VfB Stuttgart beim 1. FC Köln Für Hoeneß ist „der Weg klar“ – wie der VfB den ersten Auswärtssieg holte

Das Team des VfB Stuttgart feiert den Auswärtssieg gegen den 1. FC Köln. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Dritter Sieg in Folge: Der VfB Stuttgart hat seine kleine Erfolgsserie fortgesetzt und nun auch auswärts die ersten Punkte geholt. Was war entscheidend beim 2:1 beim 1. FC Köln?

Sport: David Scheu (dsc)

Es waren nur noch einige Sekunden zu absolvieren von der fünfminütigen Nachspielzeit. Doch für den VfB Stuttgart wurde es noch einmal gefährlich. Freistoß 1. FC Köln, Eckball 1. FC Köln, noch eine Ecke. Doch als der letzte Abschluss des Aufsteigers weit über das Stuttgarter Tor flog, war klar: Der VfB hat den ersten Auswärtssieg dieser Bundesligasaison sicher. 2:1 (1:1) hieß es am Ende der Partie bei den Kölnern – und Sebastian Hoeneß herzte mit einem glücklichen Grinsen im Gesicht seine Spieler. „Es war“, sagte er, „ein dreckiger Arbeitssieg, über den ich happy bin.“

 

Der Coach des VfB hatte seine Mannschaft gegenüber dem 2:1-Erfolg gegen Celta Vigo in der Europa League auf sechs Positionen verändert. Finn Jeltsch, Maximilian Mittelstädt, Lorenz Assignon, Chema, Badredine Bouanani und Jamie Leweling fehlten in der Startelf. Stattdessen liefen Jeff Chabot, Luca Jaquez, Josha Vagnoman, Chris Führich, Tiago Tomas und auch Atakan Karazor auf.

Der Kapitän hatte zuletzt ja seinen Stammplatz an den jungen Chema verloren, verschuldete in der Europa League einen Gegentreffer – und brauchte auch am Sonntagabend in Köln wieder ein bisschen, um Sicherheit zu gewinnen. Allerdings: An dem, was in der vierten Minute des Duells mit dem FC passierte, hatte Karazor keine Aktien.

Der VfB baute das Spiel über die linke Seite auf, Chris Führich spielte dann nach innen auf Angelo Stiller – doch die Kölner hatten Lunte gerochen. Nach der Balleroberung spielten sie zielstrebig nach vorne, wo Jakub Kaminski eiskalt abschloss. 0:1 – der Schwung, den der VfB in den vergangenen Tagen aufgenommen hatte, war erst einmal dahin. „Es war denkbar schlecht, so reinzukommen“, sagte Hoeneß. Und: Es hätte noch schlimmer kommen können für die Stuttgarter.

VfB-Torschütze Ermedin Demirovic (li.) und der Kölner Torhüter Marvin Schwäbe. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Keine drei Minuten nach dem Kölner Führungstreffer waren sich Jeff Chabot und Alexander Nübel nicht einig, weshalb Ragnar Ache den Ball Richtung VfB-Tor spielen konnte. Luca Jaquez rettete einen Meter vor der Torlinie – und ermöglichte seinem Team, mit etwas Verspätung doch noch in die Partie zu finden. „Danach haben wir uns stabilisiert“, sagte Coach Hoeneß. Und Kapitän Karazor ergänzte: „Wir waren am Anfang ein bisschen nervös, hatten einige Umstellungen. Umso schöner ist, was wir danach gezeigt haben, dass wir selbstbewusst weitergemacht haben.“

Die Stuttgarter jedenfalls bekamen nun mehr Kontrolle und auch Ruhe ins Spiel. Sie hatten durch Tiago Tomas per Fallrückzieher und Ermedin Demirovic die ersten Chancen, ehe sie sich die Frage stellen durften: Wer schießt eigentlich nun die Elfmeter?

Nachdem der Kölner Keeper Marvin Schwäbe sich den Ball ein wenig zu weit vorgelegt hatte, brachte Demirovic seinen linken Fuß vor jenen des Kölner Keepers. Der traf den VfB-Stürmer beim Klärungsversuch, was Matthias Jöllenbeck zunächst nicht ahndete. Nach ausgiebigem Studium der Videobilder entschied der Schiedsrichter aber auf Strafstoß für den VfB. „Für uns“, sagte Hoeneß, „ist es ein klarer Elfmeter.“ Das gab auch Schwäbe zu: „Wenn man die Bilder sieht, muss man ihn geben.“

Ermedin Demirovic ist vom Punkt eiskalt

Nachdem Angelo Stiller gegen den FC St. Pauli eher kläglich gescheitert war, schnappte sich nun Demirovic den Ball – und ließ keinen Zweifel daran, dass er künftig der etatmäßige Strafstoßschütze der Stuttgarter sein wird. Kurzer Anlauf, links unten, drin – 1:1 in der 28. Minute. Der VfB hatte den Neuanfang in dieser Partie erzwungen, blieb spielbestimmend, zu klaren Chancen kamen die Stuttgarter bis zur Pause aber nicht mehr.

In der zweiten Hälfte entwickelte sich eine Partie, die ausgeglichen war – und, so schien es, auf die eine wie die andere Seite hätte kippen können. Der VfB hatte durch Tiago Tomas und Maximilian Mittelstädt Chance. Der eingewechselte Nationalspieler musste aber auch auf der eigenen Torlinie per Kopf retten. Die Kölner wirkten in der Schlussviertelstunde hungriger auf den Siegtreffer – das Tor erzielte dann der VfB.

Bilal El Khannouss und der eingewechselte Badredine Bouanani spielten sich den Ball rechts vorne ein paarmal hin und her – ehe sie dann ruckartig das Tempo verschärften. Der Pass nach innen fand Angelos Stiller, der dann Josha Vagnoman präzise bediente. Der Rechtsverteidiger stand plötzlich frei vor Marvin Schwäbe – und ließ dem FC-Torhüter in der 81. Minute keine Chance. Was folgte, war die Kölner Schlussoffensive, die aber nicht mehr so recht zünden wollte. Weshalb sich am Ende dieses Sonntagnachmittags nur die Spieler des VfB freuen durften.

Über den ersten Auswärtssieg der Bundesligasaison, den dritten Erfolg in Serie – und den Sprung ins obere Drittel der Tabelle. „Jetzt geht es darum, dass wir genau so fokussiert bleiben“, sagte Sebastian Hoeneß, „wir haben vorgezeichnet, wie es gehen kann, daran wollen wir anknüpfen. Der Weg ist klar.“

Am Donnerstag (21 Uhr) geht’s weiter in der Europa League beim FC Basel (am Sonntag 1:2 gegen den FC Luzern). Die nächste Auswärtsfahrt steht also an – die der VfB mit jeder Menge Selbstvertrauen angehen wird.

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