VfB-Niederlage gegen Bremen Der Frust über die Fehler sitzt tief

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Der VfB Stuttgart schafft es auch beim 0:2 in Bremen nicht, die Abwehrschwächen abzustellen – was aber auch die Arbeit von Armin Veh ist. Schon seit Saisonbeginn ärgert sich der Meistertrainer öffentlich über das Unvermögen seines Personals.

Auch nach der 0:2-Niederlage des VfB Stuttgart sagt Armin Veh das, was er in dieser Saison schon häufig gesagt hat: „Wenn man solche Fehler macht, kann man kein Spiel gewinnen.“ Foto: Pressefoto Baumann 12 Bilder
Auch nach der 0:2-Niederlage des VfB Stuttgart sagt Armin Veh das, was er in dieser Saison schon häufig gesagt hat: „Wenn man solche Fehler macht, kann man kein Spiel gewinnen.“ Foto: Pressefoto Baumann

Bremen - Der große Auftritt des Ralf Herkommer folgt nach dem Abpfiff. Wie ein Feldherr steht der Mannschaftsbetreuer des VfB, der doch eigentlich für die Reiseplanung zuständig ist, auf dem Spielfeld des Bremer Stadions und weist die Stuttgarter Profis gestenreich an, sich unverzüglich zum VfB-Fanblock zu begeben. Keiner wagt zu widersprechen – schließlich ist Herkommer nicht nur von gewaltiger Statur, sondern auch so prominent, dass er eigene Autogrammkarten besitzt.

Armin Veh ist zu diesem Zeitpunkt längst in die Kabine geflüchtet. Wieder einmal benötigt er dringend ein Beruhigungszigarettchen, denn wieder einmal hat sich der VfB-Trainer mächtig aufregen müssen. Wütend hat er während des Spiels gegen das Dach seiner Trainerbank getrommelt oder fassungslos den Kopf geschüttelt. Und nach dem 0:2 (0:1) bei Werder Bremen sagt Veh das, was er in dieser Saison schon häufig gesagt hat: „Wenn man solche Fehler macht, kann man kein Spiel gewinnen.“

Schon seit Saisonbeginn ärgert sich der Meistertrainer über das Unvermögen seines Personals – und lässt die Öffentlichkeit daran lebhaft teilhaben. Kaum ein Spiel, nach dem Veh nicht ausgiebig die Defizite der Mannschaft beklagen würde; kaum ein Gespräch, in dem er nicht einzelne Spieler teils heftig kritisieren würde. Nach der 2:3-Niederlage in Berlin etwa traf es mit voller Wucht den 19-jährigen Carlos Gruezo, den Veh nach einer halben Stunde vom Feld geholt hatte und seither keine Sekunde mehr spielen ließ. Und nach dem 2:2 in Dortmund flog Sven Ulreich aus dem Tor, den der Trainer vorher kräftig angezählt hatte. Besser ist es seither nicht geworden – in den letzten fünf Spielen hat der VfB rekordverdächtige 16 Tore kassiert.

Zwei altbekannte Probleme

Folglich geriet in Bremen neben dem Kapitän Christian Gentner, der unmittelbar nach dem 0:1 die große Ausgleichschance vergab („Das Tor muss er machen“), wieder einmal ganz pauschal das Abwehrverhalten ins Visier des Trainers. „Amateurhaft“ fand Veh das Vorgehen seiner Spieler, „da fällt mir gar nichts mehr ein, da wirst du verrückt“. Einerseits kann man den Ärger des Trainers verstehen. Haarsträubend war es in der Tat, wie sich der VfB vor dem Gegentreffer zum 0:2 von einem flach in den Strafraum gespielten Eckball übertölpeln ließ.

Andererseits jedoch war dies im zehnten Saisonspiel der bereits neunte Gegentreffer nach einer Standardsituation. Auch dem 1:0 der ansonsten biederen Bremer war ein Eckball vorausgegangen. Veh („Wie sollte ich dafür eine Erklärung haben?“) mag darüber schimpfen – doch nicht zuletzt tägliche Trainerarbeit ist es nun einmal, solche Tore zu vermeiden. Auch nach mehr als vier Monaten ist in diesem Bereich keine Verbesserung zu erkennen. Veh hat es damit versucht, dass er in der vergangenen Woche bei Standardsituationen von Mann- auf Raumdeckung umstellte. Der Schuss ging buchstäblich nach hinten los.

Altbekannt sind neben den Defensivschwächen auch die fehlenden Führungsqualitäten innerhalb der Stuttgarter Mannschaft. Passabel war das Spiel in Bremen bis zum Rückstand – spätestens nach dem 0:2 aber ging gar nichts mehr. Kein Aufbäumen, kein Drang nach vorne, keine Torchance. „Einige sind noch zu grün hinter den Ohren. Gelaufen sind sie ja – aber völlig falsch“, sagt Veh, der das Spiel seiner Mannschaft „viel zu hektisch“ findet. Es trug aber nicht zur Beruhigung der Lage bei, dass draußen ein Trainer stand, der nicht aufmunterte, sondern seinen Ärger offen zu Schau stellte.

Veh setzt die Hoffnung auf Verstärkung

Sehr fraglich, ob diese Vorgehensweise tatsächlich zielführend ist oder nicht eher zu noch größerer Verunsicherung innerhalb der Mannschaft beiträgt. Und fraglich ist auch, ob einzelne Spieler wirklich besser werden können, wenn sie ganz genau wissen, was ihr Trainer von ihnen hält: nämlich sehr wenig. Kaum eine Gelegenheit lässt Veh aus, über limitierte Profis und falsche Transfers zu klagen. Mit anderen Worten: alle sind an der Misere schuld – nur der Trainer nicht. Dabei müsste die Qualität des Kaders eigentlich noch immer reichen, um gegen ein Team wie Bremen zu bestehen, das ganz sicher keine besseren Spieler in seinen Reihen hat.

Armin Veh setzt seine Hoffnung nun vor allem auf Verstärkungen in der Winterpause. Noch fordert der Trainer sie nicht allzu lautstark, doch das wird sich ändern, wenn die ohnehin schon bescheidenen Ziele bis Weihnachten verfehlt werden: „Bis dahin dürfen wir nicht den Anschluss verlieren.“ Vorerst aber sieht es düster aus: Mit der Niederlage beim bisherigen Tabellenletzten ist der VfB zu Beginn der Länderspielpause selbst auf einem Abstiegsrang angekommen. Und der Kapitän Christian Gentner sagt: „Es kann kein anderes Ziel geben, als den Abstieg zu vermeiden.“