Analyse zur Pleite des VfB Stuttgart Warum der VfB beim HSV völlig auseinanderbrach

Von Gregor Preiß 

Das 2:6 beim Hamburger SV spricht eine deutliche Sprache, tatsächlich hätte die Zweitligapartie aber noch zugunsten des VfB kippen können. Die Analyse zu einem kuriosen Spiel.

Die Enttäuschung steht den VfB-Profis ins Gesicht geschrieben. Foto: dpa/Frank Molter 12 Bilder
Die Enttäuschung steht den VfB-Profis ins Gesicht geschrieben. Foto: dpa/Frank Molter

Stuttgart - Bäm Bäm Bäm Bäm! Auf geht’s Hamburg! Man darf die HSV-Tormusik von Scooter durchaus als Angriff auf die Geschmacksnerven betrachten. Für die Fans des VfB Stuttgart klingelte sie an diesem Samstag gleich sechsmal schmerzhaft in den Ohren. Zwei zu sechs! Die Mannschaft von Trainer Tim Walter wurde förmlich aus dem Volksparkstadion geblasen. Und das hat Gründe, wie unsere Spielanalyse Fünferkette zeigt.

Spielidee

Tim Walter vertraut grundsätzlich auf das eigene System, der Gegner ist dabei stets zweitrangig. Seine Startelf wechselt der 43-Jährige aber beständig durch, so auch im Duell mit dem Spitzenreiter. Vier Neue kamen im Vergleich zum jüngsten 0:1 gegen Holstein Kiel aufs Feld. Gebracht haben die Wechselspielchen innerhalb eines 4-4-2-Systems mit Raute aber nichts – ganz im Gegenteil.

Spielentscheidend

Waren die vielen individuellen Fehler. Um nicht zu sagen: Böcke, welche die Stuttgarter in Halbzeit eins in Serie schossen. Der junge Verteidiger Maxime Awoudja verschuldete die ersten beiden Gegentreffer; beim 0:2 durch tatkräftige Mithilfe von Emiliano Insua, der erneut einen rabenschwarzen Tag erwischte. „Der HSV hat auf Fehler von uns gewartet, wir haben sie gemacht, und der HSV hat sie eiskalt ausgenutzt“, gründete Sportdirektor Sven Mislintat seine Analyse auf die Schludrigkeiten Einzelner. Letztlich sind sechs Gegentreffer aber Ausbund kollektiven Defensivversagens.

Doch zur Geschichte dieses kuriosen Spiels zählte auch, dass der VfB mehrfach die Chance hatte, es noch einmal zu seinen Gunsten zu drehen. Auf dem Silbertablett präsentierten die hinten ebenfalls wackligen Hanseaten ihren Gästen die Anschlusstreffer - und zahlreiche Chancen auf weitere Tore. Die der VfB aber nicht nutzte und obendrein den Schiedsrichter samt Videoteam nicht auf seiner Seite hatte. Was freilich niemand als Entschuldigung ins Feld führte. „Wir müssen uns an die eigene Nase packen“, sagte Philipp Klement.

Spielentscheider

HSV-Coach Dieter Hecking galt vielen schon als Auslaufmodell. Jetzt hat er dem Hamburger SV eine Spielidee verpasst, die sehr gut zu seiner Mannschaft passt. Was man vom VfB gerade nicht behaupten kann. Schnörkellos spielt der Tabellenführer, mit der nötigen Aggressivität im Mittelfeld und dem richtigen Timing für schnell vorgetragene Angriffe. Also dem genauen Gegenteil zum Stuttgarter Perpetuum Mobile, den Ball ins Tor tragen zu wollen. Keine Frage: Hecking macht im Moment in Hamburg vieles richtig.

Wortspiel

Sportdirektor Mislintat gratulierte dem HSV bereits „zum ersten Aufstiegsplatz“. Kühne Worte nach elf Spieltagen, die aber wohl nur einen psychologischen Effekt erzielen – und den Konkurrenten in Sicherheit wiegen sollen. Der Ex-Tabellenführer aus Stuttgart muss im Moment nur nach hinten schauen, nachdem er auch noch den zweiten direkten Aufstiegsplatz an Arminia Bielefeld verloren hat. Und er muss vor allem schleunigst wieder in die Spur kommen.

Spielplan

Für die Profis ging es direkt nach dem Spiel per Flieger zurück in die Heimat, ehe sie am Montag erneut das Flugzeug Richtung Hamburg besteigen. Am Dienstag (18.30 Uhr) kommt es in der zweiten Runde des DFB-Pokals zum zweiten Aufeinandertreffen mit dem HSV innerhalb von vier Tagen. Der VfB-Tross begründete seine Vielfliegerei mit besseren Regenerations- und Trainingsmöglichkeiten. Am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) ist dann wieder Ligaalltag angesagt: Heimspiel gegen Dynamo Dresden.




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