Sie fliegen weiterhin. Tennisbälle, Flummis, Schokoladentaler. Die bundesweiten Fanproteste aufgrund der Pläne der Deutschen Fußball-Liga (DFL), über ein Lizenzmodell Einnahmen generieren zu wollen, sie nehmen kein Ende. Auch nicht beim VfB Stuttgart. In der neunten Spielminute der Partie gegen den 1. FSV Mainz 05 unterbrach Schiedsrichter Deniz Aytekin, schickte die Mannschaften sogar kurzfristig vom Feld. Am Ende gab es zwar keinen Spielabbruch, aber eine satte Nachspielzeit von 15 Minuten im ersten Durchgang.
Garniert wurde der Protest in Stuttgart von unmissverständlichen Spruchbändern. „DFL-Präsidium steuert Prozesse transparent? Unsachliche Debatte in den Kurven?“, lauteten die Fragen, die die organisierten Fans mittels eines riesigen Banners stellten, das vorm Oberrang der Cannstatter Kurve prangte. Weiter unten stand zu lesen: „Wollt Ihr uns verarschen? Offene Abstimmung jetzt!“
Dies bezieht sich auf einen Vorschlag, den VfB-Präsident Claus Vogt bereits letzte Woche gemacht hatte. Über die sozialen Netzwerke verkündete er, eine erneute Abstimmung aller 36 Vereine in der DFL zu befürworten.
Kommt es zu einer Neuabstimmung bei der DFL?
Hintergrund: Die geheime DFL-Wahl, bei der nur eine Stimme die notwendige Zweidrittelmehrheit gebracht haben soll, ist einer der Hauptkritikpunkte der Anhänger. Vogts Vorschlag brachte Bewegung in die Debatte, diverse Entscheider aus der Branche äußerten Zustimmung für seinen Vorstoß. Allerdings gab es auch Gegenwind, etwa aus München. Dort erteilte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen einer möglichen Neuabstimmung über das Streitthema eine klare Absage: Man könne nicht einfach „die Stimmabgabe infrage stellen, wenn einem anschließend nicht gefällt, was herauskommt“. Wann und ob der Vorschlag Vogts bei der DFL zu einer Abstimmung kommt, ist offen. Nach Informationen unserer Redaktion ist jedoch in einem absehbaren Zeitraum eine Sitzung geplant, bei der dies möglich sein könnte.
Am Wochenende erneuerte Vogt seinen Vorschlag. „Wir tun gut daran, die 50+1-Thematik ernst zu nehmen“, sagte er dem SWR. „Wenn es uns gelingt, eine transparente Abstimmung zu machen, bei der man nachvollziehen kann, wie der jeweilige Entsendete des Clubs abgestimmt hat, dann kommt dabei ein Ergebnis heraus, das dann alle auch tragen müssen.“ Dies sei seiner Meinung nach ein gangbarer Weg. „Wenn so ein Weg möglich ist, dann muss vorher klar sein, dass alle Mitglieder und Fans diesen Weg mitgehen und die Proteste dann aufhören und beendet sind – egal wie es ausgeht“, so Vogt. Das müsse man dann „demokratisch akzeptieren“.
Um für mehr Aufklärung und eine Versachlichung der Debatte zu werben, gibt Vogt den Brückenbauer. Er stellte den VfB-Mitgliedern einen sogenannten Dunkelroten Tisch in Aussicht. Bei diesem Format stellen sich Clubvertreter den Mitgliedern, um über diverse Inhalte zu sprechen. Man werde das „relativ kurzfristig organisieren“, um mit den Mitgliedern „ausführlich“ über die Thematik zu sprechen. Dies könnte noch im Februar so weit sein.
Abzuwarten bleibt, ob dieser Versuch Erfolg haben wird. Sicher ist: Aufklärung und Befriedung scheinen in der Sache absolut vonnöten. Denn auch der Teil der Anhänger, der nicht der organisierten Szene zuzurechnen ist, machte sich am Wochenende während des Protests in Stuttgart erstmals bemerkbar – und zwar durch laute Pfiffe.
In Hannover hat der Protest gar juristische Konsequenzen. Martin Kind, Geschäftsführer des Zweitligisten Hannover 96, will wegen eines Fan-Banners, das ihn im Fadenkreuz zeigte, Anzeige erstatten. Das teilte der Verein am Montag mit.