VfB Stuttgart bei Borussia Dortmund Warum der VfB beim BVB unter die Räder kommt

Übte deutliche Kritik am Auftritt beim BVB: VfB-Abwehrchef Waldemar Anton (links, gegen Salih Özcan). In unserer Bildergalerie zeigen wir weitere Eindrücke von der Stuttgarter Niederlage in Dortmund. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Nach zuletzt zwei Siegen erleidet der VfB beim 0:5 in Dortmund einen Rückschlag. Die Verantwortlichen wie auch die Spieler selbst machen dafür vor allem eine entscheidende Ursache aus.

Sport: David Scheu (dsc)

Hängende Köpfe, tief gesenkte Schultern: Die Ernüchterung war den Profis des VfB Stuttgart nach Abpfiff in der Dortmunder Arena beim Gang in die Fankurve unverkennbar anzusehen. Wirklich überraschen konnte das nicht: Zu deutlich war die Unterlegenheit in den vorangegangenen 90 Minuten, in denen der VfB praktisch zu keinem Zeitpunkt eine realistische Chance auf Punkte hatte.

 

Das ganz große Manko des missglückten Fußballnachmittags in Dortmund: Die Stuttgarter leisteten sich einen Rückfall in ein lethargisches Defensivverhalten, das nach den jüngsten beiden Siegen gegen Arminia Bielefeld (6:0) und den VfL Bochum (4:1) eigentlich schon überwunden schien. Fast nie bekamen sie gegen die wendige Dortmunder Offensive Zugriff, fast immer kamen sie einen Schritt zu spät.

Waldemar Anton kritisiert das Defensivverhalten des gesamten Teams

VfB-Verteidiger Waldemar Anton wurde nach Abpfiff entsprechend deutlich – und nahm dabei auch die eigenen Offensivspieler in die Pflicht: „Wir hatten den einen oder anderen Laufweg zu wenig nach hinten. Und das kostet dich gegen eine Mannschaft wie Dortmund das Spiel“, sagte der Abwehrchef des VfB. „Das fängt schon vorne an. Wir haben einfach zu wenig nach hinten gearbeitet.“ Das sei letztlich der Grund für die hohe Niederlage gewesen.

Gegentor Nummer vier belegte das besonders deutlich, als der an diesem Tag überragende Dortmunder Jude Bellingham auf der linken Seite unbedrängt in die lange Ecke schlenzen konnte (53.). Vor allem von Flügelspieler Silas Katompa wurde er dabei im Vorfeld nur sehr halbherzig gestört. „Wir haben das Thema Defensive heute nicht sauber abgearbeitet“, sagte auch der Stuttgarter Sportdirektor Sven Mislintat.

Sven Mislintat: „Momentum aufseiten des BVB“

Das galt gleichermaßen für die weiteren vier Gegentore, bei denen sich die Gegenwehr des VfB meist in sehr engen Grenzen hielt: als Bellingham im Strafraum nach nur 90 Sekunden unbedrängt zur frühen Führung einschob (2.), als Innenverteidiger Niklas Süle eine Freistoß-Flanke direkt verwertete (13.), als Giovanni Reyna den Ball in die rechte Ecke zirkelte (44.). Und auch beim letzten Treffer des Tages, als der Dortmunder Youngster Youssoufa Moukoko nach einem Querpass von Raphael Guerreiro nur noch in das leere Tor einschieben musste (72.).

Vielleicht wäre das Spiel ja anders gelaufen, wenn Stuttgarts Angreifer Tiago Tomas die lange Zeit einzige gute VfB-Chance nach Zuspiel seines Sturmkollegen Serhou Guirassy aus spitzem Winkel zum 1:1-Ausgleich verwertet hätte (9.). Tat er aber nicht: Der Portugiese scheiterte am früheren Stuttgarter Schlussmann Gregor Kobel im Tor des BVB, der per Fußabwehr parierte. Das Momentum sei aufseiten der Dortmunder gewesen, befand Mislintat. „Und dann war es ein Spiel, das uns beeindruckt hat durch die Kulisse.“

Michael Wimmer bleibt mindestens bis zur WM-Pause Cheftrainer

Die Mannschaft landete damit nach zuletzt zwei Siegen aus zwei Spielen unsanft auf dem Boden der Tatsachen, das Zwischenende fand zunächst einmal ein jähes Ende. Ungeachtet der Niederlage verkündete Mislintat unmittelbar nach Spielende, dass der bisherige Interimstrainer Michael Wimmer in jedem Fall in den kommenden vier Bundesliga-Spielen bis zur zweimonatigen WM-Pause ab Mitte November VfB-Chefcoach bleiben wird. Der 42-Jährige hatte die Mannschaft vor rund zwei Wochen infolge der Entlassung von Pellegrino Matarazzo nach der 0:1-Niederlage gegen Union Berlin übernommen.

Wimmer bedankte sich für das Vertrauen – und kündigte nach Spielende eine harte Analyse der Klatsche in Dortmund an: „Wir waren in keiner Phase kompakt, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten“, sagte Wimmer. Das deutliche Ergebnis sei deshalb auch in dieser Höhe verdient gewesen. Wimmer und sein Team haben bis zum Heimspiel gegen den FC Augsburg am kommenden Samstag (15.30 Uhr) zweifelsohne eine Menge Arbeit vor sich.

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