VfB Stuttgart Das schwäbische Netzwerk um Wolfgang Dietrich

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VfB-Präsident Wolfgang Dietrich pflegt Kontakte und hat nun Asgeir Sigurvinsson als Botschafter gewonnen. Auch andere ehemalige VfB-Spieler könnten zurückkommen.

VfB-Präsident Wolfgang Dietrich baut sich ein schwäbisches Netzwerk auf. Foto: dpa 6 Bilder
VfB-Präsident Wolfgang Dietrich baut sich ein schwäbisches Netzwerk auf. Foto: dpa

Stuttgart - Alle, die sich mit dem VfB Stuttgart beschäftigen, wissen, dass gerade Jan Schindelmeiser den heißesten Job beim Fußball-Bundesligisten innehat. Denn der Sportchef stellt ja den Kader zusammen, der den Aufsteiger im Oberhaus halten soll. Viele Reisen, noch mehr Verhandlungsgeschick und am Ende auch ein paar Milliönchen Euro sind da nötig.

Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass es an der Stuttgarter Mercedesstraße noch jemanden gibt, der ein Team zusammenstellt. Allerdings eine Mannschaft aus Spielern in langen Hosen. Doch auch dazu muss Wolfgang Dietrich zahlreiche Gespräche führen und mit Empfindlichkeiten umgehen, ehe er eine Personalie als perfekt melden kann. Asgeir Sigurvinsson ist die aktuellste Dietrich-Verpflichtung. Mittlerweile 62 ist der stille Spielmacher aus den 80er Jahren nun als Botschafter im hohen Norden engagiert. Der Isländer repräsentiert den VfB und soll ihm auch Talente aus seiner Heimat zuführen. Ein klassischer Scout wie nach seinem Karriereende ist Sigurvinsson allerdings nicht.

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So viel zum Plan, der ausgeweitet werden soll – um einen Süd-, einen West- und einen Ost-Botschafter. Dadurch will Dietrich ein schwäbisches Netzwerk aus ehemaligen VfB-Größen knüpfen, die dem Verein anschließend in einer neuen Funktion wieder dienen. „Ziel ist es, ehemalige Spieler mit ihrem Wissen und auch ihren kritischen Ansätzen stärker in den Verein einzubinden“, sagt Dietrich.

Dietrich führt auch Gespräche mit Timo Hildebrand

Seit er seine Präsidentschaftskandidatur vor einem Jahr bekannt gegeben hat, verfolgt der frühere Unternehmer dieses Ansinnen. Keine wirklich frische Idee, mag man einwenden, doch keiner seiner Vorgänger hat dieses Vorhaben so konsequent verfolgt. Dietrich hat sowohl die Aufstiegsmannschaft von 1977 als auch das Meisterteam von 1992 in der vergangenen Saison ins Stadion eingeladen. Jetzt werden noch die Meisterspieler von 2007 und die Pokalsieger von 1997 folgen. Und Dietrich belässt es dann nicht beim Smalltalk.

Der Vereinsboss hat alte Kontakte wieder aufleben lassen und neue Kontakte geknüpft. So führt der 68-Jährige zurzeit auch Gespräche mit Timo Hildebrand. Noch ist zwar keine konkrete Rolle für den früheren Torhüter gefunden, doch dem Clubchef schwebt vor, dass heutige Talente von den Erfahrungen des 38-Jährigen profitieren, der einst selbst aus der VfB-Talentschmiede kam.

„Es geht aber nicht darum, jedem Ex-Profi einen Posten zu verschaffen“, sagt Dietrich, der lieber nach vorne als nach hinten schaut und sich mit der Frage beschäftigt, wie sich der VfB im Spannungsfeld zwischen Tradition und Kommerz für die Zukunft aufstellt. Das Expertenwissen der Ehemaligen ist da nur ein Aspekt. Wenn auch einer, der in der Vergangenheit durchaus heikel werden konnte. Denn in sportlich miesen Zeiten gibt es ja nicht nur in Stuttgart immer jemanden aus der Gurugilde, der erklärt, dass sie früher klar besser waren als Gentner und Co jetzt.

Netzwerk soll über Kicks in der Traditionsmannschaft hinausreichen

Dietrich ist deshalb froh, dass er drei ehemalige Spieler aus drei unterschiedlichen Generationen in den neuen Gremien sitzen hat: Hermann Ohlicher, Guido Buchwald und Thomas Hitzlsperger. Die langjährigen Kapitäne Ohlicher und Buchwald im Aufsichtsrat der VfB 1893 AG, Hitzlsperger im Präsidium des Hauptvereins und als Vorstandsberater. Fußballkompetenz nennt sich das. Wobei Buchwald seine Tätigkeit als Japan-Scout aufgeben musste, doch den VfB vertritt der Ex-Spieler der Urawa Red Diamonds im Fernen Osten noch immer. „Es gibt keine Standardrollen. Wir wollen, dass sich die Leute einbringen können“, sagt Dietrich.

Hansi Müller und Helmut Roleder unterstützen den Verein bei Marketingaktivitäten. Auch Cacau und Kevin Kuranyi sind noch immer Sympathieträger des VfB. Und die Verbindungen eines Ottmar Hitzfeld oder Jürgen Klinsmann schaden in der Welt des Fußballs sicher nicht. „Diese Namen und die damit verbundenen Erfolge sind die Basis unserer Tradition“, sagt Dietrich. Diese will er weiter pflegen – und in der Summe soll das Netzwerk dann weit über ein paar flotte Kicks in der Traditionsmannschaft hinausreichen.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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