VfB Stuttgart Das sind die Hintergründe des Hilferufs an den Staat

Auf der VfB-Geschäftsstelle muss an allen Ecken und Enden gespart werden. Foto: Baumann

Der Ruf des VfB Stuttgart nach staatlichen Coronahilfen wirft Fragen auf. Was sind die Gründe? Wie geht es weiter? Und welche anderen Clubs haben den ähnlichen Weg beschritten?

Berlin/Stuttgart - Auf der Geschäftsstelle des VfB Stuttgart an der Mercedesstraße stapeln sich in diesen Wochen die Themen. Da ist die sportliche Zukunft nach der Rückkehr in die Bundesliga, die Suche nach Verstärkungen, die Ungewissheit über den Fortgang der Corona-Krise oder die Planung des Stadionumbaus, die im nächsten Frühjahr beginnen soll. Kein anderes Thema aber dominiert die Gesprächsrunden im Vorstand der VfB-AG so sehr wie die finanzielle Not, in die der Club trotz des Wiederaufstiegs geraten ist.

 

Dass dem VfB das Wasser bis zum Halse steht, das haben die VfB-Strategen bei jeder Gelegenheit betont und immer wieder auf entsprechende Gegenmaßnahmen verwiesen: den vorübergehenden Gehaltsverzicht der Profis, die Kurzarbeit, in der sich die 250 Mitarbeiter auch weiterhin befinden, den Einstellungs- und Ausgabenstopp, der auf der Geschäftsstelle schon zu Beginn der Corona-Krise verhängt wurde. Ein weiteres Mittel, den Finanzkollaps zu vermeiden, ist bisher unbekannt geblieben: der Antrag auf staatliche Hilfe, den der VfB bereits vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs beim Bundeswirtschaftsministerium in Berlin eingereicht hat.

„Wir haben in der Phase des Lockdowns alle Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Stabilisierung geprüft und unter anderem über unsere Hausbank einen Antrag auf KfW-Förderung gestellt, um unsere Liquidität zu sichern“, sagt VfB-Finanzchef Stefan Heim und bestätigt damit die Recherchen unserer Zeitung: „Das war eine unserer getroffenen Maßnahmen zur Wahrung des wirtschaftlichen Fortbestands des VfB in einer Zeit, in der niemand vorhersagen konnte, wann und wie es im Fußball weitergehen würde.“

Lesen Sie hier: Unser Kommentar zum VfB-Antrag

Von Mitte Mai an rollte unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der ersten und zweiten Liga der Fußball wieder, um zumindest die Gelder aus dem TV-Vertrag zu retten. Nur mit Geisterspielen, so erklärte die Deutsche Fußball-Liga (DFL), sei der Fortbestand vieler Vereine zu sichern. Wann wieder vor Zuschauern gespielt und mit entsprechenden Einnahmen gerechnet werden kann, ist auch weiterhin ungewiss. Nach Informationen unserer Zeitung hat der VfB bei der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Rahmen der milliardenschweren Corona-Hilfsprogramme für die deutsche Wirtschaft Kredite in Höhe von bis zu 15 Millionen Euro beantragt. Das Haftungsrisiko läge in diesem Fall beim Steuerzahler. Wie es heißt, könnte in den nächsten Tagen über den VfB-Antrag beraten werden.

Bei Gehältern und Beraterhonoraren zeigte sich der VfB lange großzügig

Staatshilfen für die Milliardenindustrie Profifußball – das hat es noch nicht gegeben und schien bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie undenkbar. Jahrelang hatte die Branche neue Umsatzrekorde vermeldet und mit dem Geld nur so um sich geworfen – sei es in Form von neunstelligen Ablösesummen oder Spielergehältern jenseits von 20 Millionen Euro. Beim VfB reichten auch Transfereinnahmen von rund 160 Millionen Euro seit 2016 und der mit 41 Millionen Euro dotierte Daimler-Einstieg nach der Ausgliederung 2017 nicht, um einen weiteren Abstieg in die zweite Liga und die aktuelle massive finanzielle Schieflage zu vermeiden. Im Geschäftsjahr 2019 bezahlte der VfB in seiner Profiabteilung Gehälter in Höhe von 76 Millionen Euro und ließ sich die Dienste von Spielerberatern 12,5 Millionen kosten.

Lesen Sie hier: Wo sind die vielen Millionen des VfB geblieben?

Ein kleiner Trost mag es nun sein, dass es vielen anderen deutschen Proficlubs nicht besser geht. Die halbe Bundesliga soll darüber nachdenken, bei der KfW vorstellig zu werden, oder hat dies bereits in die Tat umgesetzt. Werder Bremen kündigte schon im Mai an, Staatshilfen in Anspruch nehmen zu wollen. Selbst der Branchenriese Borussia Dortmund – Jahresumsatz: 500 Millionen, Personalaufwand: 205 Millionen – hat sich laut „Spiegel“ damit beschäftigt, einen staatlich abgesicherten Kredit von bis zu 60 Millionen zu beantragen. Der Lokalrivale Schalke 04 wiederum hofft auf eine Bürgschaft durch das Land Nordrhein-Westfalen in Höhe von 31,5 Millionen Euro.

Beim VfB warten sie nun bereits seit drei Monaten auf den Bescheid aus Berlin und wollen anschließend entscheiden, wie es weitergeht. Unabhängig von einer möglichen vom Staat geförderten Finanzspritze ist schon jetzt klar, dass auch weiterhin an allen Ecken und Enden gespart werden muss und die Kurzarbeit der Mitarbeiter bis mindestens Jahresende weiterläuft. VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger erklärte gleich nach dem Aufstieg: „Wirtschaftlich sind wir auf keinen Fall über den Berg.“

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