VfB Stuttgart Der Ärger der Fans – in diesem Bereich liegt die Zahl der Mitgliedsaustritte

Bei vielen VfB-Fans stoßen die jüngsten Entscheidungen auf Unverständnis. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Die jüngsten Personalentscheidungen haben bei vielen Fans des VfB Stuttgart zu einer Menge Unmut geführt – und zu Mitgliedsaustritten. Wie reagiert der Verein?

Sport: David Scheu (dsc)

Noch hat Bruno Labbadia die Arbeit nicht aufgenommen. Zumindest auf dem Platz noch nicht. Unter den Fans des VfB Stuttgart aber ist der neue Trainer schon jetzt das bestimmende Thema – und die Stimmung ist, gelinde gesagt, nicht gerade gut. Vor allem in den sozialen Medien bläst dem Neuen an der Seitenlinie der Wind gehörig ins Gesicht, seine Verpflichtung hat längst eine veritable Welle der Entrüstung ausgelöst.

 

Die Vorwürfe: Unansehnlich sei der Fußball in Labbadias erster Amtszeit in Stuttgart vor rund zehn Jahren gewesen, ermüdend das ständige Lamentieren des Trainers, fatal der schwere Stand für junge Spieler. Von einer „rückwärtsgewandten Bankrotterklärung“ und mehr ist die Rede, nicht alle Kommentare sind druckreif.

Zwei umstrittene Personalentscheidungen innerhalb weniger Tage

Die Empörung fällt in eine Phase, in der die Stimmung ohnehin angespannt war: Nur ein paar Tage zuvor hatte der Verein die Trennung von Sportdirektor Sven Mislintat und damit eine zweite, ebenso kontroverse Personalie publik gemacht. Der selbstbewusste Westfale verkörperte für einen Teil der Fans den Wunsch nach Andersartigkeit – und war der letzte Verbliebene des Führungstrios um Trainer Pellegrino Matarazzo und Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger. Alle drei haben den Verein nun verlassen. Innerhalb eines Kalenderjahres.

Auch in manchen Fanclubs rumort es. „Es war schon überraschend, dass der neue Weg komplett verlassen wurde“, sagt Rüdiger Graf, der Vorsitzende des Fanclubs Courage Gerlingen. Die Stimmung unter den Fans in Gerlingen sei mehrheitlich kritisch, teils auch aufgewühlt. Dass es sich dabei nicht nur um ein belangloses Nischenphänomen handelt, zeigte unlängst eine Petition. Mehr als 12 000 Unterzeichner forderten darin die Vertragsverlängerung mit Mislintat, der gesamte Stehbereich der Cannstatter Kurve ließe sich mit dieser Personenzahl einmal komplett füllen.

Mitgliedsaustritte im niedrigen dreistelligen Bereich

Manche haben auch Konsequenzen gezogen. Die Zahl der Mitgliedsaustritte liegt dem VfB zufolge seit der Trennung von Mislintat im niedrigen dreistelligen Bereich. Einerseits nicht die Welt bei rund 75 000 Mitgliedern, laut Clubangaben aber doch ein merklicher Ausschlag nach oben. Der Verein sucht nun das Gespräch mit den Ausgetretenen, geht etwa im persönlichen Austausch durch das Serviceteam telefonisch auf die Gründe im Kündigungsschreiben ein.

Zur Wahrheit gehört aber ebenso, dass nicht überall Unverständnis herrscht. Unsere Redaktion erreichen auch Zuschriften, in denen die Verfasser Mislintat als Selbstdarsteller kritisieren und auf die nun schon zweite Saison im Abstiegskampf verweisen. Letzteres sieht auch Joachim Schmid so, der Vorsitzende des mitgliederstärksten Fanclubs Rot-Weiße Schwaben Berkheim. „Sven Mislintat war sehr beliebt, aber der Erfolg hat sich über die Jahre einfach nicht eingestellt“, sagt Schmid.

Es gibt auch Labbadia-Befürworter

Auch die Skepsis gegenüber Labbadia kann er nicht ganz nachvollziehen: „Es ist kein Fehler, jetzt im Abstiegskampf auf einen erfahrenen Trainer zu setzen.“ Natürlich seien die Spiele in Labbadias erster VfB-Amtszeit nicht immer die attraktivsten gewesen, die Ergebnisse aber weitaus besser als derzeit. „Und ich habe ihn als sehr nahbaren Trainer erlebt“, sagt Schmid, der damals im Fanausschuss aktiv war. Labbadia habe regelmäßig an dessen Sitzungen teilgenommen: „Er hat sich nie weggeduckt.“

Auf Unverständnis stößt indessen bei Befürwortern wie Kritikern die Vertragslaufzeit. 2025 endet Labbadias Arbeitspapier – in zweieinhalb Jahren, eine lange Zeit im Profifußball. „Das hat uns sehr verwundert“, sagt Rüdiger Graf. Schließlich sei beim VfB zuletzt kaum ein Trainer so lange im Amt gewesen und auch Labbadia bei seinen Stationen nicht. Joachim Schmid richtet den Blick auf den Vorstandschef Alexander Wehrle, der bei den jüngsten Personalien eine zentrale Rolle gespielt hatte: „Herr Wehrle ist ein großes Risiko eingegangen. Wenn es nicht funktioniert, fällt es auf ihn zurück.“

Sportlicher Erfolg könnte das Umfeld beruhigen

Sollte es jedoch funktionieren, könnte sich die Lage auch wieder beruhigen. Der Blick zurück zeigt das. 2018 ersetzte der VfB den beliebten Hannes Wolf durch den umstrittenen Tayfun Korkut auf der Trainerbank. Die Aufregung war groß, die Stimmung dann aber schnell auf dem Weg nach oben – als der VfB durch pragmatischen, aber erfolgreichen Fußball in der Tabelle kletterte und kletterte. Die Ergebnisse beruhigten das Umfeld.

Claus Vogt sieht diesen Zusammenhang auch. Letztendlich, sagte der VfB-Präsident unlängst bei einer Veranstaltung in Waldenbuch, stehe und falle alles mit dem Resultat am Wochenende: Würden die Vereinsverantwortlichen von Montag bis Freitag gar nichts machen und die Mannschaft am Samstag gewinnen, „dann ist alles gut. Und wenn wir 24 Stunden durcharbeiten und jeden Samstag verlieren, ist alles schlecht.“ Gut oder schlecht, Entspannung oder Entrüstung – die nächsten Monate werden zeigen, ob es beim VfB turbulent bleibt. Oder ob doch Ruhe einkehrt.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu VfB Stuttgart Fans Bruno Labbadia