VfB Stuttgart beim 1. FSV Mainz 05 Wie man beim VfB die neue Lage bewertet
Die Stuttgarter gewinnen nach Rückstand noch mit 4:1. Nun hält die Mannschaft von Sebastian Hoeneß im Abstiegskampf gute Karten in der Hand – doch der Trainer warnt.
Die Stuttgarter gewinnen nach Rückstand noch mit 4:1. Nun hält die Mannschaft von Sebastian Hoeneß im Abstiegskampf gute Karten in der Hand – doch der Trainer warnt.
Der Druck hat ein Ventil gebraucht. Mit ausgebreiteten Armen lief der Trainer Sebastian Hoeneß nach dem Schlusspfiff auf seinen Torhüter zu. Um zu gratulieren und seine Freude herauszulassen. Denn Fabian Bredlow hatte nach einer schwierigen Woche stark gehalten und damit wesentlich zum 4:1-Sieg des VfB Stuttgart beim 1. FSV Mainz 05 beitragen. „Fabian war ein wichtiger Faktor für uns“, sagte Hoeneß über den zuletzt kritisierten Bredlow.
Auch dank des Torwarts hat der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist die große Chance genutzt, die sich durch die Samstagsergebnisse der Konkurrenz eröffnet hatte. Der VfB steht nach dem Erfolg in Rheinhessen auf dem sicheren 15. Tabellenplatz, zwei Ränge besser als vor dem Anpfiff. Ein großer Schritt im Kampf um den Klassenverbleib. Ein Ligaspiel steht nun am Samstag noch an, und der VfB hält vor der Begegnung mit der TSG Hoffenheim wieder gute Karten in der Hand. „Wir haben es jetzt noch mehr in der eigenen Hand“, erklärte Hoeneß, „aber wir haben auch noch einen Job zu erledigen.“
Nur mit einem weiteren Sieg bleiben die Stuttgarter auf der ganz sicheren Seite, bei allen anderen Ergebnissen müssen sie auf die anderen Plätze schauen. Das will keiner beim VfB, für den Wataru Endo, Serhou Guirassy sowie die eingewechselten Chris Führich und Tanguy Coulibaly trafen. Zuvor hatte Hoeneß der Formation vertraut, die zuletzt gegen Bayer Leverkusen unentschieden gespielt hatte, mit einer Ausnahme. Krankheitsbedingt musste der Coach auf Borna Sosa wegen einer Infektion verzichten. Für ihn lief Nikolas Nartey auf, und nicht nur der Däne benötigte ein paar Minuten, um sich zu orientieren.
Nachdem die anfängliche Nervosität überwunden war, zeigte sich der VfB besser im Spiel als der Gastgeber. Mit viel Kontrolle, aber ohne Torgefahr auszustrahlen. Die Stuttgarter konzentrierten sich erst einmal darauf, die Zweikämpfe zu gewinnen und durch Ballpassagen eine Lücke im Defensivverbund der Mainzer zu reißen.
Diese fand plötzlich die Elf von FSV-Trainer Bo Svensson. Karim Onisiwo kam zum Schuss – und Bredlow parierte zunächst stark (23.). Der folgende Eckball führte jedoch zum Rückstand. Marcus Ingvartsen stand richtig, und die Stuttgarter schauten dumm aus den Trikots, weil sie zuvor das Geschehen im Griff hatten. Wieder wurde eine hohe Flanke schlecht verteidigt.
Ein klarer Fall von: sich selbst eingelullt. Die Hoeneß-Schützlinge hatten anschließend Schwierigkeiten, Tempo in ihre Aktionen zu bringen. Der erste Schnellangriff führte jedoch zum Ausgleich. Silas Katompa behauptete sich im Sprint, etwas glücklich gelangte das Spielgerät zu Endo, der nach einem Kontakt mit links den Ball in der Luft per rechtem Außenrist nahm – ein Volltreffer (41.). Hoeneß sprang begeistert auf und die 3000 VfB-Fans in der Mewa-Arena jubelten dank der technisch anspruchsvollen Energieleistung des Kapitäns.
Nach der Pause brauchte der VfB wieder etwas Zeit, um in den Spielrhythmus zu kommen. Auch, weil den Stuttgartern im Aufbau unbedrängt Fehlpässe unterliefen. Das Bild veränderte sich allerdings. Die Mainzer investierten mehr in die Offensive, und die Gäste lauerten auf Konter. Am liebsten vorgetragen über Silas. Das 2:1 gelang aber über eine Standardsituation. Eckball Führich, Kopfball Guirassy – Tor (64.).
Kurz darauf musste der benommene Dan-Axel Zagadou nach einem Zusammenprall vom Platz. Ein Nachteil, da der Innenverteidiger die Lufthoheit hatte – und Svensson wechselte die Sturmkante Ludovic Ajorque ein. Noch mehr hohe Pässe flogen danach in Richtung des Stuttgarter Strafraums. Waldemar Anton und Konstantinos Mavropanos hatten Schwerstarbeit zu leisten.
Für die spielerische Leichtigkeit zeichnete auf der Gegenseite Führich verantwortlich. Der Joker stach beim 3:1, als er einen Angriff überlegt vollendete (78.). Es war der fünfte Saisontreffer des Dribblers und ein Vorsprung, der die schwäbischen Nerven etwas beruhigte. Zurückschalten durfte der VfB allerdings nicht. Wie sich zeigte, als Bredlow gleich zweimal hintereinander bei den Schüssen von Anton Stach und Ajorque glänzend reagierte (83.). Erst mit dem Schlusspunkt durch Coulibalys Tor in der Nachspielzeit stellte sich Erleichterung ein.