VfB Stuttgart bei der TSG Hoffenheim Wie bringt der VfB frischen Schwung in die Angriffe?

Ein VfB-Trio für mehr Offensivkraft: Deniz Undav, Enzo Millot und Jamie Leweling (von links). In der Bildergalerie gibt es zusätzlich noch Eindrücke aus den vergangenen Begegnungen der Stuttgarter mit der TSG Hoffenheim. Foto: Baumann/Volker Müller

Der Bundesligist hat zuletzt weniger Torchancen herausgespielt als gewohnt. Auch, weil es an Kreativität fehlt. Doch es gibt mehrere Einflussfaktoren, wie wir hier aufzeigen.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Es sind magere Zahlen, und doch sagen sie viel über die aktuelle Verfassung des VfB Stuttgart aus: Der sogenannte xG-Wert („expected goals“) betrug für die Elf von Trainer Sebastian Hoeneß vorübergehend 0,17 und für den VfL Wolfsburg nur 0,14. Eine verschwindend geringe Erfolgswahrscheinlichkeit bedeutet das. Tore waren bei diesem Aufeinandertreffen bis zur 41. Spielminute demnach nicht zu erwarten. Auf dem Platz spiegelten sich die Zahlen in der Ereignislosigkeit wider – oder anders ausgedrückt: Es herrschte Langeweile in den Strafräumen, ehe der VfB kurz vor der Halbzeit etwas an Tempo und Chancen zulegte.

 

Das brachte statistisch einen besseren Einzelwert als im ersten Durchgang gegen die Wolfsburger, in der Fußball-Bundesliga aber dennoch eine 1:2-Niederlage. Was vor dem Spiel bei der TSG Hoffenheim an diesem Sonntag (19.30 Uhr) zu der Frage führt, wie die Stuttgarter neuen Schwung in ihre Angriffe bringen wollen, um die Kreativität zu fördern und die Effektivität zu steigern. „Fakt ist, dass wir es zuletzt nicht mehr geschafft haben, eine hohe Anzahl an Torchancen zu kreieren“, sagt Hoeneß.

Gute Statistik, schlechte Ergebnisse

Grundsätzlich steht der VfB in der Rangliste der zu erwartenden Treffer – hier werden die Abschlüsse berücksichtigt – insgesamt jedoch gut da. Hinter dem FC Bayern (62,59/Quelle: www.understat.com), Eintracht Frankfurt (48,74) und Bayer Leverkusen (46,09) liegen die Stuttgarter (42,69) auf dem vierten Platz. Tatsächlich hat der VfB 40 Treffer erzielt, die fünftmeisten. Die Tendenz ist aber fallend und die Realität dokumentiert das. Was sich allein durch die drei verlorenen Liga-Heimspiele seit vergangenen Dezember (0:1 gegen FC St. Pauli, 1:2 gegen Borussia Mönchengladbach und 1:2 gegen den VfL Wolfsburg) belegen lässt. Dabei verspielten die Stuttgarter jeweils die Möglichkeit, sich auf einem Champions-League-Rang zu behaupten.

„Wenn wir uns die letzten fünf Spiele zum Maßstab nehmen, mag ins Auge fallen, dass wir in Summe weniger Chancen kreiert haben. Aber es ist schon die Frage, ob sich daraus immer gleich der große Trend ableiten lässt“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und verweist auf die Phase davor: „In der Hinrunde noch war die Defensive unsere große Herausforderung, deshalb bin ich mit grundsätzlichen Ableitungen immer vorsichtig.“

Zentraler Kritikpunkt im Stuttgarter Spiel war zum Jahresabschluss 2024 die hohe Anzahl der Gegentreffer. Der Club liebäugelte damit, einen starken Innenverteidiger zu verpflichten, fand jedoch keinen passenden Sicherheitsexperten und nahm bis Ende Januar zwei Nachwuchskräfte (Luca Jaquez, Finn Jeltsch) unter Vertrag. Hoeneß stabilisierte parallel die Abwehr. Das Problem nun: geht man davon aus, dass Fußball aus den beiden Grundsituationen „mit Ball spielen“ und „gegen den Ball spielen“ besteht, dann schafft es der VfB nicht, die zwei Teile dauerhaft auf hohem Niveau zusammenzufügen.

Mangelnde Konstanz nennt sich das und die Schwankungen werden in dieser Saison auch durch die erhöhte Belastung hervorgerufen. In vielen Aktionen geht dem VfB die Frische ab. „Die Mannschaft hat in dieser Spielzeit andere Themen als im Vorjahr. Beispielsweise hat sie vor knapp zwei Wochen mit dem Champions-League-Aus eine große Enttäuschung verarbeiten müssen. Was sich sicher sagen lässt, ist, dass wir in Sachen Leistungskonstanz insgesamt zulegen wollen, um perspektivisch weiter nach oben aufzuschließen“, sagt Wohlgemuth.

Die fehlende Topform im Sturm

Das Landesduell in Sinsheim bietet dazu die nächste Chance. In der Arena, in welcher der VfB in der Vorsaison beim 3:0-Sieg eine Machtdemonstration ablieferte. Dominant, voller Esprit und Elan – mit Toren von Enzo Millot, Serhou Guirassy und Jamie Leweling. Millot und Leweling sind noch da, verkörpern zum einen jedoch die fehlende Leichtigkeit im Spiel und zum anderen die fehlende Topform wichtiger Akteure.

Millot verzauberte zu Saisonbeginn Fans und Fachleute, Leweling startete bis zu seiner Verletzung kometenhaft bis in die Nationalelf durch. Jetzt zeigt sich ständig aufs Neue, dass im Vergleich zum fabelhaften Jahr der Vizemeisterschaft selten alle Offensivkräfte gleichzeitig in guter Verfassung auflaufen. Mindestens einer aus dem Quartett schwächelt immer. Oder: jeweils mehrere. Deniz Undav und Ermedin Demirovic – beide haben seit vier Ligapartien nicht getroffen – sind da noch zu nennen, aber auch der verbesserte Chris Führich und der aktuell überzeugende Nick Woltemade (weist mit zehn Toren in 20 Pflichteinsätzen die beste Quote aus) durchschritten schon ein Tief.

Die Spieler gemeinsam wieder auf eine höhere Stufe zu bringen, ist der Anspruch. „Wir sind als Mannschaft gefordert und müssen uns in der Offensive steigern“, sagt Hoeneß, „wir brauchen wieder mehr Dynamik und Präzision im letzten Drittel.“ Um die Zahlen nach oben zu schrauben und damit die Erfolgsaussichten zu erhöhen.

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