Der Schweizer Nationalspieler wird in Leverkusen erst früh eingewechselt – muss dann aber nach knapp einer Stunde schon wieder vom Feld. Die Hintergründe der Entscheidung von Trainer Sebastian Hoeneß.
Für Fabian Rieder war es ohne Frage ein ungewöhnlicher Arbeitstag. Erst wurde der Offensivspieler des VfB Stuttgart bei Bayer Leverkusen (0:0) überraschend früh eingewechselt, da sich Jamie Leweling nach wenigen Minuten verletzt hatte. Nach knapp einer Stunde musste Rieder dann aber schon wieder vom Feld – was mindestens ebenso unüblich ist. Eine Ein- und Auswechslung innerhalb eines Spiels gilt unter Fußballern gemeinhin als Höchststrafe.
Und auf den ersten Blick könnte man tatsächlich meinen, Trainer Sebastian Hoeneß reagierte in besagter 58. Minute aus Unzufriedenheit mit der Leistung des Schweizers. Eine Verletzung lag dem Wechsel nämlich nicht zugrunde, auffällig spielte Rieder ebenfalls nicht. In seinen 51 Minuten Einsatzzeit hatte er kaum Offensivaktionen und keinen Torabschluss – und auch die Statistiken fielen eher mau aus: Von acht Zweikämpfen gewann er nur drei (38 Prozent), seine Ballkontakte blieben auf 17 beschränkt. Hatte der Wechsel also Leistungsgründe? Nein, versicherte Hoeneß im Anschluss – und gab Einblicke in die Entscheidung.
„Es hatte nichts mit seiner Leistung zu tun“, sagt VfB-Trainer Sebastian Hoeneß über die Auswechslung von Fabian Rieder. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch
Sie fußte auf zwei Gründen. Der erste: Verletzungsprävention. „Es lag einfach daran, dass er eigentlich gar nicht hätte beginnen sollen“, sagte Hoeneß. Und als nichts anderes als ein Startelf-Einsatz sei der Auftritt in Leverkusen ja zu werten nach der ganz frühen Einwechslung: „Er hat in einer sehr kurzen Woche dann das dritte Mal begonnen.“ Schon Gegen Holstein Kiel in der Bundesliga hatte Rieder in der Anfangsformation der Stuttgarter gestanden (62 Minuten Einsatzzeit), ebenso drei Tage später gegen den 1. FC Kaiserslautern im DFB-Pokal (77 Minuten).
Fünf Wechsel erlaubt – aber nicht zu fünf Zeitpunkten
Nun hätte Hoeneß wohl noch etwas gewartet mit dem Wechsel. „Zehn bis zwanzig Minuten später“, so der VfB-Trainer, „hätten wir ihn wahrscheinlich eh auswechseln müssen.“ Warum dann aber so früh, nach nicht einmal einer Stunde? Das führt zum zweiten Grund: der Wechselregelung in der Fußball-Bundesliga.
Spieler tauschen dürften die Trainer zwar fünfmal in einer Partie – aber nicht zu fünf unterschiedlichen Zeitpunkten, sondern verteilt auf drei Gelegenheiten zuzüglich der Halbzeitpause. Da Hoeneß in dieser nicht gewechselt hatte und durch die frühe Leweling-Verletzung schon eine der drei Tauschoptionen gezogen war, bleiben noch genau zwei Möglichkeiten zum Spielerwechsel.
In dieser Konstellation kam es in der 58. Minute zum zweiten ungeplanten Wechsel des VfB an diesem Abend, als Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt nach einem Zweikampf in Richtung Seitenlinie humpelte und für Ramon Hendriks vom Feld ging. „Da wir das zweite Mal früh wechseln mussten, wollten wir gleich einen Doppelwechsel machen“, erläuterte Hoeneß. So musste Rieder etwas früher als geplant runter. Die dritte und letzte Wechseloption nutzte Hoeneß dann erneut für einen Doppelwechsel: In der 80. Minute kam Ameen Al-Dakhil für Enzo Millot und Ermedin Demirovic für El Bilal Touré.
Die unübliche Rieder-Auswechslung lag also in einem Mix aus Verletzungsprävention und Reglement begründet. „Es hatte nichts mit seiner Leistung zu tun“, betonte Hoeneß. Dass der 22-jährige Offensivakteur dennoch schon auffälligere Spiele für den VfB gemacht, steht aber ebenso außer Frage.