VfB Stuttgart Das neue Präsidium legt los – mit einem klaren Schwerpunkt
Der alte und neue Präsident Dietmar Allgaier zeigt sich selbst ein wenig überrascht vom Wahlergebnis – und will gemeinsam mit Andreas Grupp und Stefan Jung einiges bewegen.
Der alte und neue Präsident Dietmar Allgaier zeigt sich selbst ein wenig überrascht vom Wahlergebnis – und will gemeinsam mit Andreas Grupp und Stefan Jung einiges bewegen.
Anlaufzeit? Die benötigt Dietmar Allgaier nicht, schließlich steht er dem VfB Stuttgart schon seit mehreren Monaten interimistisch vor und kennt Abläufe wie Themen gleichermaßen. Und so ging der Blick beim alten und neuen Clubchef nach seiner Wahl zum Präsidenten auf der Mitgliederversammlung auch bereits nach vorne, speziell auf einen Bereich. „Auf meiner Agenda steht vor allem das Thema Infrastruktur“, so der 58-Jährige, „da bleibt uns keine Zeit, wird müssen jetzt in die Gespräche gehen.“
Dass sich der VfB räumlich erweitern will, ist kein Geheimnis. Der Platz ist knapp, die Pläne sind vielfältig. Zwei zusätzliche Plätze gegenüber dem Vereinszentrum auf der anderen Seite der Mercedesstraße sollen kommen, für die schon Gelder in e.V. und AG bereitgestellt sind. Auch ein Ausbau des Geländes in Obertürkheim ist anvisiert, wo die wachsende Frauenabteilung derzeit in weiten Teilen trainiert und spielt. Und das Thema eines neuen Stadions für das Frauenteam für bis zu 15 000 Zuschauer in Nachbarschaft zur großen MHP-Arena steht ohnehin auf der Agenda.
Allgaier will dabei auch seine Kontakte in die Politik nutzen, über die er als hauptamtlicher Landrat des Kreises Ludwigsburg verfügt – wohl wissend, dass es sich bei derartigen Projekten um einen Langstreckenlauf handelt. „Da wird auch übernächstes Jahr noch kein Bagger stehen“, betont der VfB-Präsident, „aber wir müssen beim Neckarpark administrativ ins Laufen kommen.“ Zudem gelte es mit Blick auf die Profi-Mannschaft, gemeinsam mit den AG-Vorständen die Leitplanken für die neue Saison in der Fußball-Bundesliga zu fixieren, so Allgaier, der Vereinschef und Aufsichtsratsvorsitzender in Personalunion ist.
Seine Amtszeit geht er mit viel Rückenwind an – und einem klaren Mandat durch das Ergebnis der Präsidentschaftswahl. Hier stimmten 1487 Mitglieder über jeden Kandidaten einzeln ab – wobei es möglich war, auch für mehrere Bewerber gleichzeitig mit Ja zu votieren. Allgaier erhielt mit Abstand die meisten Ja-Stimmen (1315) und distanzierte Pierre-Enric Steiger (244) und Jochen Haas (162) deutlich. „Ich hatte gedacht, dass es enger wird“, sagte ein selbst etwas überraschter Wahlsieger, „dass es so eindeutig reicht, ist ein enormer Vertrauensvorschuss von den Mitgliedern.“
Im Verein wird Allgaier für seine besonnene Art geschätzt, durch die nach turbulenten Jahren wieder Ruhe eingekehrt ist und wofür es in der Aussprache auch Lob aus der aktiven Fanszene gab. Vielleicht am deutlichsten manifestierte sich das Stimmungsbild, als die Mitglieder Allgaiers Amtsvorgänger Claus Vogt für das Geschäftsjahr mit nur 37,9 Prozent Zustimmung die Entlastung verwehrten.
Fünf Jahre hat Allgaier nun vorerst Zeit, beim VfB zu gestalten. Und das nicht alleine: Andreas Grupp (41) und Stefan Jung (45) erhielten bei der Wahl der Präsidiumsmitglieder mit 1074 respektive 630 Ja-Stimmen den höchsten Zuspruch unter insgesamt fünf Kandidaten und werden das Gremium fortan komplettieren. Mit dem einen, Grupp, arbeitet Allgaier schon seit vergangenem Sommer zusammen. Beide haben sich zuletzt mehrfach wertschätzend über den jeweils anderen geäußert und pflegen ein Vertrauensverhältnis.
Der andere, Jung, kommt neu hinzu. Der Unternehmer wurde wie Grupp auch in Albstadt-Ebingen geboren und hat sich im Vorfeld der Mitgliederversammlung schon das eine oder andere Mal mit Allgaier ausgetauscht. Jung könne „ein sehr guter Impuls- und Ideengeber im Präsidium“ sein, betonte der Clubchef am Samstag, nachdem er nach verhältnismäßig kurzen sechseinhalb Stunden eine Mitgliederversammlung ohne große Nebengeräusche geschlossen hatte. Nun wird er die Arbeit aufnehmen. Und an Themen und Aufgaben mangelt es nicht.