VfB Stuttgart beim FC St. Pauli Wenn VfB-Fans unter die Gürtellinie zielen

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Ein Teil der Fans des VfB Stuttgart hat mit einem Spruchband im Millerntorstadion von St. Pauli Grenzen überschritten. Wir erklären, was dahintersteckt – und was der Verein und die übrige Kurve dagegen tun können.

Unter den vielen VfB-Fans gibt es auch schwarze Schafe. Foto: Baumann
Unter den vielen VfB-Fans gibt es auch schwarze Schafe. Foto: Baumann

Hamburg/Stuttgart - Frotzeleien, Provokationen, Beschimpfungen des Gegners und ihres Anhangs – all das gehört unter Fußballfans seit Jahr und Tag dazu. Für manche Anhänger ist es sogar ein ganz wichtiger Teil: Nicht nur die beiden Mannschaften auf dem Rasen tragen ihr Duell aus – auch auf den Rängen heißt es: „Wir gegen euch. Unsere Stadt gegen eure.“ Auch das macht den Reiz des Fußballs aus.

Allerdings passiert es regelmäßig, dass derlei Aktionen jegliches gerade noch akzeptable Niveau weit unterschreiten. So wie an diesem Samstagnachmittag in St. Pauli, ausgerechnet am Millerntor, einem der wenigen Stadien Deutschlands, in dem vor Anpfiff auch die Gästehymne gespielt wird.

Es hielt die VfB-Fangruppe „Südbande“ nicht davon ab, während des Spiels ein sexistisches Spruchband in die Höhe zwar halten, das an Geschmacklosigkeit schwer zu überbieten war („Geizige Schwaben ficken eure Mütter zu fairen Preisen”). Es mag eine Replik auf einen nicht viel geschmackvolleren Spruch von St. Pauli-Fans beim Hinspiel gewesen sein („Geizige Schwaben nehmen arme Zecken aus. Fickt eure Ticketpreise“). Viel besser macht es das nicht.

Geschmackloses Plakat gegen Heidenheim

Es kommt im Falle der „Südbande” erschwerend hinzu, dass sich diese noch junge Fangruppierung bereits das zweite Mal innerhalb von wenigen Tagen massiv im Ton vergriffen hat. Bereits am vergangenen Mittwoch waren die Anhänger beim Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim mit einem anderen Spruchband in Richtung der Gästefans äußerst negativ aufgefallen.

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Die Fragen, die nun wieder viele umtreiben: Warum sind solche Aktionen, die auch dem eigenen Verein schaden, nicht zu verhindern? Gerade bei so scharfen Kontrollen, wie sie beim Einlass in Fußballstadien üblich sind?

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Spruchbänder und Choreografien sind in den meisten Fällen zwar anmeldungspflichtig, eine inhaltliche Kontrolle erfolgt jedoch in den wenigsten Fällen. Und wenn doch, wird es im Vorfeld angekündigt – und das betreffende Spruchband eben in Teilen versteckt unter der Kleidung auf die Ränge geschmuggelt und dort zu einem Ganzen zusammengefügt. Es wird nie gänzlich zu verhindern sein, dass verbotene Gegenstände den Weg ins Stadion finden, wie auch das Beispiel der Pyrotechnik zeigt.

St. Pauli reagiert via Twitter

Der Ansatz muss daher ein anderer sein: Präventives Arbeiten an der Basis ist gefragt. Fanbetreuung, Fanprojekt, jeder einzelne Stadionbesucher kann etwas tun. Indem er den Mund aufmacht, sich entsprechend positioniert - oder wenigstens die Aktion durch das Hochhalten des Spruchbandes nicht auch noch unterstützt.

Während der VfB bisher noch nicht offiziell auf das Spruchband reagiert hat – der FC St. Pauli kommentierte noch während der Partie via Twitter –, erklärte Sportchef Sven Mislintat am Sonntagmorgen, dass er eine dezidierte Meinung zu dem Thema habe, eine rigide Politik der Restriktion aber für nicht zielführend halte. Zwar hätte der Club beispielsweise die Möglichkeit, Fans die Dauerkarten zu entziehen. Doch findet der Sportchef „nicht, dass das in Sanktionen enden sollte. Viel eher müssen wir in einem vernünftigen Rahmen mit den Leuten darüber diskutieren.“




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