VfB Stuttgart am Tegernsee „Wir werden voll da sein!“

Impressionen vom Trainingslager des VfB Stuttgart Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen B

Jamie Leweling nahm hinsichtlich der Ambitionen der VfB-Mannschaft zuletzt kein Blatt vor den Mund. Das bleibt auch so, wie unser Gespräch aus dem Trainingslager zeigt.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Als Jamie Leweling vor zwei Jahren zum VfB Stuttgart kam, musste sich der Außenbahnspieler erst ein wenig im neuen Umfeld zurechtfinden. Er tat das mit einer gewissen Zurückhaltung. Davon ist in diesen Tagen nichts mehr zu spüren. Leweling gab zuletzt immer wieder den Partytiger und Lautsprecher, etwa bei der Pokalfeier auf dem Schlossplatz oder dem Auftakttraining Anfang Juli. Dabei überdreht er aber nicht, wirkt auch nicht arrogant. Sondern authentisch. Wir haben ihn im Trainingslager getroffen und mit ihm über seine Super-Mario-Kart-Künste, Heulkrämpfe als Heranwachsender, seinen inneren Antrieb und die neue Lust auf Titel beim VfB gesprochen.

 

Herr Leweling, ist der Kabinen-DJ auch der Bus-DJ? Was wurde auf der Anfahrt nach Rottach-Egern gespielt?

Im Bus haben wir keine Musik. Da geht es total ernst zu, da wird nur geredet (schmunzelt).

…und gezockt, wie man zuletzt sehen konnte.

Ja, Super-Mario-Kart ist immer noch unser Spiel.

Und was macht die Wettbewerbsfähigkeit? Da sah es ja eine Zeit lang nicht ganz so gut aus.

Ich bin besser geworden, habe mich entwickelt. Ich bin schon nicht mehr der Schlechteste!

Spaß beiseite. Dieses Kompetitive, der Wettbewerbstyp, der sitzt schon tief in Ihnen drin.

Selbstverständlich. Man will gewinnen. Egal, ob das Mario Kart ist oder ein Fußballspiel. Alles muss gewonnen werden.

Gab es für diese Grundeinstellung einst so etwas wie eine Initialzündung?

Nein, nicht wirklich. Als ich klein war, so mit zehn, elf Jahren, war ich überehrgeizig. Da flossen dann schon auch einmal die Tränen, wenn ich nicht gewonnen hatte. So richtige Heulkrämpfe waren das. Aber irgendwann konnte ich das kanalisieren, das ist dann viel besser geworden. Aber auch heute noch mag ich es nicht, nicht zu gewinnen. Da rutscht dann schon auch einmal das eine oder andere Wort über die Lippen. Das sind eben die Emotionen, das muss raus.

Die Ansagen auf dem Schlossplatz und zuletzt beim Trainingsauftakt gehören da aber nicht dazu. Die wirkten bewusst gewählt. Sowohl was den Zeitpunkt als auch was den Inhalt angeht.

Das kann ich bestätigen.

Von außen betrachtet lässt sich nicht nur daran, aber auch an anderen Beispielen in den Testspielen und den Trainingseinheiten feststellen, dass in der Mannschaft aktuell ein sehr hungriger Geist vorherrscht. Stimmt das?

Ich finde, man kann den nicht nur zuletzt feststellen. Das ist im Team schon lange der vorherrschende Grundgedanke. Wir sind Vizemeister geworden. Haben den Pokal geholt. Waren gemeinsam erfolgreich. Einige von uns wurden Nationalspieler. Da entwickelt man Hunger nach mehr. Das ist unser Antrieb – warum also nicht noch einmal etwas Krasses gewinnen? Es ist eben auch für jeden einzelnen positiv, wenn die Mannschaft erfolgreich ist. Dadurch stellt man sich als Spieler ins Schaufenster, wird möglicherweise wieder zur Nationalmannschaft eingeladen, kann perspektivisch gesehen vielleicht sogar eine Weltmeisterschaft spielen.

Zuletzt gab es aus der Mannschaft diesbezüglich noch weitere Ansagen. Etwa von Alexander Nübel und Deniz Undav, die beide den Supercup gegen Bayern München als Ziel ausgerufen haben.

Klar, warum auch nicht? Das ist der nächste Titel, den es zu holen gibt. Gegen Bayern München wird das nicht einfach, aber auch die haben wir schon einmal geschlagen.

Erzielte das 1:o in Reutlingen gegen Celta Vigo: Jamie Leweling Foto: Baumann

Hat euch dieses Mindset auch in der vergangenen Rückrunde getragen? Ihr wart im Januar noch Vierter, habt schließlich die Saison auf Rang neun beendet. Da kann man schon einmal aus der Spur geraten. Stattdessen hatte man den Eindruck, dass da keine Selbstzweifel waren und der Fokus auf das Pokalendspiel klar euer Handeln bestimmte.

So ist eben der Fußball. Es kann nicht immer nur nach oben gehen. Da muss man einfach bei sich bleiben, sich auf das Wesentliche konzentrieren, auch mal eine Extraschicht einlegen. Jeder Einzelne. Das ist uns gelungen und so stand am Ende der Titelgewinn in Berlin.

Extraschichten sind ein gutes Stichwort. Sie haben die Sommerpause offensichtlich genutzt.

So ist es. Ich habe mit einem Personal Trainer trainiert. Nicht nur Kraft und Kondition gebolzt, auch fußballerisch wurde intensiv gearbeitet. Ich habe meine Zeit gut genutzt, denke ich.

Dann kann der Pflichtspielbetrieb ja kommen. In zwei Wochen geht es los…

…und wir werden dann voll da sein! Im Supercup, aber zum Ligastart bei Union Berlin und im Pokal in Braunschweig werden wir das auch sein. Und das ziehen wir ein Jahr lang durch und dann werden wir sehen, ob wir kommenden Mai wieder auf dem Schlossplatz stehen.

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