VfB Stuttgart Der knifflige Januar – warum die Lage beim VfB so herausfordernd ist

Silas Katompa, Serhou Guirassy und Hiroki Ito (v.l.) sind zu Jahresbeginn aller Voraussicht nach mit ihren Nationalteams unterwegs. Foto: Baumann

Gleich vier Profis um Toptorjäger Serhou Guirassy drohen dem VfB zu Jahresbeginn wochenlang zu fehlen. Zu welchen Partien ist eine Rückkehr jeweils realistisch? Und wie ist die Lage bei den Stuttgarter Gegnern?

Sport: David Scheu (dsc)

Die Blicke des VfB Stuttgart gehen in diesen Tagen auch nach Afrika. Dort hält sich die offensive Lebensversicherung des Vereins derzeit auf – für Torjäger Serhou Guirassy geht es mit Guinea um die Qualifikation zur WM 2026. Die Nominierung des 27-Jährigen war keine wie jede andere, ist er doch gerade erst zurückgekehrt nach einer dreiwöchigen Verletzungspause. Sportdirektor Fabian Wohlgemuth zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Wir konnten uns beim letzten Mal von den Bedingungen beim Nationalteam dort überzeugen. Das ist hochprofessionell.“ Im besten Fall kehrt Guirassy Mitte nächster Woche unverletzt und pünktlich vor der Bundesliga-Partie bei Eintracht Frankfurt zurück, höchstens etwas geschlaucht von den Reisestrapazen.

 

Das alles ist nichts im Vergleich zu dem, was im Januar auf den VfB zukommt. Dann wird Guirassy mehrere Pflichtspiele während des Afrika-Cups verpassen, für den zudem auch Silas Katompa (Kongo) gute Nominierungschancen hat. Damit nicht genug: Zur selben Zeit stehen voraussichtlich die beiden Stuttgart-Profis Hiroki Ito (Japan) und Woo-yeong Jeong (Südkorea) im Aufgebot ihrer Nationalteams bei der Asienmeisterschaft. Es ist erst das zweite Mal überhaupt, dass die beiden kontinentalen Meisterschaften terminlich zusammenfallen.

Der Hintergrund: Das Turnier um Asiens Fußball-Krone hätte ursprünglich diesen Sommer in China steigen sollen – das aber zog 2022 wegen seiner damaligen Null-Covid-Politik zurück. Katar erhielt den Zuschlag, verbunden mit einer Verschiebung in den Januar 2024 wegen des heißen Sommers. Der Afrika-Cup indessen steht alle zwei Jahre in unterschiedlichen Monaten an, oft abhängig vom Klima im Gastgeberland. Dieses Mal wird der Sieger zu Jahresbeginn in der Elfenbeinküste ausgespielt.

Zwei Spiele verpassen die Nationalspieler sicher – im schlimmsten Fall sechs

Für den VfB bildet diese Konstellation eine besondere Herausforderung: Vier fehlende Profis sind an sich schon eine Menge, hinzu kommt ihr sportlicher Wert: Torjäger Guirassy gilt als unersetzlich, Verteidiger Ito ist absoluter Stammspieler, Silas und Jeong sind mindestens wichtige offensive Optionen. Was zur Frage führt: Wie viele Spiele muss der VfB ohne das Quartett bestreiten? Zwei sind es mindestens: die Auswärtsspiele bei Borussia Mönchengladbach (14. Januar, 17.30 Uhr) und beim VfL Bochum (20. Januar, 15.30 Uhr), die während der Gruppenphase der Turniere in Afrika und Asien stattfinden.

Ab dem dritten Bundesliga-Spiel im Jahr 2024 regiert dann den Konjunktiv: Scheidet einer der VfB-Profis in der Vorrunde aus, könnte er dann wieder mitmischen. Geht es aber bis ins jeweilige Finale Mitte Februar, umfasst die Fehlzeit drei weitere Partien: gegen RB Leipzig, den SC Freiburg und den FSV Mainz 05. Hinzu käme ein eventuelles Viertelfinale im DFB-Pokal, das zwischen dem 30. Januar und 7. Februar ausgespielt wird. Heißt: Sechs Partien verpassen die Nationalspieler im ungünstigsten Fall.

Schwierige Gruppe für Guirassy und Guinea beim Afrika-Cup

Bei Ito und Jeong könnte der tatsächlich eintreten, ein frühes Ausscheiden von Japan und Südkorea wäre eine große Überraschung. Bei Guirassy und Silas ist die Lage weniger sicher, weder Guinea noch der Kongo zählen zu den Topfavoriten beim Afrika-Cup. Beispiel Guinea: Das Land wurde gemäß der Fifa-Rangliste in Lostopf drei von vier einsortiert – und hat mit Titelverteidiger Senegal und Kamerun zwei Schwergewichte als Vorrunden-Gegner. Die beiden besten Teams jeder Vierer-Gruppe qualifizieren sich für das Achtelfinale, zudem die vier besten Gruppendritten. Das Abschneiden Guineas ist da völlig offen, ein Vorrunden-Aus möglich. In diesem Fall hätte Guirassy am 23. Januar sein letztes Turnierspiel. Bei einer zügigen Rückreise wäre das noch nicht terminierte VfB-Heimspiel gegen die Leipziger (26. bis 28. Januar) machbar.

Soweit der Blick auf die Stuttgarter Seite. Nicht minder relevant ist natürlich die Lage bei den Kontrahenten. Und die sind weit weniger gebeutelt von den Länderspiel-Abstellungen zu Jahresbeginn – ein Stammspieler fehlt ihnen jeweils: Bei Gladbach: Verteidiger Ko Itakura (Japan), der momentan aber mit Knöchelproblemen ausfällt. Bei Bochum: Angreifer Takuma Asano (Japan), mit vier Toren bester Torschütze seiner Mannschaft. Bei Leipzig: Mittelfeldakteur Amadou Haidara, der im Fall eines Achtelfinal-Einzugs von Mali gegen den VfB fehlen würde. Bei Freiburg: Offensivspieler Ritsu Doan (Japan), der in dieser Saison achtmal in der Startelf stand. Und bei Mainz: Stürmer Jae-sung Lee (Südkorea), der bei den 05ern gesetzt ist und zwei Saisontore erzielte. Er müsste aber schon das Finale erreichen, um gegen den VfB sicher auszufallen.

Trotz all dieser Unwägbarkeiten: Fest steht, dass der VfB personell stärker als seine Gegner gebeutelt sein wird. Alternativen gibt es im Kader dennoch: Deniz Undav hat Guirassy schon in den vergangenen Wochen vertreten, Dan-Axel Zagadou und Maximilian Mittelstädt könnten die linke Abwehrseite ohne Ito besetzen, Jamie Leweling oder der junge Luca Raimund anstelle von Silas auf dem rechten Flügel auflaufen. Und Jeong war zuletzt ohnehin hinter Enzo Millot die Nummer zwei im offensiven Mittelfeld. Aber: Formtiefs oder Verletzungen wird sich der VfB nicht im Übermaß leisten können. Er steht vor einem anspruchsvollen Jahresstart.

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