Debüt als VfB-Kapitän: Angelo Stiller im DFB-Pokal bei Jahn Regensburg Foto: imago/Eibner//Jenni Maul
Kein VfB-Profi hat in dieser Saison mehr Minuten gesammelt als Angelo Stiller, der durch seine Positionierung oft unbemerkt Einfluss auf das Spiel nimmt und auch statistisch in der Bundesliga-Spitze mitmischt.
Es war auch ein Schuss Humor dabei, mit dem Angelo Stiller auf seinen Premierenauftritt zurückblickte. „Ein Spiel, ein Sieg. Meine Quote ist recht gut“, befand der Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart trocken nach dem ungefährdeten 3:0-Sieg im Achtelfinale des DFB-Pokals bei Jahn Regensburg. Nun hat Stiller für den VfB natürlich weit mehr als einmal gespielt und auch deutlich häufiger gewonnen – aber eben nicht als Kapitän: Als solcher führte er die Stuttgarter beim Zweitliga-Schlusslicht erstmals in einem Pflichtspiel aufs Feld, da der etatmäßige Spielführer Atakan Karazor ob des straffen Pensums eine Verschnaufpause bekam.
Unwohl fühlte sich Stiller in der neuen Rolle nicht, ganz im Gegenteil. „Es ist etwas Besonderes und eine Ehre für einen Spieler, eine Mannschaft anzuführen“, betonte er im Anschluss. „Man genießt das schon.“ Einerseits. Zugleich aber legte der 23-Jährige schon auch Wert auf die Feststellung, dass sich seine Kerntätigkeit auf dem Feld durch das Stück Stoff am Arm nicht grundlegend gewandelt hatte: „Mein Spiel verändert sich nicht wirklich dadurch.“ Denn Stiller tat in Regensburg das, was er im Zentrum eigentlich immer tut. Bälle verteilen, den Rhythmus bestimmen, das Tempo wahlweise anziehen oder entschleunigen.
Seit Sommer 2023 beim VfB
Diese Rolle hat er seit eineinhalb Jahren in Bad Cannstatt inne, nachdem er im Sommer 2023 von der TSG Hoffenheim zum Fast-Absteiger VfB gewechselt war. Und das als ausdrücklicher Wunschspieler von Trainer Sebastian Hoeneß: Stillers Passsicherheit – auch unter Druck, auch bei Bällen in die Tiefe – trägt den auf Kontrolle und Dominanz ausgerichteten Ansatz des Stuttgarter Cheftrainers maßgeblich. Mit einer Passquote von 91,4 Prozent liegt er in dieser Saison bis dato auf Platz 14 sämtlicher Bundesliga-Profis, wobei sich in dieser Rangliste ganz vorne eher Innenverteidiger denn Mittelfeldspieler tummeln.
Auf diese Qualität verzichtet Hoeneß ungern. Und eigentlich nie. Als einer von nur drei Stuttgarter Profis neben Karazor und Mittelstürmer Ermedin Demirovic stand Stiller bisher in jedem der 21 Pflichtspiele des VfB in dieser Saison auf dem Feld, mit 1711 Minuten kommt er auf die meisten in seiner Mannschaft, die drei Länderspiele für die deutsche Nationalelf in diesem Herbst sind da noch nicht eingerechnet.
VfB-Trainer Sebastian Hoeneß (links) und Angelo Stiller haben schon bei der TSG Hoffenheim und beim FC Bayern II zusammengearbeitet. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch
Für Stiller selbst hat seine Bedeutung fürs Stuttgarter Spiel abseits des rein Fußballerischen auch mit der Positionierung auf dem Feld zu tun: „Ich glaube, ich nehme einfach eine zentrale Rolle ein durch meine Position und meinen Spielstil. Da habe ich einfach den kürzesten Weg zu den Mitspielern in der Mitte und kann dann da immer ein bisschen coachen.“ Wo also Torhüter Alexander Nübel erst einmal 50 Meter laufen müsste zur Kontaktaufnahme mit Offensivakteuren wie Enzo Millot, sind für Stiller im Zentrum alle zehn Mitspieler mehr oder weniger in Rufweite.
Er nutzt das, coacht und dirigiert, auch ohne Ball am Fuß. Und hat sich selbst längst in den Fokus gespielt. Sein Vertrag läuft zwar noch bis 2027, ein langfristiger Verbleib beim VfB ist aber völlig offen. Schon im Sommer könnten auf dem schnelllebigen Transfermarkt neue Dynamiken entstehen. Im Hier und Jetzt aber sind es erst einmal ganz andere Themen, die den VfB und Stiller beschäftigen. Stichwort Belastung.
„Ich bin sehr froh, wenn Weihnachten kommt“, sagt Dauerspieler Stiller. Die Dreifach-Belastung merke man, körperlich wie mental. Bislang ist Stiller gut durchgekommen. Es blieb im Verlauf der Hinrunde bei einigen kleineren Wehwehchen, die keine Pause erforderten. Dass das Pokalduell in Regensburg kein Abnutzungskampf bis zur letzten Minute wurde, schonte ebenfalls die einen oder anderen der ohnehin raren Körner: Nach der frühen Führung durch Tore von Enzo Millot per starkem Solo (10.) und von Anrie Chase per Kopf (19.) verwaltete der VfB die Partie, die durch das 3:0 durch Nick Woltemade endgültig entschieden war. Richtig stressig wurde es danach nicht mehr – für Stiller erst recht nicht, der nach 66 Minuten für Karazor vom Feld ging und mit Blick auf die kommenden Wochen schon mal ankündigte: „Ich habe noch ein bisschen was im Tank.“
Das wird er aller Voraussicht nach schon an diesem Freitagabend wieder brauchen, wenn die Stuttgarter um 20.30 Uhr in der Bundesliga Union Berlin empfangen. Mit Angelo Stiller in der Anfangsformation? In seinem dann 22. Pflichtspiel-Einsatz für den VfB in dieser Saison? Alles andere würde schwer überraschen.