Der VfB Stuttgart hat mit strahlenden Gesichtern den Borussia-Park verlassen. Aus zwei Gründen: weil die Mannschaft von Sebastian Hoeneß mit dem 3:1 in Mönchengladbach im dritten Versuch das erste Spiel in dieser noch jungen Bundesligasaison gewonnen hat und weil diese drei Punkte enorm wichtig sind, um selbstsicher in die nächste Woche zu gehen. Ein Sieg mit Signalwirkung ist es, denn der schwäbische Fußballtross besteigt mit leichtem Gepäck den Flieger nach Madrid, nachdem der VfB dem bösen Wort des Fehlstarts entgangen ist. Das hätte Ballast bedeutet.
Jetzt wird die Begegnung mit Real Wirklichkeit und der VfB braucht in der Champions League nicht mit den Sorgen des Liga-Alltags im ruhmreichen Bernabeustadion antreten. Der Trainer stand nach dem Abpfiff in Gladbach zwar noch unter dem Eindruck eines Arbeitserfolgs, aber der Druck wird nachlassen – und Hoeneß versicherte, dass auch bei ihm die Vorfreude groß sei auf die europäische Edelklasse. Schließlich sind die Königlichen mit Coach Carlo Ancelotti sein Wunschgegner.
In Gladbach hatte die VfB-Elf hatte zunächst Schwierigkeiten, dem Pressing der Gastgeber zu entgehen und selbst in den Spielfluss zu kommen. Doch nach dem 1:1-Halbzeitstand wurde es besser und die Stuttgarter traten den Beweis an, dass sie sich in ein Spiel beißen können. Bestes Beispiel: Ermedin Demirovic. Der zweifache Torschütze entschied erst kaum einen Zweikampf für sich – und dann verlor er fast kein Duell mehr. Eine Qualität, die den Nachfolger von Serhou Guirassy auszeichnet.
Demirovic ist kein filigraner Fußballer, sondern ein Kämpfer. Und er ist in Schuss. Zudem kennt die neue Nummer neun keine Angst. Nicht vor den gegnerischen Verteidigern und nicht vor den Real-Stars. Das eint ihn mit Deniz Undav, der die Führung erzielte. Beide Stürmer machten hinterher klar, dass sie mit breiter Brust beim Champions-League-Gewinner auflaufen wollen. Das nötige Selbstvertrauen haben sie sich geholt. Aber nicht nur sie, ebenso erstarkt die ganze Mannschaft, die sich die Zähler nicht mehr hat nehmen lassen – wie es zuvor in Freiburg und gegen Mainz passiert ist. Der VfB hat sich zurückgemeldet und er braucht vor dem spanischen Rekordmeister nicht zu zittern, nachdem er im Borussia-Park im zweiten Durchgang konsequent verteidigt und effektiv gestürmt hat.