VfB Stuttgart Der VfB bewegt sich auf sehr dünnem Eis

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Die Stuttgarter enttäuschen beim Spiel gegen Düsseldorf mit O:O. Cacau, der Ibisevic ersetzte, konnte auch nicht seine Chancen nutzen. Muss man sich um die VfB-Spieler und ihre Einstellungen Sorgen machen?

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Stuttgart - Auf einer Sanitätskiste neben der Eckfahne hat Fredi Bobic Platz genommen und findet durchaus Gefallen an dem, was er sieht. Aus allen Lagen schießen die VfB-Spieler die Bälle ins Tor, links oben, rechts unten und manchmal auch dem Torwart durch die Beine. Die Sache hat nur einen Haken: Es ist nur das Training, und es sind nur die Reservisten, die an diesem Sonntagvormittag den sauberen Torabschluss üben.

Mit der Darbietung des Stammpersonals hat Bobic am Vortag weniger Freude gehabt. „Keinen großen Spaß“ habe es gemacht, beim 0:0 gegen Fortuna Düsseldorf zuzuschauen, sagt der VfB-Manager, was stark untertrieben ist. Eine einzige Qual waren für den Großteil des Publikums diese 90 Minuten plus Nachspielzeit, die an Niveaulosigkeit kaum zu überbieten waren – und aus Stuttgarter Sicht am Ende nur einen Trost bereithielten: Einen Punkt gab es trotzdem, den ersten in dieser Runde.

Viel einfallsreicher als seine Spieler zuvor auf dem Platz ist anschließend Bruno Labbadia bei der Suche nach Gründen für den verpassten ersten Saisonsieg. Die angeblich destruktive Spielweise der Düsseldorfer führt der VfB-Trainer an, die zum Spiel nichts beigetragen hätten (und trotzdem die beste Torchance im ganzen Spiel hatten); und die zwei frühen Wechsel in der Außenverteidigung beklagt er, „die uns total aus dem Tritt gebracht haben“. Das „letzte Quäntchen“ habe gefehlt, ansonsten könne er seinen Spielern keinen großen Vorwurf machen: „Die Mannschaft hat alles gemacht, was man in so einem Spiel tun muss.“

Muss man sich um den VfB Sorgen machen?

Wenn das wirklich alles sein sollte, dann müsste man sich um den VfB einige Sorgen machen. Und wenn der Torhüter Sven Ulreich wirklich der Meinung ist, „ein gutes Spiel“ seiner Vorderleute gesehen zu haben, darf man sich fragen, wie die Ansprüche des VfB lauten, der doch eigentlich auch diese Saison wieder gerne den Europapokal erreichen würde. Zur Erinnerung: Düsseldorf ist als dritter Aufsteiger in die Bundesliga gekommen, hat anschließend einige seiner besten Spieler verloren und 17 neue, weitgehend namenlose Profis dazugeholt. „Zu Hause musst du gegen eine solche Mannschaft drei Punkte holen“, sagt der VfB-Angreifer Martin Harnik.

Zwar hat die Fortuna als einzige Bundesligamannschaft noch keinen Gegentreffer kassiert – so leicht wie gegen den VfB dürfte ihr es in Zukunft aber nicht mehr oft fallen, das eigene Tor sauber zu halten. An der „letzten Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft“ habe es sein Team vermissen lassen – zumindest das muss auch Labbadia einräumen, während Harnik wenig Lust verspürt, das Spiel schönzureden: „Wir waren einfach zu ideenlos .“

Wie Düsseldorf hat auch der VfB im Sommer einige Spieler abgegeben – die Stammmannschaft ist aber im Wesentlichen unverändert geblieben. In der Rückrunde des Vorjahres hat sie gezeigt, was möglich ist, wenn alles optimal läuft. „Wir müssen immer an der Grenze arbeiten“, hat Bruno Labbadia schon damals gesagt – und dürfte nun selbst wissen, dass dieser Grenzbereich auf Dauer kaum aufrechtzuerhalten ist, wenn man an drei Wettbewerben teilnimmt, drei Spiele pro Woche zu bestreiten hat und zudem viele Nationalspieler abstellen muss. Dann tritt noch stärker das Problem zu Tage, dass sich der VfB nicht auf die individuelle Klasse und die Führungsqualitäten einzelner Spieler verlassen kann, die ein zähes Spiel zur Not im Alleingang entscheiden können.

Keinen Plan B zur Zeit

Um so wichtiger ist die Taktik, die für die Gegner zuletzt jedoch leicht auszurechnen war. Gegen Düsseldorf zeigte sich, dass es einen Plan B derzeit nicht zu geben scheint. Den gesperrten Vedad Ibisevic ersetzte Labbadia durch Cacau, obwohl der Trainer immer davon gesprochen hatte, dass der Routinier für die vorderste Front nicht geeignet sei. Cacau hatte zwar die einzige große Chance, stand ansonsten aber, von einem einfallslosen Mittelfeld unzureichend unterstützt, weitgehend auf verlorenem Posten.

Und so bot die Nullnummer den Beleg dafür, auf welch dünnem Eis sich der VfB bewegt. Es dürfe personell nicht viel passieren, das war der sportlichen Leitung schon vor der Runde klar. Nun hat sich der linke Verteidiger Cristian Molinaro an der Schulter verletzt und fehlt zumindest in den nächsten beiden Spielen, sein Pendant Tim Hoogland muss wegen eines doppelten Bänderrisses im Sprunggelenk sogar zwei Monate pausieren. Gegen Düsseldorf wurde er von William Kvist ersetzt, weil Gotoku Sakai wegen Trainingsrückstandes nicht mal auf der Ersatzbank saß.

Auf diese Weise kam immerhin Zdravko Kuzmanovic zu seinem ersten Saisoneinsatz. „Das war zu wenig, was wir geboten haben“, sagte der Serbe – ist aber guter Dinge, dass es am Donnerstagabend (19 Uhr) gegen Steaua Bukarest besser wird: „In der Europa League ist das Niveau nicht so hoch wie in der Bundesliga.“ Hinten drin werden aber auch die Rumänen stehen.




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