medizincheck erledigt war – gemeinhin die letzte Formalie bei einem Transfer.

Und nun wagt Romeu einen Neuanfang, in der dritten großen Liga nach der Primera Division und der Premier League. Spielen will er, eine gute Saison hinlegen und so das Vertrauen zurückgeben, dass der VfB ihm entgegen gebracht hat. „Es ist schon ein gutes Zeichen, wenn sich ein Club so lange und so intensiv, um einen bemüht“, sagt Romeu, der erst kürzlich seinen Vertrag beim FC Chelsea bis 2017 verlängert hat.

Das wiederum wertet Bobic als ein gutes Zeichen: „Das spricht für seine Qualität und sein Potenzial.“ Eine Kaufoption für die Stuttgarter gibt es aber nicht. Falls Chelsea Romeu nicht zurückholt, kann der VfB ihn nach einem Jahr entweder zu einem stattlichen Preis verpflichten – oder eben nicht. Das ist das Geschäftsprinzip bei den Londonern. Praktiziert auch am Beispiel Kevin de Bruyne, der erst bei Werder Bremen spielte, jedoch nicht bleiben durfte. Später kaufte dann der VfL Wolfsburg den Belgier für 22 Millionen Euro.

Auch Romeu boten sich verheißungsvolle Perspektiven. Mit 19 Jahren wechselte er vom FC Barcelona zu Chelsea. Der damalige Coach Rafael Benitez wollte ihn unbedingt haben. Und über Benitez ist auch der VfB auf Romeu gestoßen. „Ich habe aber auch mit José Mourinho über diesen Wechsel gesprochen“, sagt Romeu, „und er hat mir den VfB empfohlen“. Danach ging es schnell. Von Holland aus, wo sich Chelsea gerade vorbereitet, flog Romeu einen Tag zurück nach Spanien zu seiner Familie und dann gleich weiter nach Stuttgart, wo er sich fußballerisch rasch anpassen will. „Was der Trainer und der Verein mir im sportlichen Bereich aufgezeigt haben, hat mich überzeugt“, sagt er.

Ein Zögling der Barca-Schule

Eine Mischung aus rasanter Offensive und stabiler Defensive soll es sein. Eine Mischung, die Romeu aus seinen bisherigen Stationen bestens kennt. Denn mit zwölf Jahren wechselte das Talent von Espanyol Barcelona in die Barca-Schule, dem Hort für Angriffsfußball. „In England wird auch offensiv gespielt, aber es muss auch sehr viel verteidigt werden“, sagt Romeu.

Bei den Deutschen trifft er nun Alexandru Maxim wieder, den er noch aus seiner Jugendzeit kennt. Der Rumäne wurde bei Espanyol ausgebildet, und sie standen sich früher öfter auf dem Platz gegenüber. Jetzt geht es gemeinsam, wobei Romeu vor allem die Auswahl an zentralen, defensiven Mittelfeldspielern für Veh vervollständigt. Drei wollte der Trainer haben – und in Oriol Romeu, Carlos Gruezo und William Kvist hat er sie nun auch. Fehlt nur noch ein offensiver Außenbahnspieler zum kompletten Kaderglück.




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