VfB Stuttgart Als der Trainer noch mit den Fans rauchte – und der VfB europäisch spielte

Von Gregor Preiß 

In „Erste Runde Vestmannaeyjar“ nimmt Markus Schmalz die Fans des VfB Stuttgart noch einmal mit auf große Europareise. Das Fan-Buch erinnert auch an die Anfänge der Stuttgarter Ultras.

Bei den Auswärtsspielen im Europapokal ging es im Block des VfB Stuttgart meist wild zu – wie hier 2012 in Kopenhagen. Foto: Baumann
Bei den Auswärtsspielen im Europapokal ging es im Block des VfB Stuttgart meist wild zu – wie hier 2012 in Kopenhagen. Foto: Baumann

Stuttgart - Inmitten einer Krise größeren Ausmaßes (was beim VfB Stuttgart etwas heißen muss) vermag Markus Schmalz den Herzschmerz der weiß-roten Fangemeinde wenigstens ein wenig zu lindern. Von ihm stammt ein neu auf dem Markt erschienenes Buch, das sich mit der jüngeren Europapokalhistorie des Clubs aus Cannstatt befasst.

„Erste Runde Vestmannaeyjar“ heißt das Erstlingswerk des 42-Jährigen, der selbst aus der aktiven Fanszene stammt und auf 206 Seiten seine Abenteuer auf Auswärtsreisen im Europapokal erzählt. Von Vestmannaeyjar bis Edinburgh, von Kopenhagen bis Domzale, von Timisoara bis Moskau war der Ultra in den vergangenen 20 Jahren mit seinem Herzensclub unterwegs. Nicht die Welt-Städte des Fußballs, aber gerade das macht das Buch des Autors, der sich selbst als Fan von Old-School-Stadien bezeichnet, auch aus. Er sagt: „Was andere als Highlight betrachten, begeistert mich nur mäßig.“

Dafür kann er sich umso mehr an verwitterten Spielstätten an unmöglichen Orten erfreuen. Orte, die man nicht mal eben so per Direktflug erreicht. Sondern auf dem eher mühsamen Landweg, denn bekanntlich ist ja auch für Fußballreisende oftmals der Weg das Ziel. So lässt Schmalz in seinen lustigen, bisweilen skurrilen und stets selbstironischen Erzählungen viel Raum für Land und Leute. Und unternimmt immer wieder, losgelöst vom VfB, Reisen nach Italien, das einstige Sehnsuchtsland der hiesigen Ultra-Bewegung.

Das Buch erinnert an die Anfänge der Stuttgarter Ultras

So erzählt das im Verlag Burkhardt und Partner für 11,90 Euro erschienene Werk ein Stück weit auch die Geschichte der Stuttgarter Fan-Bewegung der vergangenen 20 Jahren nach. Beginnend mit jenem Auftritt in der Kälte Islands, als sich 17 VfB-Fans mit schwarzer Farbe „Commando Cannstatt“ auf den oberkörperfreien Rücken pinselten. Zu jener Zeit Ende der 90er, als sich die bis heute größte Stuttgarter Ultra-Gruppierung formierte, waren CC-Zaunfahnen im heimischen Stadion wegen der vermeintlich rechtsradikalen Schriftart noch verboten. Gleichzeitig unterstellte die Clubführung auf Grund des RAF-ähnlichen Sterns im Logo linksradikale Tendenzen.

Es waren wahrlich andere Zeiten, an die „Erste Runde Vestmannaeyjar“ erinnert. Der Trip auf die Vulkaninsel genießt in Stuttgarter Fankreisen bis heute Kultstatus. Daher die Idee mit dem Buch. Zu den anderen Zeiten passen auch Episoden über den im Flugzeug mit den Fans rauchenden VfB-Trainer Löw. Oder die via Autoradio auf dem Rückweg vom Spiel in Vigo erfahrene Nachricht vom Trainer-Rauswurf Ralf Rangnicks. Die im Stile von Reisebuch-Autoren wie Bill Bryson und Andreas Altmann gänzlich ohne Bilder auskommenden 23 Kapitel des Buches sind auch eine Reminiszenz an die „Vor-Google-Zeiten“, wie der Autor sie nennt. In denen man von Trainerrauswürfen noch im Radio erfuhr und man das Stadion noch per Straßenkarte suchen musste. Zugleich sind sie eine Erinnerung an bessere Stuttgarter Zeiten.