VfB Stuttgart bei RB Leipzig Warum der VfB im letzten Ligaspiel ein Risiko eingeht
Die Bundesligabegegnung in der Red-Bull-Arena hat mehr Bedeutung als viele glauben – gerade für die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß. Wir klären auf.
Die Bundesligabegegnung in der Red-Bull-Arena hat mehr Bedeutung als viele glauben – gerade für die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß. Wir klären auf.
Es geht um nichts mehr. Das ist rund um den Wasen in Bad Cannstatt der wohl meist gehörte Satz, wenn sich das Gespräch um die Bundesligabegegnung des VfB Stuttgart an diesem Samstag (15.30 Uhr) bei RB Leipzig dreht. Garniert mit dem Zusatz aus dem Fußballjargon: Ein Spiel um die goldene Ananas. Denn in der Red-Bull-Arena kommt es am letzten Spieltag zu einem Duell der Enttäuschten mit Blick auf das Saisonziel in der Liga.
Doch aus der Innensicht in der Mercedesstraße betrachtet, ist das falsch. Es geht um viel mehr als die berühmt-berüchtigte Südfrucht. Die Leipziger, eigentlich auf die Champions League abonniert, wollen es zumindest noch in die Conference League schaffen. Ein Trostpreis zwar, der so gar nicht zum Selbstverständnis der Roten Bullen passt, aber immer noch besser als gar nicht auf Europas Bühne anzutreten.
Die Stuttgarter haben das Erreichen der Königsklasse zwar nie offiziell angestrebt, insgeheim war es aber schon die Hoffnung – und nun bleibt am Ende einer nur ordentlichen Ligarunde das große DFB-Pokalfinale in einer Woche. Ein möglicher Hauptpreis, der für den Sieger die Qualifikation zur Europa League bedeutet und dem Spiel in Sachsen aus verschiedenen Gründen eine enorme Bedeutung beimisst.
Der letzte Eindruck vor dem Endspiel gegen Arminia Bielefeld zählt also. So könnte man es zusammenfassen. Sebastian Hoeneß will mit seinem Team unbedingt die 50-Punkte-Grenze sowie den achten Tabellenplatz erreichen. „Wir wollen das Maximum aus dieser Saison noch herausholen und den einstelligen Tabellenrang halten oder ausbauen“, sagt der Trainer. Ein zweistelliger Tabellenplatz sieht nach der Rekordsaison im Vorjahr eben nicht so gut aus und fühlt sich nach der Vizemeisterschaft auch nicht so gut an.
Doch das ist nur ein emotionaler Aspekt. „Für beide Teams geht es um Erhebliches und beide sind dabei auf die Hilfe Dritter angewiesen. Leipzig will sich für das internationale Geschäft qualifizieren und wir wollen uns unbedingt besser platzieren“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth über die Ausgangslage, die für den VfB (will noch Werder Bremen überholen) über das TV-Ranking auch mit der Einnahme von viel Geld zusammenhängt. Jede Platzierung macht hier etwa 2,5 Millionen Euro für die kommende Spielzeit aus.
Aber da gibt es ja auch noch die ultimative Begegnung im Berliner Olympiastadion. Sie ist aufgrund der Titelchance mit ewigem weiß-roten Ruhm verbunden. Zudem scheint der schwäbische Fußballstolz samt seinem Anhang geradezu nach dem Pokaltriumph zu lechzen. „Für uns geht es natürlich zusätzlich darum, mit einem weiteren Erfolgserlebnis unsere Gesamtverfassung auch im Hinblick auf das Pokalfinale zu stärken. Insofern erwarte ich ein Duell, in dem beide Mannschaften von Beginn an um eine Entscheidung ringen werden. Es liegt auf der Hand, dass wir auf ein hoch intensives und hart umkämpftes Match zusteuern“, sagt Wohlgemuth.
Dennoch denkt Hoeneß nicht darüber nach, Stammkräfte zu schonen. „Davon halte ich nichts. Es wird keine Rotation geben“, sagt der Chefcoach. Zum einen sieht er nicht, dass die zuvor viel belasteten Spieler eine Erholungspause bräuchten. Zum anderen geht es darum, eine möglichst eingespielte Elf zu haben, für die das Siegen wieder zur Selbstverständlichkeit wird. Es gilt vielmehr, die Form mindestens zu halten und nach den Erfolgen beim FC St. Pauli (1:0) und gegen den FC Augsburg (4:0) bestenfalls sogar ausbauen. „Das funktioniert über eine gute Leistung und das passende Ergebnis“, sagt Hoeneß.
Der Trainer vertraut dabei seiner aktuellen Bestbesetzung. Trotz des Risikos, das zuletzt Angelos Stillers Verletzung vor Augen geführt hat. Ein böser Tritt des Augsburgers Samuel Essende hat dafür gesorgt, dass ganz Stuttgart und der Nationalspieler selbst um den Einsatz beim Saisonhöhepunkt in der Hauptstadt bangen. Mit Stillers Bildern im Kopf, könnte man schon auf die Idee kommen, beispielsweise Maximilian Mittelstädt oder Nick Woltemade erst einmal auf der Bank zu lassen.
Doch für Hoeneß ist es keine Option, den leidenschaftlichen Außenverteidiger oder den aufstrebenden Stürmer draußen zu lassen. Jedenfalls nicht aus personaltaktischen Gründen mit Blick auf das Pokalfinale. Vollgas ist angesagt. Erst in Leipzig, danach in Berlin. Denn der Trainer will nicht Mut und Überzeugung von der Mannschaft einfordern, ohne selbst beide Eigenschaften vorzuleben. Zumal es ohnehin keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Es geht also noch um viel für den VfB.