VfB Stuttgart beim 1. FC Heidenheim Drei strittige Szenen – und hitzige Diskussionen im Anschluss
Der VfB fühlt sich beim FCH mehrfach benachteiligt. Was Hoeneß und Wohlgemuth kritisieren, wie sich Frank Schmidt äußert und was die Bilder sagen.
Der VfB fühlt sich beim FCH mehrfach benachteiligt. Was Hoeneß und Wohlgemuth kritisieren, wie sich Frank Schmidt äußert und was die Bilder sagen.
Sebastian Hoeneß hatte Gesprächsbedarf. Nach dem 3:3 beim 1. FC Heidenheim führte der Weg des Trainers des VfB Stuttgart direkt in die Schiedsrichter-Kabine, wo es zum Austausch mit Referee Sascha Stegemann kam. Über den Inhalt wollte Hoeneß im Anschluss nicht berichten. Musste er eigentlich auch nicht – denn zumindest seine Sicht war klar: Der VfB fühlte sich mehrfach benachteiligt auf der Ostalb, wobei vor allem drei Szenen im Fokus standen. Ein Blick auf die jeweilige Sachlage.
31. Minute Ermedin Demirovic erzielt nach einem Konter das vermeintliche 2:1 für den VfB – wenig später schickt der VAR aber Stegemann an den Spielfeldrand, wo dieser dann seine Entscheidung revidiert: Kein Tor für Stuttgart, stattdessen Elfmeter für Heidenheim aufgrund eines Duells im Vorfeld zwischen VfB-Verteidiger Maximilian Mittelstädt und FCH-Offensivspieler Eren Dinkci.
Für Hoeneß war besagte Szene keine klare Fehlentscheidung, die ein Eingreifen des VAR gerechtfertigt hätte: „Der Schiedsrichter hat die Situation gesehen, er hat freie Sicht. Der Einfluss von außen bringt ihn in eine schwierige Situation.“ Denn auf den Videobildern in Zeitlupe wirke die Szene schlicht gravierender: „In Realgeschwindigkeit sieht es anders aus. Ich sehe natürlich den Kontakt. Aber ich sehe mit dem rechten Fuß fast zeitgleich einen Block. Es ist ein Aufeinanderlaufen.“ Im Mittelfeld, so Hoeneß, würde ein solcher Zweikampf nicht gepfiffen. Zugleich aber erfolgte in besagter Szene der Kontakt von Mittelstädt minimal früher, der Dinkci damit am Fuß traf. Der Foulpfiff war damit eine vertretbare Entscheidung.
73. Minute Demirovic köpft den VfB nach einer Freistoß-Flanke mit 3:2 in Führung – wieder zählt das Tor aber nicht. Dieses Mal meldet der VAR eine knappe Abseitsstellung. Die ist aus zwei Gründen strittig. Zum einen lässt sich auf Grundlage der halbautomatischen Abseitslinie kaum erkennen, ob Demirovic wirklich in der verbotenen Zone stand. „Es ist eine sehr knappe Situation. Es ist eine halbautomatische Linie, die gezogen wird – so richtig verstehe ich das auch nicht, was das bedeutet“, so Hoeneß.
Zum anderen steht die Frage im Raum, ob die Abseitslinie beim richtigen Heidenheimer Spieler angelegt wurde: Im Bildvordergrund befindet sich Omar Traoré mit seinem Fuß sehr nahe am eigenen Tor, der Stuttgarter Co-Trainer David Krecidlo zeigt die Szene nach Abpfiff auf seinem Bildschirm. „Die Hacke von Traoré ist tief drin“, sagt auch Hoeneß, „das ist schon hart.“ In jedem Fall eine überaus knappe Entscheidung, die nach Ansicht der Bilder auch gleiche Höhe hätte lauten können.
82. Minute Vor dem Heidenheimer 3:2 erobert Stefan Schimmer den Ball gegen VfB-Verteidiger Ramon Hendriks. Zwar müsse der Niederländer die Situation besser lösen, so Hoeneß: „Trotzdem ändert es nichts an der Tatsache, dass es für mich ein Foul ist. Ramons Bein wird eingeklemmt. Ich hätte mir gewünscht, dass er es direkt pfeift und dann zumindest, dass er es sich anschaut.“ Das gelte vor allem mit Blick auf die Vorgeschichte und den FCH-Elfmeterpfiff in der ersten Hälfte.
Auf die Verhältnismäßigkeit ging auch der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth im Anschluss ein. „Da hätte ich mir schon gewünscht, dass bei der Linie des Schiedsrichters die Situation vor dem 3:2 nochmals überprüft wird.“ Ob Stegemann dann aber seine Entscheidung revidiert und als klare Fehlwahrnehmung eingestuft hätte, ist zumindest fraglich – da in besagter Szene beide Spieler um den Ball rangeln.
Eine krasse Fehlentscheidung ist Stegemann in den drei Fällen also nicht nachzuweisen – die Pfiffe fielen nach den teils strittigen Situationen aber jeweils zuungunsten der Stuttgarter aus. Der Heidenheimer Trainer Frank Schmidt wollte sich auf der Pressekonferenz im Übrigen nicht im Detail zu den Szenen äußern. Einerseits verstehe er den Unmut, jeder habe seine Sicht auf die Dinge. Andererseits aber habe er die Bilder noch nicht auf dem Laptop gesehen und könne sie daher nicht bewerten. Und für ihn gelte ohnehin: „Wenn wir kein gutes Spiel gemacht hätten, würde wir über diese Dinge nicht reden.“