VfB Stuttgart Bedeutender Jahresstart – sportlich wie finanziell

Angelo Stiller und der VfB sind in den kommenden Wochen im Drei-Tages-Rhythmus gefordert. Foto: Baumann/Volker Mueller

Auf den VfB warten erstmals in dieser Saison vier englische Wochen in Folge, in denen wichtige Weichen gestellt werden. Der Trainer geht die Aufgaben ambitioniert an.

Sport: David Scheu (dsc)

Eine richtige Vorbereitung war es ja nicht, auf die der VfB Stuttgart nun zurückblickt. Eine Trainingswoche, ein Testspiel – und schon geht es wieder los in der Fußball-Bundesliga am Samstag (18.30 Uhr) bei Bayer Leverkusen. Für den Trainer ist der eng getaktete Zeitplan aber kein Problem. Im Gegenteil. „Spiele“, sagt Sebastian Hoeneß, „sind doch immer das Schönste.“ Die gute Nachricht aus dieser Warte: Davon bekommt der VfB zum Jahresstart jede Menge.

 

Zum ersten Mal in dieser Saison stehen vier englische Wochen in Folge an, neun Partien in drei Wettbewerben bedeuten jede Menge Reisekilometer in den kommenden 29 Tagen. Zugleich ist dieses Pensum eines, das der ambitionierte Erstligist genau so möchte. „Wir dürfen uns doch nicht beschweren“, sagt Hoeneß, „wir wollen drei Wettbewerbe spielen und so lange wie möglich in diesen drinbleiben.“ Was wiederum verdeutlicht: Das Auftaktprogramm ist für die Stuttgarter nicht nur vollgepackt mit Terminen, sondern besitzt auch richtungsweisenden Charakter für den weiteren Saisonverlauf.

Zunächst in der Bundesliga, wo man um die internationalen Plätze spielt und in diesem Kreis unbedingt dabei bleiben will. Als Sechster ist der VfB mittendrin in einem engen Rennen, in dem lediglich vier Punkte zwischen den Dritten aus Leverkusen und dem Siebten Eintracht Frankfurt liegen. Genau gegen diese beiden Konkurrenten geht es zum Re-Start. Erst an diesem Samstag auswärts bei Bayer, dann am nächsten Dienstag (18.30 Uhr) vor heimischem Publikum gegen die Hessen. „Das ist zum Start genau das richtige Programm. Du musst gleich bei 100 Prozent sein und an deine Grenzen gehen“, sagt Stürmer Ermedin Demirovic, während auch Sportvorstand Fabian Wohlgemuth von „zwei Highlights“ spricht: „Das sind schon zwei Hammergegner direkt zum Auftakt.“ Weiter nach vorne, so Wohlgemuth, wolle man erst einmal nicht blicken.

In der Europa League geht es noch gegen AS Rom und die Young Boys Bern

Und doch werfen natürlich die anderen beiden Wettbewerbe längst ihre Schatten voraus. In der Europa League ist dem VfB das Erreichen der K.o.-Phase zwar de facto nicht mehr zu nehmen – aber: Als derzeitiger Neunter der Ligaphase müssten die Stuttgarter noch einen Platz klettern, um direkt ins Achtelfinale einzuziehen. Welche Ausbeute dafür nötig ist? Drei Punkte aus den letzten beiden Spielen allen Berechnungen zufolge in jedem Fall, womöglich auch mehr, je nach den Ergebnissen der Konkurrenz. Die Stuttgarter gastieren noch beim Serie-A-Fünften AS Rom (22. Januar) und empfangen die Young Boys Bern (29. Januar).

Und dann ist da ja noch der DFB-Pokal, in dem sich das Teilnehmerfeld nennenswert reduziert hat. Acht Teams sind noch dabei, der VfB hat im Viertelfinale bei Zweitligist Holstein Kiel am 4. Februar die große Chance auf den Halbfinal-Einzug und den vorletzten Schritt zu einer möglichen erneuten Endspiel-Teilnahme. Die Lust auf solche Spiele ist groß im Stuttgarter Lager. Auch beim Trainer.

Sebastian Hoeneß hat mit dem VfB in dieser Saison noch einiges vor. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Während nach dem DFB-Pokalsieg im Vorjahr zunächst die Spieler verbal in die Offensive gingen und wie Jamie Leweling oder Atakan Karazor von neuen Titeln sprachen, nimmt inzwischen auch Hoeneß mögliche Highlights im Frühjahr in den Mund. Zwar nicht ganz so explizit wie seine Profis, aber unverkennbar ambitioniert. „Es ist eine wichtige Phase“, sagt der Stuttgarter Trainer, „wenn du jetzt gut unterwegs bist, hast du ein Saisonfinale mit Spielen, auf die du hinarbeitest und die du in Zukunft wahrscheinlich nicht vergessen wirst.“ Ob die aber überhaupt in Reichweite kommen, hängt von den jetzt anstehenden Aufgaben ab – was den Trainer umgehend zurück ins Hier und Jetzt führt: „Die kurzfristigen Ziele interessieren mich am meisten, weil du über die in der Lage bist, langfristige Dinge zu erreichen.“ Eine zusätzliche Bedeutung erhält diese Kurzfristigkeit dadurch, dass in naher Zukunft auch finanziell einiges auf dem Spiel steht.

Alleine der Halbfinal-Einzug im lukrativen DFB-Pokal würde 3,4 Millionen Euro bringen, der Achtelfinal-Einzug in der Europa League nochmals 1,75 Millionen Euro. Zudem erhält jede Mannschaft unter den Top acht der Ligaphase eine Platzierungsprämie von 600 000 Euro und erspart sich – was wieder zurück zur sportlichen Bedeutung führt – zwei weitere englische Wochen im Februar in den Play-offs.

Eine reizvolle Perspektive auch für den VfB Stuttgart, dessen Terminplan dann entzerrt wäre und Gelegenheit zur Regeneration und Trainingsarbeit bieten würde. Denn so gerne der Trainer Sebastian Hoeneß eine enge Taktung mit vielen Spielen auch hat: Auf diese beiden Zusatzschichten in der Europa League würde er gerne verzichten. Das Pensum bis dahin ist schließlich straff genug.

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