Die Cannstatter Kurve bei einem Heimspiel des VfB. In der Bildergalerie sehen Sie die Stehplatz-Kapazitäten aller 18 Bundesliga-Stadien. Foto: Pressefoto Baumann
Das Stehplatz-Ranking der 18 Bundesligisten zeigt eine große Bandbreite. Warum die Zahlen mit Blick auf die Kurve der VfB-Anhänger dabei nicht die ganze Realität abbilden.
Die Cannstatter Kurve bildet bei Heimspielen des VfB Stuttgart das Epizentrum der Stimmung – entsprechend begehrt sind die 8268 Stehplätze, über die der Bereich derzeit verfügt: Die meisten dieser Tickets sind durch Dauerkarten fix vergeben, einige gehen in den Mitgliederverkauf. Die Nachfrage übersteigt hier das Angebot aber stets bei Weitem.
Zusammen mit dem Kontingent im Gästebereich (3044) befinden sich in der MHP-Arena bei Bundesliga-Heimspielen in Summe 11 312 Stehplätze. Das klingt nach einer Menge, bedeutet im Bundesliga-Vergleich aber erst einmal nur Mittelfeld-Platz 10.
Ganz vorne liegt, wenig überraschend, Borussia Dortmund mit 28 337 Stehplätzen, wovon allein 25 000 auf die als „Gelbe Wand“ bekannte Südtribüne entfallen. Neuer Zweiter ist seit Kurzem der Champions-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt (20 000), in dessen Arena die Nordwestkurve erweitert wurde und der mittlere Rang für neue Stehplätze gewichen ist. Das erste Spiel nach Abschluss des Umbaus fand übrigens gegen den VfB statt, der im November 2023 mit 2:1 gewann.
Es folgen mit Union Berlin (18 395) und dem FC St. Pauli (16 940) zwei Vereine mit Stehplätzen auch auf der Gegengerade, während sich am anderen Ende der Liste Bayer Leverkusen (4500) einreiht. Die Werkself ist übrigens auch beim Verhältnis zwischen Steh- und Sitzplätzen mit 15 Prozent Stehplätzen Letzter – wobei hier auch der VfB eine untere Position einnimmt: 18,8 Prozent Stehplätze bedeuten Rang 14.
Während der Spiele der Nations League im Juni gab es in der Cannstatter Kurve keine Stehplätze – stattdessen wurden Sitzplätze montiert. Foto: imago/ActionPictures
Nun haben kleinere Stadien mit einer geringeren Kapazität in der Regel einen höheren prozentualen Stehplatz-Anteil. Allerdings ist dieser auch in manchen großen Arenen wie bei Borussia Mönchengladbach (30 Prozent) und Eintracht Frankfurt (34 Prozent) deutlich höher als in Stuttgart.
Aber: Dass diese Zahlen erst einmal nur Theorie sind, zeigt der Blick auf die Praxis bei VfB-Heimspielen. Offiziell befindet sich der Stehplatz-Bereich dort nur im unteren Teil des Unterrangs, de facto stehen aber auch in den direkt anschließenden Reihen darüber sämtliche Fans. Nicht selten gilt das auch für die Anhänger im Oberrang, was die Cannstatter Kurve dann immer wieder in einen reinen Stehplatz-Bereich verwandelt.
Die Preise in der Kurve variieren je nach Platz
So ist die Trennung zwischen Steh- und Sitzplätzen in der Cannstatter Kurve also eher eine auf dem Papier. Allerdings eine mit preislichen Unterschieden. Die Kosten für eine Dauerkarte in der kommenden Saison reichen von 240 Euro (Stehplatz Unterrang) über 395 Euro (Sitzplatz Unterrang) bis 510 Euro (Sitzplatz Oberrang Mitte).
Eine offizielle Aufstockung der Stehplatz-Zahl um 2000 wurde übrigens diskutiert, aber letztlich nicht weiterverfolgt. Dem VfB zufolge habe die Statik eine Erweiterung an der vom Fan-Ausschuss favorisierten Position nicht zugelassen, Alternativen hätten zudem nicht restlos überzeugen können.