VfB-Serie Heimspiel Der Ultra unter den Edelfans

Philipp Haußmann in der Kneipe seine Vertrauens, inklusive Kevin-Kuranyi Nummernschild, auf das man im Dortmunder ziemlich stolz ist. Foto: Pressefoto Baumann
Philipp Haußmann in der Kneipe seine Vertrauens, inklusive Kevin-Kuranyi Nummernschild, auf das man im Dortmunder ziemlich stolz ist. Foto: Pressefoto Baumann

Stuttgarter Persönlichkeiten sprechen über Fußball und den VfB – und das in einer Kneipe ihrer Wahl. Dieses Mal: Der Klett-Chef Philipp Haußmann im Lokal „Zum Dortmunder“.

Sport: Peter Stolterfoht (sto)

Stuttgart - Philipp Haußmann fährt gerne die unkonventionelle Managertour – und zwar auf seiner schwarzen Vespa. Die stellt der Chef des Klett-Verlags vor der Kneipe ab und steuert mit Helm unter dem Arm seinen Stammplatz an. Der ist an der Bar mit dem unverstellten Blick auf den Fernseher. Hier hat er schon unzählige VfB-Spiele gesehen und Kontakte geknüpft. Zu Manfred Schuster und Anja Zöller. Das sind die Wirtsleute der Kneipe Zum Dortmunder im Stuttgarter Westen, wo Philipp Haußmann sein Heimspiel stattfinden lässt.

Vor der Partie zwischen dem VfB und Borussia Dortmund trifft sich das sehr gut, ist doch das Lokal in der Silberburgstraße gleichermaßen Anlaufstelle für Stuttgarter Fans und BVB-Anhänger im Exil. Der Samstag ist hier deshalb mal wieder Feiertag. „Und ich bin nicht dabei“, sagt Philipp Haußmann und verweist auf den zeitgleich stattfindenden Wochenendtrip nach Lissabon, den er mit seiner Frau anlässlich der Silberhochzeit unternimmt.

Bevor es um den VfB geht, wird aber noch kurz die Geschichte des Stadtteil-Lokals aufgearbeitet. Das kam zu seinem Namen, weil Dortmund die Heimat des ersten Besitzers gewesen ist. Es folgte ein bosnischer Chef, der den Betrieb interessanterweise deshalb einstellte, weil er zum Generalkonsul seines Landes berufen wurde. Und jetzt führt Manfred Schuster den Laden, der zuvor als Berufsschullehrer und Chef eines Modellbaugeschäfts arbeitete. Koch hat er auch gelernt. „Sein Cordon bleu hat Sterne-Niveau“, sagt Philipp Haußmann und verspricht nicht zu viel.

Der VfB bedeutet für ihn Abenteuer

Jetzt spricht er über den VfB. Wie er Fan wurde. „Ich bin im bürgerlichen Stuttgart aufgewachsen, wer sich von meinen Freunden für Fußball interessiert hat, ist zu den Kickers gegangen“, erzählt Philipp Haußmann. Auf den hat aber der deutlich rauere Charme des VfB-Umfeldes eine weitaus größere Faszination ausgeübt. Der Besuch des Cannstatter Neckarstadions war für ihn als Jugendlicher immer auch Abenteuer, viel spannender als ein Fußballausflug auf die beschauliche Waldau.

Als Chef der Klett-Gruppe, die über 5000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von 612 Millionen Euro hat, wird der 52-Jährige immer wieder in eine VIP-Loge der Mercedes-Benz-Arena eingeladen. „Einmal und nie wieder, ein Graus“, sagt er, „das hat für mich nichts mit einem Fußballerlebnis zu tun – wenn es die Leute in der zweiten Halbzeit nicht vom Büfett zurück auf ihren Platz schaffen und sich stattdessen das Spiel auf Monitoren anschauen.“

Philipp Haußmann mag es ohne Schnickschnack, bodenständig, Zum-Dortmunder-mäßig. Dazu passt, dass seine Lieblingsspieler selten die feinen Techniker sind, sondern meist Zweikampf-Monster. Aktuell imponiert ihm vor allem der Argentinier Santiago Ascacibar. „Ich gehöre nicht zu den großen Fußballtheoretikern“, sagt der Enkel des Firmenpatriarchs Ernst Klett. Zum Familienunternehmen gehören mittlerweile neben dem Schulbuch- und dem Publikumsverlag Klett-Cotta Logistikunternehmen sowie Kindergärten, Schulen und Hochschulen.

Seine fußballerische Ausbildung hat Haußmann beim ABV Stuttgart genossen, wo er von der E- bis zur C-Jugend als Rechtsaußen aktiv war. Danach ging es ins Internat in den Schwarzwald, wo Fußball nicht die große Rolle spielte. Haußmann kickt aber noch heute – jeden Sonntagvormittag ist er in Feuerbach für eine Freizeitmannschaft am Ball.

Und vererbt hat er sein Interesse auch. Sein jüngerer Sohn hat eine Dauerkarte für die Cannstatter Kurve, die er im Moment auch während des Studiums in Wien nutzt. „Warum mein älterer Sohn HSV-Anhänger ist, kann ich mir nicht erklären“, rätselt der Vater im Dortmunder, wo sich Wirt Manfred bei Bedarf ins Gespräch einschaltet. So ist zu erfahren, dass der Vater des VfB-Aufstiegstrainers Hannes Wolf bei seinen Besuchen in Stuttgart immer auch im Dortmunder vorbeigeschaut hat. „Ein sehr angenehmer Gast“, sagt Manfred Schuster, diese Einschätzung gelte natürlich im gleichen Maße für den Philipp.

Und der lobt den VfB, sowohl für die Verpflichtung als auch die Entlassung von Tayfun Korkut, dessen unaufgeregte Art Haußmann sehr geschätzt hat: „Irgendwann geht es nicht weiter, dann muss man sich trennen.“ Über die Lüge von Sportvorstand Michael Reschke, der vorgab, mit Korkut weitermachen zu wollen, um ihn ein paar Stunden später rauszuschmeißen, geht Haußmann lapidar hinweg: „So ist das Fußballgeschäft.“ Was er aber überhaupt nicht versteht, ist die Vertragsverlängerung mit Holger Badstuber. „Ohne Not“, sagt er und schüttelt den Kopf. „Ohne Not.“




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