VfB Stuttgart bei Celtic Glasgow Analyse: So stürmte der VfB den Celtic-Park

Selfie vor der VfB-Fankurve: Doppeltorschütze Bilal El Khannouss feiert in Glasgow. Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH

Was für ein historischer Fußballabend für die Weiß-Roten: Der 4:1-Sieg bei Celtic Glasgow geht in die VfB-Geschichte ein – und kam so zustande.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Am Ende stand der Jubel – und die Gewissheit, dass noch ein kleiner Schritt fehlt. Der VfB Stuttgart aber hat die Tür zum Einzug ins Achtelfinale der Europa League weit aufgestoßen. 4:1 im Hinspiel beim großen schottischen Traditionsclub Celtic Glasgow mitsamt dominantem Auftritt hieß es zum Schluss am Donnerstagabend.

 

Sollte das Team von Trainer Sebastian Hoeneß beim Rückspiel in Stuttgart eine Woche später an die Leistung von Glasgow anknüpfen, dürfte dem Achtelfinal-Einzug nichts mehr im Wege stehen. Bereits bei einer Niederlage mit zwei Toren Unterschied wäre der VfB weiter.

„Wir haben uns eine sehr gute Ausgangsposition für das Rückspiel geschaffen“, sagte Hoeneß, „wir haben das gezeigt, was uns in der Gruppenphase gefehlt hat: Effizienz. Es war auch gegen den Ball stabil, wir haben nicht viele klare Chancen zugelassen.“

Offensivmann Jamie Leweling, Torschütze zum 3:1, stand die Freude ins Gesicht geschrieben: „Ich bin sehr stolz, 4:1 in Glasgow zu gewinnen, das ist schon ein Statement.“

Zäher Beginn im Celtic-Park

Dabei hatte beim Hinspiel der Play-offs im Celtic-Park alles sehr träge und gemächlich begonnen – denn als das Spiel angepfiffen war, da war es nach wenigen Sekunden schon wieder für ein paar Minuten unterbrochen. Celtic-Fans hatten aus Protest gegen die Vereinsführung Tennisbälle auf den Rasen geworfen.

Hinterher gab es auch dann weiter Leerlauf, als das Spiel wieder lief. Bis der VfB zuschlug – aus dem berühmten Nichts (obwohl die Weiß-Roten das Geschehen weitgehend kontrollierten zu Beginn).

Starkes Pressing, ein kurzer Abschlag von Celtic-Keeper Kasper Schmeichel, dann jedenfalls nahm die Entstehung des Stuttgarter 1:0 seinen finalen Lauf: Abwehrspieler Finn Jeltsch gewann weit in der gegnerischen Hälfte ein Kopfballduell, der Ball landete bei Deniz Undav, der mit der Hacke Bilal El Khannouss bediente – der Offensivmann machte einen Wackler und traf dann flach mit links zur frühen Führung für die Gäste (15. Minute).

Sechs Minuten später dann traf das bis dahin extrem harmlose Celtic. Nach einem bösen Fehler des VfB. Torhüter Alexander Nübel passte flach ins Zentrum, anstatt den Ball lang zu schlagen und brachte seinen Kapitän Atakan Karazor damit in Bedrängnis.

Der Mittelfeldmann machte dann aber auch alles falsch, was man nur falsch machen kann: Er versuchte quer zu spielen, schoss aber einen Celtic-Profi an. Von dessen Bein wiederum landete der Ball beim Torschützen Benjamin Nygren, der Nübel problemlos umkurvte und zum 1:1 einschob. Ein Schock für den VfB? Von wegen! Denn nur sieben Minuten nach dem Ausgleich gab es die erneute Gästeführung, und zwar so: Angelo Stiller flankte mit links aus dem Halbfeld, der Ball wurde abgefälscht, und der freistehende El Khannouss erzielte aus kurzer Distanz per Kopf das 2:1 für die Weiß-Roten (28.).

Leweling zieht ab, Schmeichel patzt

Doppelpack von El Khannouss also – in dessen Folge der VfB das Geschehen weiter kontrollierte. Ein reifer und dominanter Auftritt im Celtic Park war das bis zur Pause, nach deren Ende es für kurze Zeit nicht so weiterging. Denn Celtic wurde nun etwas griffiger und bissiger, ehe der VfB das zarte Pflänzchen Hoffnung der Gastgeber zerstörte. Lewling zog nach 57 Minuten aus zentraler Position ab, Keeper Schmeichel patzte, da er den eher zentral platzierten Flachschuss nicht parierte: 3:1 für Stuttgart.

Sollte das Hoeneß-Team den Celtic Park also vollends stürmen? Erst einmal nicht, denn Glasgow kam durch Nygren in Minute 65 zu einer Großchance – Nübel parierte den Flachschuss glänzend.

In der Folge aber dominierte der VfB weiter. Es war ein beeindruckender und reifer Auftritt auf der internationalen Bühne. In der Nachspielzeit traf der eingewechselte Tiago Tomas sogar noch zum 4:1 – ein historischer Fußballabend. Stuttgart international in Glasgow, ein Wahnsinnstrip!

Einziger Wermutstropfen: Innenverteidiger Jeff Chabot fehlt aufgrund einer Gelben Karte – seiner insgesamt fünften im laufenden Wettbewerb – ein zweites Mal gesperrt in dieser Europa-League-Saison und darf im Rückspiel nicht auflaufen. Die vorbelasteten Angelo Stiller, Deniz Undav und Maximilian Mittelstädt (nur auf der Bank) hingegen wurden im Hinspiel in Glasgow nicht verwarnt.

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