VfB Stuttgart beim 1. FC Heidenheim Es lag nicht am Schiedsrichter

Diskussionen in Heidenheim: Die VfB-Profis Atakan Karazor, Chema und Jeff Chabot (v. li.) haben Redebedarf bei Schiedsrichter Sascha Stegemann. Foto: IMAGO/Eibner

Dass der VfB Stuttgart nicht beim 1. FC Heidenheim gewonnen hat, lag nicht an den Entscheidungen von Schiedsrichter Sascha Stegemann, kommentiert Sport-Autor Marco Seliger.

Sport: Marco Seliger (sem)

Eins vorneweg: Dass der VfB Stuttgart sein Auswärtsspiel beim Schlusslicht 1. FC Heidenheim (3:3) nicht gewonnen hat, lag nicht am Schiedsrichter. Sascha Stegemann traf am Sonntagabend im Verbund mit dem Videoassistenten zumindest aus Stuttgarter Sicht einige strittige Entscheidungen – die man aber alle so treffen kann. Vielleicht sogar muss. Denke man etwa an den Elfmeter, den Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt in Hälfte eins verursachte. Das Einsteigen des Nationalspielers gab – im Gegensatz zur Darstellung der VfB-Verantwortlichen – berechtigten Anlass für den VAR, einzugreifen.

 

Wohltuend war es daher, dass die Verantwortlichen der Weiß-Roten um den Trainer Sebastian Hoeneß und den Sportvorstand Fabian Wohlgemuth bei aller Kritik am Unparteiischen auch die eigenen Versäumnisse in den Mittelpunkt stellten. Denn der VfB muss sich an die eigene Nase fassen, dass er nur mit einem Remis im Regen den Heidenheimer Schlossberg verließ.

Die eigenen Versäumnisse

So hat es die Hoeneß-Elf wie schon beim vergangenen Liga-Auswärtsspiel beim FC St. Pauli (1:2) nicht geschafft, einen Sieg bei einem Kellerkind zum Ende einer englischen Woche zu holen. Auf dem Schlossberg lagen die Dinge nun anders als auf dem Kiez – wo der VfB die berühmten Basics, also die Intensität und die letzte Hingabe, vermissen ließ.

Beim FCH dominierte der Tabellenvierte einen extrem schwachen Gegner in der Anfangsphase und ging in Führung. Griffig, präsent und klar besser war man unterwegs – ehe man Heidenheim durch kleine Nachlässigkeiten, die sich zum großen Ganzen summierten, in die Partie kommen ließ.

So entwickelte sich das von FCH-Coach Frank Schmidt vor und nach Schlusspfiff ausgerufene „wilde Spiel“, das sie auf der rauen Ostalb so lieben. Heißt: Ein Kampfspiel samt rassigem Auf und Ab, das zumindest zeitweise vom Kampf der Heidenheimer dominiert wurde. Und nicht mehr von der Klasse des VfB.

Dem VfB fehlte es mehr und mehr an Präzision und letzter Konsequenz im vorderen Drittel – und in mancher Situation an der Konsequenz im Verteidigen. Das Positive: Die Hingabe und die letzte Leidenschaft waren im Gegensatz zur Niederlage auf St. Pauli da: Der VfB-Laufwert von 125 Kilometern und die gewonnene Zweikampfquote von 58 Prozent sind dafür ein klarer Beleg.

Die Gäste aus der Landeshauptstadt nahmen den Kampf also an im Württemberg-Duell – hätten es zu diesem Kampf aber gar nicht kommen lassen dürfen. So lautet die Lektion, die der VfB mit Blick auf die nächsten Wochen lernen sollte: Einen schwachen Gegner im Laufe der Partie nicht mehr ins Spiel kommen zu lassen, nachdem man ihn mit Spielstärke, Leidenschaft und Konsequenz zu Beginn eigentlich schon da hatte, wo man ihn wollte: Am Boden.

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