VfB Stuttgart Dan-Axel Zagadou – die VfB-Abwehrkante ist zurück im Spiel

VfB-Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou ist wieder voll einsatzbereit – und steht auch bei den Fans hoch im Kurs. Foto: Baumann

Nach zwei Knieoperationen in 2024 ist Dan-Axel Zagadou wieder voll einsatzbereit. Von seinen Qualitäten her hat der VfB-Innenverteidiger das Zeug zum Führungsspieler.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

In der zurückliegenden Saison ist er gerade mal auf 28 Spielminuten in drei Kurzeinsätzen gekommen; doch Dan-Axel Zagadou, den alle nur „Daxo“ nennen, besitzt eine natürliche Autorität. Das liegt auch an seiner physischen Erscheinung: Denn mit seinen 1,96 Metern Größe bei rund 90 Kilogramm durchtrainierter Muskelmasse ist er der größte Koloss im Kader des VfB Stuttgart.

 

Doch Zagadou besticht nicht allein durch die körperliche Komponente. Als es am Mittwochnachmittag für die Profis des Pokalsiegers zum Trainings-Aufgalopp auf den Rasen ging, da war der Innenverteidiger beim Spielchen Fünf gegen Zwei in seiner Gruppe gleich die auffälligste Figur. Auch deshalb, weil er dem Neuzugang und Landsmann Lorenz Assignon von Stade Rennes auf französisch die ersten Schritte auf neuem Terrain erleichterte.Dan-Axel Zagadou ist vom Wesen her kein Lautsprecher. Er ist ein eher leiser Typ, der vor dem Spiel schon mal in der Bibel liest – und sich auf dem Platz zunächst auf sein eigenes Spiel fokussiert. Aber er hat eben auch stets einen Tipp, eine Umarmung oder ein Grinsen für die Kollegen parat. Kurzum: Der Abwehrmann aus Créteil, einem Vorort von Paris, der später sämtliche Jugendteams von Paris Saint-Germain sowie alle französischen Auswahlmannschaften bei den Junioren durchlief, ist einfach einer, den man gerne im Team hat. „Er ist ein super Kerl“, sagt Innenverteidiger-Kollege Jeff Chabot.

Zagadou (li.) in seiner Dortmunder Zeit im Duell gegen seinen Jugendclub Paris St. Germain und Kylian Mbappé. Foto: imago/Fotostand

Das sieht auch Sebastian Hoeneß so: „Wir hoffen, dass er gesund bleibt. Dann ist er einerseits ein sehr guter Spieler – und auch ein starker Typ, was die Führung der Mannschaft angeht“, sagt der VfB-Cheftrainer über Zagadou, den so lange verhinderten Führungsspieler mit der ellenlangen Leidensgeschichte.

Klar ist, dass Hoeneß den 26-Jährigen liebend gerne bei voller Leistungsfähigkeit in seine Stammelf einbauen würde. Schließlich gibt es für jeden Trainer besonders wertvolle Spieler. Angelo Stiller etwa ist so ein Akteur beim VfB, der verlängerte Arm des Chefcoaches auf dem Platz.

Auch Zagadou fiel noch im Vorsommer in die Kategorie mega-wichtig. Schließlich stand der VfB nach dem jähen Abgang seines Kapitäns Waldemar Anton zu Borussia Dortmund plötzlich ohne Abwehrchef da. Eine Rolle, die auch Zagadou ausfüllen kann. Wenn da nicht die labile Gesundheit wäre. Nach einer bärenstarken Hinserie in der Vizemeister-Saison folgte im Januar 2024 Rückschlag Nummer eins im VfB-Dress, als sich Zagadou einen Anriss im Kreuzband des rechten Knies zuzog. Ende September wurde der Franzose nach drei Kurzeinsätzen erneut auf Null runtergebremst. Eine Außenbandverletzung, erneut im rechten Knie, machte wieder eine Operation notwendig.

Der VfB stand so lange ohne stabiles Fundament im Abwehrzentrum da. Der Ex-Kölner Chabot musste als Lenker der Abwehr sofort funktionieren – zudem füllten in der Hinrunde Anthony Rouault und Anrie Chase die Lücken auf der Innenverteidiger-Position. Der VfB schleppte sich so mit einem nicht zu übersehenden Defensivproblem über die Runden. Mehr Stabilität gab es im Winter durch die beiden Neuzugänge Finn Jeltsch und Luca Jaquez.

Doch unterm Strich kassierte der VfB satte 53 Gegentore in 34 Partien. Wird nun mit Zagadou alles besser? „Man muss wissen, dass er diese Verletzungshistorie hat. Wir werden seine Belastung daher auch mal dosieren“, sagt Sebastian Hoeneß: „Aber er ist in meinem Kopf ein Spieler wie jeder andere auch. Er kann seit einiger Zeit alles machen – auch bei ihm waren die Ergebnisse der Leistungstests sehr positiv.“

Klar ist: kommt Zagadou voll auf Touren, dann steht dem VfB ein starker Innenverteidiger auf internationalem Topniveau zur Verfügung. Quasi ein Neuzugang aus dem oberen Regal. Seit Ende April ist Zagadou wieder im Mannschaftstraining, hätte im Notfall auch bereits in der Endphase der Vorsaison eingreifen können.

Fünf schwere Verletzungen am Knie

Allerdings ist weiter ein wenig Vorsicht geboten. Schließlich blickt der 26-Jährige in Summe auf fünf schwere Knieverletzungen zurück. Bereits in seiner vorherigen Station in Dortmund war Zagadou voll dabei, sich auf Champions-League-Niveau als Topverteidiger zu etablieren. Dann spielte die Gesundheit erstmals nicht mehr mit, weshalb die Westfalen den 2022 auslaufenden Vertrag nicht verlängerten. Es ist daher keine Frage: Wäre die Karriere Zagadous ohne die großen Rückschläge verlaufen, dann hätte der VfB einen Spieler seiner Qualität wohl erst gar nicht bekommen.

Weitere Themen