VfB Stuttgart beim VfL Bochum Mit Lockerheit und „Dieters Intelligenz“ – Hecking bringt den VfL in die Spur

Hat Spaß an der Arbeit: Bochums Trainer Dieter Hecking. Foto: www.imago-images.de/Malte Ossowski

Der weit gereiste und gereifte Dieter Hecking hat als Coach des VfL Bochum seine Erfüllung gefunden – und fordert an diesem Samstag den VfB Stuttgart mit Strenge und Witz.

Sport: Marco Seliger (sem)

Die Künstliche Intelligenz (KI) ist schwer im Kommen. Auch bei der Pressekonferenz (PK) des Vereins für Leibesübungen Bochum (VfL) spielte sie kürzlich eine Rolle. So bekam der Trainer Dieter Hecking (DH) die Frage gestellt, wie er denn die KI im täglichen Umgang so nutze. „Gar nicht“, erwiderte DH – und der kecke Hecking in ihm ergänzte: „Nullkommanull. Ich hab DI – Dieters Intelligenz.“

 

Lustig und bestimmt zugleich war dieser Spruch des VfL-Übungsleiters – und taugte damit als Blaupause für die so gar nicht künstliche, sondern intelligente Haltung des Trainer-Oldies, der in Bochum längst der allseits beliebte Goldie ist. Denn beim Malocherclub von der berühmten Castroper Straße startete der 60-Jährige seit seinem Amtsantritt im vergangenen November mit seiner neu entdeckten Mischung aus Lockerheit und Strenge durch.

Einen Punkt aus den ersten neun Bundesligaspielen hatte der VfL vor Heckings Zeit geholt. Jetzt steht Bochum vor dem Heimspiel an diesem Samstag gegen den VfB Stuttgart (15.30 Uhr) mit 20 Punkten da und hat als Tabellen-17. bei nur zwei Zählern Rückstand auf den Relegationsplatz die Chance, alles noch aus eigener Kraft zu regeln. Vor ein paar Tagen hat Hecking seinen Vertrag beim VfL bis 2027 verlängert. Offiziell gilt das nur für den Fall des Klassenverbleibs und damit für die erste Liga. Inoffiziell ist es keineswegs ausgeschlossen, dass der Coach auch im Falle eines Abstiegs bleibt.

Kind des Ruhrgebiets

Denn Hecking und der VfL, das passt. Geboren in Castrop-Rauxel und aufgewachsen im ostwestfälischen Soest ist Hecking ein Kind der erweiterten Ruhrgebietsregion. Nach Trainerstationen bei Alemannia Aachen, Hannover 96, dem 1. FC Nürnberg und dem VfL Wolfsburg sowie bei Borussia Mönchengladbach und zuletzt als Sportvorstand beim 1. FC Nürnberg ist der weit Gereiste dort als Coach angekommen, wo er schon immer mal hinwollte: in der Heimat. Und das, obwohl es zumindest von außen große Zweifel gab beim Amtsantritt. Ein Punkt aus neun Partien, dazu massive Querelen in der Führungsetage – es hat im vergangenen Herbst attraktivere Arbeitgeber gegeben als den VfL.

So erzählte Hecking im November 2024 unverblümt, dass ihm ein guter Bekannter dies als Textnachricht geschrieben habe: „Warum tust Du Dir so einen Scheiß an?“ Doch der Coach wusste, was er tat. „Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit dem Geschäftsführer Ilja Kaenzig, er hat mir sehr offen und relativ schonungslos aufgezeigt, was mich beim VfL Bochum erwartet“, sagte Hecking kürzlich in einem „SZ“-Interview und ergänzte: „Man will es sich auch selbst beweisen. Einige Kollegen hätten bestimmt abgewinkt und geglaubt, etwas zu verlieren zu haben. In dieser Situation war ich aber nicht. Ich hatte nichts zu verlieren.“

Ehrlichkeit ist Trumpf

Damit war der Fall klar – auch beim Thema Ehrlichkeit, das für Hecking ein Großes ist. Sie ist Trumpf, auch im Umgang mit seiner Mannschaft. Klare Kante, aber auch mal den Spaßvogel geben, das prägt inzwischen das Handeln des gereiften Hecking – der damit perfekt ins Ruhrgebiet passt. Harte Arbeit, dabei aber immer mal einen trockenen, kernigen Spruch auf den Lippen: Das ist Hecking, das ist der Pott. „Ich habe versucht, eine gewisse Lockerheit reinzubringen, ohne die Ernsthaftigkeit der Situation infrage zu stellen“, sagt er über sein Wirken beim VfL: „Du kannst auch in der Mannschaft mal einen Witz machen, um sie aufzulockern. Aber du brauchst auch den Ton, der Grenzen setzt. So bin ich.“

Dabei hat man ja immer auch den Hecking der Vergangenheit im Sinn, der in der Öffentlichkeit nicht selten so dreinschaute, als hätte er gerade in eine Zitrone gebissen. „Ich kenne ja diese Bilder von mir, und vielleicht ist das die größte Weiterentwicklung von Dieter Hecking“, sagt Dieter Hecking dazu: „Dass ich mehr Gelassenheit entwickelt habe und so sein kann, wie ich auch privat bin: lockerer und nicht mehr so verbissen.“

Der private Hecking war eh schon immer ein fröhlicher und geselliger Typ, spätestens in Bochum wurde nun auch der öffentliche Hecking milder. Auch im Umgang mit sich selbst. „Ich mache mir nichts mehr daraus, was die Öffentlichkeit über mich denkt“, sagt er: „Wenn ich auf die Soester Kirmes fahre, dann sage ich auch, dass ich auf die Soester Kirmes fahre.“ Und dann fährt er dahin, fährt womöglich Achterbahn – und peilt jetzt den Höhenflug mit dem VfL im Saisonfinale an.

Hecking hat einem noch im vergangenen November allen Ebenen am Boden liegenden Club wieder auf die Beine geholfen. Mit dem Klassenverbleib würde der Coach seinem Wirken in Bochum die Krone aufsetzen – und beim VfL zur Legende werden.

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